Passives Radar nutzt die Ausstrahlungen von Mobilfunk-Masten

Die ohnehin inzwischen allgegenwärtigen Mobilfunksysteme könnten zukünftig auch einer Zweitnutzung als Radar für den Schutz von Küsten und in anderen Bereichen eingesetzt werden. Entsprechende Tests konnten Fraunhofer-Forscher nun erfolgreich durchführen.
Mobilfunk, Großbritannien, Radar
TechWeek Europe
Anleihen für ein mögliches Bedrohungs-Szenario nahmen die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) dabei an den Anschlägen, die im Jahr 2008 mehrere Tage lang die indische Metropole Mumbai in Atem hielt. Damals waren die Täter auf kleinen Schnellbooten gelandet und griffen mehrere Ziele im Stadtgebiet an.
Mobilfunk ermöglicht passives RadarPassives Radar mit Mobilfunk
Aktuell wäre es kaum möglich, ein solches Vorgehen zu erkennen. Denn im Gegensatz zu Flughäfen unterliegen Küstengebiete kaum einer Kontrolle. Es wäre vermutlich viel zu teuer, einen solchen Bereich komplett mit eigenen Radar-Anlagen zu überwachen. Ein am FKIE entwickeltes Antennensystem könnte hier eine preisgünstige Alternative darstellen. Dieses arbeitet rein passiv, sendet also selbst keine Signale aus. Statt dessen sucht es nach Mobilfunkwellen, die von Objekten auf dem Wasser reflektiert werden.

Einfach ist das nicht, denn im Vergleich zu einer Radaranlage ist die Verwertung von Mobilfunksignalen deutlich komplexer. Denn die Aussendungen eines normalen Radars sind klar definiert und auf das Gesamtsystem abgestimmt. Bei den Mobilfunkspektren hat man es hingegen mit einem chaotischen Mix aus Signalen zu tun, die von mehreren Sendeanlagen stammen. Hinzu kommt, dass die Funkwellen von den Mobilfunkmasten natürlich deutlich stärker wahrgenommen werden, als die schwachen Reflexe von Objekten auf dem Wasser.

Die Forscher mussten daher Algorithmen entwickeln, die diese Schwächen ausgleichen. So ist die Software unter anderem in der Lage, die starken, direkt von den Mobilfunkmasten eintreffenden Funksignale zu unterdrücken. "Von Vorteil ist", so Projektleiter Reda Zemmari, "dass verschiedene Mobilfunkmasten mit unterschiedlichen Frequenzen senden." Das hilft zumindest etwas bei der Unterscheidung.

Als das System vor Eckernförde und vor Fehmarn getestet wurde, konnten die Forscher nur wenige Meter lange Speedboote in einer Entfernung von vier Kilometern verfolgen. Ein weiterer Vorteil besteht dabei darin, dass die Anlage auf einem kleinen Anhänger Platz findet und somit flexibel einsetzbar ist.

Die Technologie kann aber auch für einen anderen Zweck eingesetzt werden: Hohe Windmasten müssen derzeit nachts mit Blinklichtern befeuert werden, damit Hubschrauber- und Flugzeugpiloten über die Hindernisse informiert sind. Das Blinken aber stört viele Menschen. Mit dem gleichen Verfahren könnten Windräder und andere hohe Bauwerke daher erkennen, wenn sich ein Flugobjekt nähert und nur dann die Warnlichter einschalten.
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