Elon Musk bezahlt jetzt Kriminelle und Rechtsradikale fürs Twittern

Elon Musk versucht bei Twitter zwar möglichst wenig Geld auszugeben und verweigert die Bezahlung von Vermieter- und Dienstleister-Rechnungen - dafür sollen nun aber bestimmte Nutzer für ihre Tweets bezahlt werden. In einer eigenen Variante der Umsatzbeteiligung an der Werbung.
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Das neue Modell wurde in der letzten Zeit offenbar bereits mit einigen ausgesuchten Nutzern getestet. Diese Pilotphase soll bereits über gut sechs Monate gelaufen sein. Teilnehmer an dem Programm berichteten dabei, dass sie über die Zeit hinweg teils Einnahmen im fünfstelligen Bereich - also weit über zehntausend Dollar - generieren konnten. Diese dürften somit die Zugpferde für den allgemeinen Start des Beteiligungsprogramms darstellen.

Um auf solche Summen zu kommen, muss man allerdings zu den Betreibern eines Kontos mit sehr vielen Followern gehören und außerdem viele Inhalte posten, die besonders zahlreiche Interaktionen zur Folge haben. Hilfreich scheint es außerdem zu sein, wenn man zusätzlich noch der rechtsradikalen Twitter-Blase angehört oder über andere besondere Verbindungen zu Elon Musk verfügt.


Bisher keine Transparenz

"Wow. Elon Musk hat nicht gescherzt. Content-Monetarisierung funktioniert wirklich", heißt es beispielsweise auf einem Twitter-Feed mit dem Nutzernamen "End Wokeness", der das Foto eines Schecks über 10.400 Dollar präsentierte. Sogar 20.000 Dollar bekam Andrew Tate, ein Unternehmer und Kickboxer, der gerade eine Haftstrafe wegen Vergewaltigung und Menschenhandel absitzen musste. Auch andere Nutzer, von denen bekannt wurde, dass sie an den Werbeeinnahmen beteiligt werden, scheinen allesamt grob aus dieser Ecke zu kommen. Eine Ausnahme ist der Account "@InternetH0F", der unpolitisch agiert und seine hohe Interaktionsquote daraus bezieht, dass er zahlreiche lustige Memes und Screenshots teilt.

Grundsätzlich ist es natürlich auch möglich, dass auch andere User Schecks bekommen haben, dies aber nicht öffentlich machten - erkennbar sind die Programmteilnehmer schließlich nicht. Gegen diese Annahme sprechen allerdings Angaben ehemaliger Mitarbeiter, die während der Entstehung des Programms noch bei dem Unternehmen tätig waren. Laut deren Aussage handelt es sich um ein Marketing-Instrument, mit dem Musk bestimmte Gruppen von Twitterern fördern will. "Es fühlt sich wirklich so an, als würden sie willkürlich Schecks an Leute ausstellen, die sie mögen, was keine nachhaltige Kreativitätsstrategie ist", erklärte eine ehemalige Führungskraft der Firma gegenüber der Washington Post.

Die YouTubering Latasha James, die von ihren Videos lebt, warnte allerdings davor, Twittern als Hauptberuf anzustreben - selbst wenn sich herausstellen sollte, dass an dem Programm zukünftig jeder teilnehmen kann. "Als Kreativer suche ich nach Monetarisierungsmöglichkeiten mit Marken und Plattformen, die gut finanziert und stabil erscheinen", sagte sie. "Twitter war im letzten Jahr das Gegenteil von stabil, daher wäre ich definitiv vorsichtig, mich auf ihr Monetarisierungsprogramm zu verlassen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen."

Zusammenfassung
  • Elon Musk startet Programm zur Monetarisierung von Tweets
  • Pilotphase über 6 Monate mit Teilnehmern erfolgreich
  • Teilnehmer erzielten Einnahmen im fünfstelligen Bereich
  • Zugpferde sind Nutzer mit vielen Followern und Interaktionen
  • Programm wird als Marketing-Instrument genutzt
  • Kreative sollten vorsichtig sein, sich darauf zu verlassen

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