DRAM-Branche fürchtet Spielball chinesischer Politik zu werden

Übernahmen sind in der Weltwirtschaft an der Tagesordnung und lösen eigentlich selten größere Unruhe bei der Konkurrenz aus - das ist in einem aktuellen Fall allerdings anders: Der drittgrößere Hersteller von Arbeitsspeichern, Micron, könnte demnächst in chinesischen Besitz fallen.
Ram, Arbeitsspeicher, Intelligent Memory
Intelligent Memory
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf informierte Kreise beruft, soll die Tsinghua Unigroup planen, das US-Unternehmen aufzukaufen. Immerhin 23 Milliarden Dollar sollen geboten werden. In der Branche, die in den letzten Jahren ohnehin auf einige wenige große Anbieter zusammengeschrumpft ist, wäre dies noch nicht unbedingt ungewöhnlich.

Allerdings handelt es sich bei Tsinghua um ein Unternehmen in chinesischem Staatsbesitz. Angesichts dessen, dass die DRAM-Industrie ohnehin starken Schwankungen unterworfen ist, wird nun befürchtet, dass Micron dafür missbraucht werden könnte, den Weltmarkt im chinesischen Interesse zu manipulieren.

Neuer Flash-Speicher von Intel und MicronNeuer Flash-Speicher von Intel und MicronNeuer Flash-Speicher von Intel und MicronNeuer Flash-Speicher von Intel und Micron

Die Branche ist ohnehin von immer wiederkehrenden Überproduktionskrisen gekennzeichnet, die die Weltmarktpreise regelmäßig in den Keller schicken. Und neben Micron gibt es eigentlich mit Samsung und Toshiba nur noch zwei weitere Anbieter am Markt, die eine nennenswerte Rolle spielen. Diese kommen ausgerechnet aus Südkorea und Japan und damit aus zwei Wirtschaften, die in direkter Konkurrenz zu China stehen.

Für ein Unternehmen, hinter dem faktisch der Staat steht, wäre es kaum ein Problem zeitweilig schlicht ohne Aussicht auf Gewinne zu arbeiten, wenn es größeren politischen Zwecken dienlich ist. Daher befürchten einige, dass eine Übernahme von Micron die Krisen verschärfen könnte, indem immer mehr billige Chips auf den Markt geworfen werden und den beiden anderen Unternehmen so signifikante Verluste entstehen, was diese deutlich schlechter verkraften würden.

Für den Verbraucher wäre ein solcher Vorgang kurzfristig eher positiv - würden doch wohl auch im Einzelhandel deutlich geringere Preise verlangt werden. Längerfristig könnte hier mit mehreren solcher Durchläufe aber eine Monopolsituation herangezüchtet werden, in der auch eine künstliche Verknappung von Chips und damit deutliche Preissteigerungen denkbar wären.

Nun hofft man darauf, dass eine mögliche Übernahme schlicht verhindert wird. Dafür spräche, dass ein solcher Deal der Zustimmung von US-Behörden bedürfte, die den Technologie-Abfluss an strategische Gegner verhindern sollen. Hier stünde allerdings die Frage im Raum, welche kritischen Technologien konkret vor chinesischem Zugriff geschützt werden sollten - denn vergleichbare Chips werden von der Halbleiter-Industrie in China ohnehin seit längerer Zeit produziert.
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