Elektro-Sattelschlepper: Daimler will ab 2024 billiger als der Diesel sein

Lange galt es quasi als Gewissheit, dass batterieelektrische Fahrzeuge im Bereich der großen LKW-Flotten keine Rolle spielen werden. Der Weltmarktführer Daimler Truck will ab dem kommenden Jahr aber den Beweis antreten, dass dies eine Fehlannahme war.
PKW, Logistik, Verkehr, Transport, Straßenverkehr, lkw, Autobahn, Transportmittel, truck, Güterverkehr, Güter, Schwerlast, Maut
Bisher waren Sattelzugmaschinen mit batterieelektrischem Antrieb enorm teuer und hatten vergleichsweise bescheidende Leistungsmerkmale. Das spiegelte sich in den Zahlen beim Kraftfahrt-Bundesamt wider: In diesem Jahr gab es Neuzulassungen für 14.900 Diesel-LKW für den Fernverkehr, dem standen lediglich 53 Elektro-Trucks gegenüber. Das soll sich aber bald spürbar ändern.

Daimler setzt dafür auf den neuen eActros 600, der aktuell in Form von Prototypen erprobt wird. Im Oktober soll dann die offizielle Vorstellung des Serienmodells erfolgen. Wie das Handelsblatt berichtet, soll dieser Sattelschlepper die Elektrowende im Fernverkehr einleiten. "Ich bin davon überzeugt, dass dieser Lkw den neuen Standard im Straßengüterverkehr definieren wird", erklärte Karin Radström, Leiterin der Kernmarke Mercedes-Benz Trucks.


Ladepunkte sind das Problem

Im eActros 600 werden Lithium-Eisenphosphat-Batterien stecken, die es auf eine Kapazität von 600 Kilowattstunden bringen. Die Zellen dafür bezieht man vom chinesischen Hersteller CATL. Damit werden dem Vernehmen nach bis zu 500 Kilometer Reichweite möglich sein. Für die typischen Einsatzmöglichkeiten reicht dies eigentlich völlig aus, da in den gesetzlich vorgeschriebenen Pausen nachgeladen werden kann. Am Schnelllader lässt sich der Sattelschlepper binnen einer halben Stunde von 20 auf 80 Prozent Akkuladung bringen. Die Batterie soll dabei für eine Nutzung über zehn Jahre und eine Laufleistung von 1,2 Millionen Kilometer ausgelegt sein.

Das Schnellladen wird allerdings der kritische Punkt, der nicht in den Händen des Herstellers allein liegt. Entsprechende Ladepunkte gibt es an den Raststätten entlang der Autobahnen bisher im Grunde nicht und damit die Rechnung zukünftig aufgeht, wird es auch nicht ausreichen, wenn ein oder zwei Ladepunkte verfügbar sind. Hier muss die ganze Branche in den kommenden Monaten zügig vorankommen und gemeinsam mit den öffentlichen Betreibern der Infrastruktur Lösungen schaffen.

Wenn dieses Problem gelöst ist, wird der eActros 600 laut Radström den klassischen Diesel-LKW aber im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit übertreffen. Die Anschaffungskosten sind zwar hoch, aber Unternehmen kalkulieren ohnehin mit den Gesamtkosten über die Nutzungszeit - und hier holt man dann schnell auf. Dies zeigt sich auch am Interesse großen Logistiker, die bereits zahlreiche Vorbestellungen für den noch nicht einmal offiziell vorgestellten LKW abgeschickt haben: DB Schenker hat sich schon mal hundert Stück vorab gesichert, Dachser und Hegelmann bestellten jeweils 50, ebenso der Fleischkonzern Tönnies.

Zusammenfassung
  • Daimler Truck plant ab 2024 den eActros 600 als batterieelektrischen LKW.
  • Der eActros 600 verfügt über Lithium-Eisenphosphat-Batterien mit 600 kWh.
  • Schnelles Laden möglich dank CATL-Zellen, halbe Stunde auf 80 %.
  • Der eActros 600 soll Diesel-LKW bei Wirtschaftlichkeit übertreffen.
  • Logistiker haben bereits zahlreiche Vorbestellungen abgeschickt.
  • Anschaffungskosten hoch, Gesamtkosten über Nutzungszeit schnell aufgeholt.

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!