Umfassende Bewertung: Kleine Atomreaktoren sind keine Alternative

Kleine, modulare Kernreaktoren werden von der Atomkraft-Branche als neues Heilsversprechen vermarktet. Eine umfassende Bewertung ihrer möglichen Rolle für das australische Stromnetz kommt allerdings zu einem geradezu vernichtenden Ergebnis.
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Teurer Strom

Wie in zahlreichen anderen Ländern sucht man auch in Australien aktuell nach dem hoffentlich besten Konzept, die Stromversorgung von fossilen Energieträgern zu lösen. Im Zuge dessen haben die staatliche Behörde Australiens für wissenschaftliche und industrielle Forschung CSIRO und die AEMO, die unserer Bundesnetzagentur ähnlich ist, auch die Möglichkeiten geprüft, die sich aus den kleinen Reaktoren ergeben, berichtet das Magazin Cosmos.

Die Kernenergie-Branche verspricht unter anderem, dass SMRs aufgrund ihrer modularen Bauweise preiswert hergestellt werden und somit billigen Strom liefern können. Unter Berufung auf wissenschaftliche Studien kommt der Bericht der australischen Behörden aber zu der Einschätzung, das die Systeme Strom zu Preisen zwischen 245 und 370 Euro pro Megawattstunde liefern.


Im Vergleich dazu liegen die Kosten für jede Megawattstunde Strom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen bei etwas über 60 Euro - selbst wenn man die zusätzlichen Kosten für den Ausgleich der schwankenden Leistung von Solar- und Windkraftanlagen berücksichtigt. Die angeblichen Preisbrecher wären also um das Vier- bis Sechsfache teurer als die Erneuerbaren.

Klimaschutz geht anders

Ebenfalls keine Vorteile bringen die SMRs beim noch immer ungelösten Problem der radioaktiven Abfälle. Hier steht sogar zu erwarten, dass die kleinen Anlagen auf die Menge erzeugten Stroms gerechnet sogar mehr Atommüll produzieren als große Kernkraftwerke. Darüber hinaus sind die Risiken aufgrund von Unfällen zwar etwas anders gelagert, aber letztlich kaum geringer.

Der Physiker und Energie-Analyst Amory Lovins erklärte in dem Zusammenhang, dass es aktuell im Klimaschutz darauf ankomme, "den meisten Kohlenstoff zu den geringsten Kosten und in der kürzesten Zeit einsparen". Dafür sei die Kernenergie auch mit SMRs keine Lösung. Wenn man das für die Reaktoren benötigte Geld direkt in Erneuerbare investiert, könne man viel schneller und umfangreicher Emissionen reduzieren.

Zusammenfassung
  • Kleine modulare Kernreaktoren gelten als neues Versprechen der Atomindustrie
  • Australische Studie bewertet diese Reaktoren als ineffizient und teuer
  • Stromkosten von SMRs liegen zwischen 245 und 370 Euro pro Megawattstunde
  • Wind- und Solarstrom sind deutlich günstiger, auch mit Zusatzkosten
  • SMRs lösen das Problem des Atommülls nicht und könnten mehr Abfall erzeugen
  • Unfallrisiken bei SMRs sind kaum geringer als bei großen Kernkraftwerken
  • Investitionen in erneuerbare Energien sind effektiver für den Klimaschutz

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