Waschmaschinen-Chips in Autos: Firmen basteln sich aus der Chipkrise

Mit Corona kam die Chipkrise, und während Corona aktuell zur Sommerpause abflacht, steigert sich der Mangel bei Chips welt­weit immer weiter. Unternehmen sind so verzweifelt, dass die nö­ti­gen Bauteile überall zusammengesucht werden. So wird das Hirn ei­ner Wasch­ma­schi­ne auch mal zum Auto-Chip.

Alle Markteilnehmer sind auf außergewöhnliche Ideen angewiesen

"Es herrscht Verzweiflung auf dem Markt", so Bill Wiseman, Seniorpartner bei der Beratungsfirma McKinsey laut Wired, das über den anhaltenden Chipmangel berichtet. "Wenn man ein Massenspektrometer für 350.000 Dollar baut und es nicht ausliefern kann, weil man keinen 50-Cent-Chip hat, ist man bereit, alles zu zahlen." Dieses Zitat fasst gut zusammen, was viele Unternehmen auch zwei Jahre nach Start der Chipkrise immer noch beschäftigt. Infografik: Deutliches Wachstum der Chipindustrie Deutliches Wachstum der Chipindustrie Genau daraus macht Wisemans Firma ein Geschäft. McKinsey hat ein eigenes Team gegründet, das sich für Auftraggeber auf die Suche nach wichtigen Chips macht. Dabei geht es vor allem auch darum, abseits der regulären Lieferkette nach möglichen Alternativen zu den bisher bewährten Bauteilen Ausschau zu halten. "Die Chips sind tatsächlich da draußen", sagt Wiseman. "Man muss sie nur finden und bekommen." "Es muss da draußen ein regelrechtes Hamstern geben", ergänzt der Analyst Dan Hutcheson. "Ich glaube, Chips sind das neue Klopapier."

Und so ist aktuell der Prozess, Chips zu beschaffen, für viele Unternehmen durchaus kurios, wie die Schilderung von Peter Wennink, CEO des niederländischen Unternehmens ASML, aufzeigt. Laut Wennink ist ein großer Industriekonzern dazu übergegangen, Waschmaschinen im großen Stil aufzukaufen, nur um die darin verbauten Chips für die eigenen Produkte einsetzen zu können - diese Maßnahme sollen unter anderem auch Autohersteller ergreifen.

Zweckentfremdet

Hat man die Chips einmal gefunden, kommt weitere Arbeit auf die Unternehmen zu. Wie Mike Juran, CEO von Altia, einem Unternehmen, das Schnittstellen-Software für Autos und Geräte herstellt, schildert, passen viele Unternehmen aktuell ihren Code an, damit dieser auf anderen Chips laufen kann. Ein weiterer Ansatz verfolgt die Idee, die Software so zu verändern, dass von den vorhandenen Chips mehr Arbeit erledigt wird. "Wir helfen dabei, auf alte Chips zurückzugreifen, die in den Lagern lagen und nicht mehr auf dem neuesten Stand waren", so Juran.

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