China: Google scheint Zensurmaßnahmen zu lockern

Wirtschaft & Firmen Google scheint die Zensurmaßnahmen bei seiner chinesischen Suchmaschine zu lockern. Am gestrigen Dienstag waren Informationen zugänglich, die normalerweise nicht in der Trefferliste auftauchen. Möglicherweise macht Google jetzt ernst. Bereits im Januar hatte das Unternehmen angekündigt, sich nicht mehr der Zensur in China zu beugen, nachdem es zu Hacker-Angriffen gekommen war. Erst kürzlich wurde dann klar, dass die Verhandlungen mit der chinesischen Regierung zu keinem Ergebnis führen und man sich aus China zurückziehen wird.

'NBC News' hat das chinesische Portal von Google auf die Probe gestellt und nach diversen Themen gesucht, die im Normalfall zensiert werden. Bei der Suche nach "Tank Man" tauchte beispielsweise das berühmte Bild auf, das einen Mann zeigt, der sich demonstrativ vor eine Gruppe Panzer stellt, um zu protestieren. Sogar die Suche nach dem Tian’anmen-Massaker förderte zahlreiche Treffer zu Tage.


Tank Man

Jeremy Goldkorn, der Gründer einer Firma aus Peking, die die Medien und das Internet überwacht, erklärte, dass die Filter nicht mehr richtig zu funktionieren scheinen. Allerdings weiß niemand, was genau vor sich geht. So wird ein technisches Problem ebenso wenig ausgeschlossen wie eine gezielte Lockerung der Zensurmaßnahmen.

Die Google-Niederlassung in China wollte bislang keine Stellungnahme zu den aktuellen Vorfällen abgeben. Ein US-amerikanischer Sprecher sagte lediglich, dass man keine Änderungen an den chinesischen Zensurmaßnahmen vorgenommen hat.

Man darf gespannt sein, wie sich das Google-Geschäft in China entwickeln wird. Die Frage ist, ob Google sich still und leise zurückziehen wird, indem die Suchmaschine einfach abgeschaltet wird, oder ob man sich mit Pauken und Trompeten verabschiedet, indem die Zensur komplett deaktiviert wird. Dann dürfte es aber nur eine Frage weniger Stunden oder sogar Minuten sein, bis die staatlichen Internetfilter aktualisiert werden und Google ausgesperrt ist.
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