Frankreich erbost über großen NSA-Lauschangriff

Der US-Geheimdienst NSA hat sich zumindest bei Telekommunikations-Vorgängen französischer Bürger nicht nur auf die Ausspähung der so genannten Metadaten beschränkt, sondern auch Inhalte mindestens automatisiert überwacht.
Nsa, National Security Agency, NSA Logo
NSA
Und dabei geht es, wie die Tageszeitung Le Monde berichtet, nicht gerade um Einzelfälle. Allein in einem Zeitraum von 30 Tagen, über den nun Erkenntnisse vorliegen, sollen mehr als 3 Millionen Verbindungen täglich ausgespäht worden sein. An dem Bericht ist der Journalist Glenn Greenwald, der das Snowden-Archiv verwaltet, als Co-Autor geführt - entsprechend stammen die Informationen aus den vom ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiter Edward Snowden bereitgestellten Unterlagen über die NSA.

Konkret wird in dem Bericht der Zeitraum vom 10. Dezember 2012 bis zum 8. Januar 2013 benannt. In diesem seien zusammengerechnet insgesamt 70,3 Millionen Vorgänge in Frankreich durch den US-Geheimdienst ausspioniert worden. Dies alles erfolgte im Rahmen eines Programms mit dem Zeichen "US-985D", bei dem es um die Ausspähung von Telefonaten und SMS ging. Die Entscheidung über die Erfassung der Daten soll dabei über Schlüsselwörter getroffen worden sein, was letztlich bedeutet, dass die Inhalte zumindest automatisiert ausgewertet worden sein müssen.

Bei der Spionage-Aktion sei es bei weitem nicht nur um die immer wieder zur Begründung vorgeschobenen Terroristen gegangen. Zu den Zielen der Überwachung gehörten auch Personen aus Politik und Wirtschaft. Dies deckt sich mit früheren Veröffentlichungen, nach denen die NSA auch die Computernetze des französischen Außenministeriums infiltriert haben soll, um mehr über die Rolle Frankreichs in der Weltpolitik zu erfahren. Aber auch die Wirtschaftsspionage dürfte weiterhin eine Rolle gespielt haben.

In Frankreich reagiert man zunehmend ungehalten auf die Berichte. Außenminister Laurent Fabius hat erst einmal den US-Botschafter zu sich zitiert, um die Angelegenheit zu besprechen, hieß es. "Solche Praktiken, die sogar in das private Leben eingreifen, sind vor allem zwischen Partnern völlig inakzeptabel", erklärte Fabius. "Wir müssen sicherstellen, dass dies nicht weiterhin geschieht - und zwar schnell."
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!