Saudischer Religionsrat: Pokémon ist eine Ansammlung übler Sünden
Wenn alte Männer der Gesellschaft ihre fundamentalistische Religionsauslegung aufdrücken, offenbaren sich immer wieder Einblicke, in eine doch sehr - gelinde gesagt - sonderbare Weltsicht. So auch in einer aktuellen Stellungnahme der geistigen Führer in Saudi Arabien zum aktuellen Pokémon Go-Hype.
Das neue Spiel wird zwar nicht explizit erwähnt, doch der Zusammenhang ist vom zeitlichen Aufeinandertreffen der Ereignisse klar: Der Rat der Höchsten Religionsgelehrten hat aufgrund von Nachfragen Gläubiger auf eine bereits im Jahr 2001 veröffentlichte Erläuterung verwiesen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Darin wurde ausführlich Stellung zum damals populären Pokémon-Sammelkartenspiel genommen und dieses für nicht vereinbar mit einem Leben als guter Moslem eingestuft.
Nachvollziehbar ist dabei noch der Verweis darauf, dass das religiöse Verbot des Glücksspiels berührt sei. Der Rat bringt in seinem Fatwa allerdings noch verschiedene weitergehende Punkte an, in denen auf ziemlich verschrobene Art alle möglichen Sündenfälle konstruiert werden.
Hinzu komme, dass durch Pokémon auch diverse Religionen beworben würden, was natürlich dem eigenen Anspruch widerspricht, dem einzig wahren Glauben zu folgen. Symbole, die in dem Spiel verwendet würden, gehen hingegen auf die japanische Shinto-Religion, das Christentum, das Freimaurertum und den "globalen Zionismus" zurück.
Letzteres wiegt in einer Region, in der der Antisemitismus zum gesellschaftlichen Dogma erhoben wird, natürlich besonders schwer. Und bei Pokémon ist das Symbol eines Sterns mit sechs Strahlen sehr verbreitet, was aus Sicht des Religionsrates ein klarer Bezug zum Judentum und zum Staat Israel ist.
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Nachvollziehbar ist dabei noch der Verweis darauf, dass das religiöse Verbot des Glücksspiels berührt sei. Der Rat bringt in seinem Fatwa allerdings noch verschiedene weitergehende Punkte an, in denen auf ziemlich verschrobene Art alle möglichen Sündenfälle konstruiert werden.
Evolution und Judentum in einem Spiel
So hängt sich ein Argumentationsfaden an der Tatsache auf, dass Pokémons mit der Zeit nicht nur durch dazulernen besser werden, sondern sich auch in Pokémons mit anderer Gestalt wandeln können. Damit, so heißt es, werde auf gotteslästerliche Weise die wissenschaftliche Evolutionstheorie beworben. "Es ist schockierend, wie oft das Wort 'Evolution' von Kindern im Munde geführt wird", heißt es in dem Fatwa.Hinzu komme, dass durch Pokémon auch diverse Religionen beworben würden, was natürlich dem eigenen Anspruch widerspricht, dem einzig wahren Glauben zu folgen. Symbole, die in dem Spiel verwendet würden, gehen hingegen auf die japanische Shinto-Religion, das Christentum, das Freimaurertum und den "globalen Zionismus" zurück.
Letzteres wiegt in einer Region, in der der Antisemitismus zum gesellschaftlichen Dogma erhoben wird, natürlich besonders schwer. Und bei Pokémon ist das Symbol eines Sterns mit sechs Strahlen sehr verbreitet, was aus Sicht des Religionsrates ein klarer Bezug zum Judentum und zum Staat Israel ist.
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Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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