UK: Flughafen-Radar soll dem Mobilfunk weichen

In Großbritannien hat man voraussichtlich eine Möglichkeit gefunden, zusätzliche Funkfrequenzen für kommende 5G-Mobilfunkdienste freizumachen: Man will schlicht das Radar der Flugsicherung abschalten.
Mobilfunk, Großbritannien, Radar
TechWeek Europe
Bisher arbeiten Flughäfen mit aktiven Radarsystemen, um die Positionen von Flugzeugen zu bestimmen. Dabei werden Funkstrahlen gezielt ausgesandt, die von der metallischen Hülle der Flieger reflektiert und am Ausgangspunkt wieder empfangen werden. So lassen sich Entfernung, Richtung und Geschwindigkeit eines Objektes messen.

Das Technology Strategy Board der britischen Regierung hatte vor einiger Zeit aber Mittel freigemacht, um eine eigentlich schon etwas ältere Idee wieder aufzugreifen und beauftragte den Konzern Thales mit der Entwicklung von modernen Technologien für ein passives Radarsystem, berichtete das Magazin 'TechWeek Europe'. Dabei sendet man keine eigenen elektromagnetischen Wellen mehr aus, sondern empfängt nur noch ohnehin vorhandene Funkstrahlung - wenn beispielsweise Flugzeuge die Aussendungen von Fernseh-Stationen reflektieren.

Jetzt soll eine zweijährige Studie starten, bei denen die ersten Prototypen aus der Entwicklungsarbeit in der Praxis getestet werden sollen. Dabei wird erst einmal kein vorhandenes Radar abgeschaltet, sondern die Methode parallel eingesetzt und die Ergebnisse überprüft.

Die Methode stellt eigentlich die ursprüngliche Idee hinter der Radar-Erkennung von Flugzeugen dar, wie sie in der frühen Phase des 2. Weltkrieges eingesetzt wurde. Schon 1935 wurden Prototypen getestet, die Flieger in einigen Kilometern Entfernung erkennen konnten, indem sie die Reflexionen der Rundfunk-Signale der BBC empfingen. Erst danach wechselte man auf aktive Radarsysteme, weil diese viel genauer und mit einer höheren Reichweite arbeiten konnten.

Die seitdem erzielten Fortschritte in der Antennen- und Prozessing-Technologie soll es aber nun gewährleisten, dass vergleichbare Ergebnisse erzielt werden können. Laut Thales arbeiten sie inzwischen sogar effizienter als aktive Radars, da sie Signale von mehreren Sendern parallel auswerten können. Dies macht sie gleichzeitig weniger anfällig gegen Störungen - etwa wenn vorübergehend einmal ein Sender von Funkwellen ausfällt. Gleichzeitig wären entsprechende Anlagen auch noch billiger, da auf die Sende-Technologie verzichtet werden kann.

Ein Erfolg bei den Tests würde außerdem dafür sorgen, dass in dem bereits eng belegten Funkspektrum wieder Bereiche für andere Anwendungen frei werden - insbesondere für den schnell steigenden Bedarf an zusätzlichen Mobilfunkfrequenzen für drahtlose Datenverbindungen. Zuletzt konnten die Netzbetreiber sich für 4G-Dienste die ehemals vom analogen Fernsehen genutzten Spektren sichern.
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