Twitter: Moderation darf Antisemitismus & Co. nicht mehr löschen
Dass die Verbreitung problematischer Inhalte auf Twitter blüht, ist offensichtlich - es war aber unklar, warum genau dies der Fall ist. Nun liegen Belege dafür vor, dass der neue Eigner Elon Musk die Moderatoren ausdrücklich zum Stillhalten auffordert.
Dies sollen vertrauliche Dokumente aus dem Unternehmen belegen, die der irischen Wirtschaftszeitung Business Post vorliegen. Aus diesen gehen verschiedene Änderungen in den Vertrauens- und Sicherheitsregeln hervor. Sie zeigen, wie die Richtlinien es jetzt ermöglichen, dass missbräuchliche und hasserfüllte Konten auf der Plattform bleiben.
Die Unterlagen sind auf die Monate Juni bis Oktober dieses Jahres datiert. Aus ihnen geht beispielsweise hervor, dass Moderatoren von Inhalten angewiesen wurden, die Nutzer, die hinter bestimmten hasserfüllten Inhalten stehen, nicht zu sperren. In den fraglichen Fällen ging es um Beiträge, die zu körperlicher Gewalt gegen eine Person aufrufen, andere thematisierten Massenmorde, um andere User zu belästigen. Aber auch Hetze gegen bestimmte Menschengruppen kam immer wieder vor.
Generell sollen die Moderatoren demnach auch krasse Fälle von Antisemitismus, Rassismus oder ähnlichem nicht mehr löschen, sondern bestenfalls in ihrer Reichweite beschränken. Das bedeutet, dass sie in den von Algorithmen zusammengestellten Timelines nicht mehr prominent auftauchen, wohl aber in den Feeds der jeweiligen Nutzer oder in anderen Zusammenhängen stehen bleiben.
Für Musk stellt diese Form des Umgangs mit Inhalten die Umsetzung seiner Vorstellung von Redefreiheit dar. Objektiv bedeutet sie aber eher die Einschränkung der Freiheit auf der Plattform, da im Grunde alle leiseren Stimmen, die mit Vernunft und ruhiger Differenziertheit kommunizieren wollen, von den lauten Extremisten verdrängt werden.
Siehe auch:
- Twitter-Verbreitung problematischer Inhalte nimmt zu
- Elon Musk fordert Moderatoren zum Stillhalten auf
- Neue Politik schwächt Moderation von Missbrauch ab
- Vertrauliche Dokumente belegen Änderungen der Regeln
- Anweisung, hasserfüllte Nutzer nicht zu sperren
- Moderatoren sollen auch krassen Antisemitismus nicht löschen
- Musks "Redefreiheit" begünstigt lautstarke Extremisten
Belege liegen vor
Mitarbeiter seien ausdrücklich angewiesen worden, Nutzer nicht zu sperren, die explizit rassistische, sexistische und homophobe Inhalte posten oder sexuelles Material an andere Personen senden. Dies ist Teil einer neuen Politik, die die Moderation von missbräuchlichem Material durch das Unternehmen radikal abgeschwächt hat.Dies sollen vertrauliche Dokumente aus dem Unternehmen belegen, die der irischen Wirtschaftszeitung Business Post vorliegen. Aus diesen gehen verschiedene Änderungen in den Vertrauens- und Sicherheitsregeln hervor. Sie zeigen, wie die Richtlinien es jetzt ermöglichen, dass missbräuchliche und hasserfüllte Konten auf der Plattform bleiben.
Die Unterlagen sind auf die Monate Juni bis Oktober dieses Jahres datiert. Aus ihnen geht beispielsweise hervor, dass Moderatoren von Inhalten angewiesen wurden, die Nutzer, die hinter bestimmten hasserfüllten Inhalten stehen, nicht zu sperren. In den fraglichen Fällen ging es um Beiträge, die zu körperlicher Gewalt gegen eine Person aufrufen, andere thematisierten Massenmorde, um andere User zu belästigen. Aber auch Hetze gegen bestimmte Menschengruppen kam immer wieder vor.
Sogar im Vergleich
In den Dokumenten wurden gezielt auch Vergleiche angestellt: Man zeigte Inhalte, die vor der Übernahme der Plattform gelöscht worden wären, die nun aber stehen bleiben sollen. Solche Gegenüberstellungen sind auch zu erwarten, da es sich hier nicht um Einzelfallentscheidungen handelt, sondern beispielsweise um ein Schulungshandbuch und einen Leitfaden für den Umgang mit missbräuchlichen Inhalten.Generell sollen die Moderatoren demnach auch krasse Fälle von Antisemitismus, Rassismus oder ähnlichem nicht mehr löschen, sondern bestenfalls in ihrer Reichweite beschränken. Das bedeutet, dass sie in den von Algorithmen zusammengestellten Timelines nicht mehr prominent auftauchen, wohl aber in den Feeds der jeweiligen Nutzer oder in anderen Zusammenhängen stehen bleiben.
Für Musk stellt diese Form des Umgangs mit Inhalten die Umsetzung seiner Vorstellung von Redefreiheit dar. Objektiv bedeutet sie aber eher die Einschränkung der Freiheit auf der Plattform, da im Grunde alle leiseren Stimmen, die mit Vernunft und ruhiger Differenziertheit kommunizieren wollen, von den lauten Extremisten verdrängt werden.
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Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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