Kaufbots abgezockt: Ein Shop verkauft Produktbilder für tausende Euro

Besonders im Bereich der limitierten Sneaker sind Kaufbots ein echtes Problem: Shops werden mit tausenden automatisierten Anfragen bombardiert, echte Kunden werden durch schnell ausverkaufte Bestände frustriert. Ein Anbieter aus Frankfurt hat jetzt erfolgreich Bot-Nutzer ausgetrickst. Statt der begehrten Schuhe wurden teure Produktbilder angeboten, diese wurden tausendfach gekauft. Ein Bot gab sogar 100 Bestellungen für 7000 Euro auf.

Im Kampf gegen Bots setzt Store auf die Dummheit der automatisierten Systeme

Der Weiterverkauf limitierter Sneaker ist in der Szene ein großes und heiß diskutiertes Thema, schließlich können teilweise horrende Summen auf dem Zweitmarkt erzielt werden. Besonders der automatisierte Aufkauf durch Bots, die schneller als jeder Kunde Käufe abwickeln können, gilt als großes Problem, dass Shopbetreiber mit verschiedenen Methoden zu verhindern versuchen. Der Streetwear- und Sneaker-Laden Bonkers aus Frankfurt hat jetzt mit einer recht simplen Strategie unzählige Bots ausgetrickst und dabei tausende Euro eingenommen.

Wie viel der Shops, die Sneaker anbieten, wurde auch der Online-Shop von Bonkers bei limitierten Sneaker-Angeboten von einer Flut von Botanfragen bombardiert. Wie Mitgründer Martin Schreiber im Interview mit dem Soloskatemag beschreibt, wurde der Server des kleinen Unternehmens dabei zu Spitzenzeiten mit 700.000 Anfragen pro Minute lahmgelegt - 50.000 Bots hatten versucht, 50 verfügbare Paare eines limitierten Sneaker zu kaufen. Danach beschloss Bonkers, solche Angebote nur noch über das Ladengeschäft abzuwickeln - allerdings nicht, ohne einen Plan zu schmieden, wie man gegen die Bot-Betreiber vorgehen könnte: "Also haben wir gesagt, dass wir jetzt auch mal den Mittelfinger zeigen und digitale Bilder von den Schuhen verkaufen."

100 Bilder für 7000 Euro

Die Idee: Bonkers stellte die begehrten Schuhe in jeder Schuhgröße tausendfach in seinem Online-Shop zur Verfügung, beschrieb aber sowohl im Titel als auch in der Produktbeschreibung, dass es sich dabei nicht um die Schuhe selbst, sondern nur um Produktbilder handelt. Auch im Check-Out mussten die Käufer nochmals bestätigen, dass sie verstanden haben, dass es sich lediglich um ein digitales Produkt handelt. Auch der Preis von 70 Euro war ein deutlicher Hinweis darauf, dass hier nicht das richtige Produkt angeboten wurde. "Aber das erkennt so ein Bot natürlich nicht. Der sucht ja einfach nur nach dem Produktnamen und denkt dann: 'Kaufen. Kaufen. Kaufen.'"

Das Ergebnis: Unzählige Bot-Bestellungen gingen bei Bonkers ein, ein automatisierter Einkäufer zahlte dabei für hundert Bestellungen 7000 Euro. Die darauf folgenden unzähligen Beschwerden und Stornoanträge beim Bezahldienstleister Paypal blieben ohne Erfolg - schließlich hatte der Shop mehrfach und sehr deutlich auf die Natur des Produktes hingewiesen. Außerdem hatte Bonkers seine Kunden im Vorfeld in einem Blogbeitrag und auf seinen Social Media-Kanälen über die Aktion informiert und sich auch mit Nike - dem Hersteller des dargestellten Schuhs - abgesprochen. "Wir werden das auf jeden Fall noch öfter machen, aber ich glaube die werden trotzdem weiterhin kommen", so Schreiber.
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