EU greift mit dem DSA durch:
Rekordstrafe gegen AliExpress verhängt

Die Europäische Kommission hat eine Rekord-Strafe gegen den Online-Marktplatz AliExpress verhängt. Dieser habe sich schwere Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) zuschulden kommen lassen.
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Verbraucher in Gefahr

Das Unternehmen muss laut der in Brüssel ergangenen Entscheidung eine Geldbuße von 550 Millionen Euro zahlen. Nach Angaben der Komission handelt es sich um die bislang höchste Strafe, die auf Grundlage des DSA ausgesprochen wurde. Seitens der EU wirft man der Plattform vor, den Verkauf illegaler, unsicherer und gefälschter Produkte nicht wirksam verhindert zu haben.

Den Ermittlungen zufolge habe AliExpress Risiken im Zusammenhang mit seinem Marktplatz weder ausreichend bewertet noch wirksam eingedämmt. Nach Einschätzung der Kommission waren die Teams, die problematische Angebote prüfen und entfernen sollten, personell deutlich unterbesetzt. Teilweise hätten Moderatoren nur wenige Dutzend Sekunden Zeit gehabt, um gemeldete Produkte auf ihre Vereinbarkeit mit EU-Vorgaben zu überprüfen. Dadurch seien Millionen bereits beanstandeter Artikel erneut auf der Plattform erschienen und teilweise länger als einen Monat online geblieben.


Außerdem hätten Händler die Schutzmechanismen der Plattform leicht umgehen können. Nach Angaben der Kommission genügte es häufig, Produkte einer falschen Kategorie zuzuordnen, um weniger strenge Kontrollen auszulösen. Auch das verpflichtende System zur Markenautorisierung sei unzureichend gewesen. Trotz gegenteiliger Richtlinien habe AliExpress Verkäufer, die illegale Waren anboten, oftmals nicht sanktioniert.

Kritik übte die EU-Kommission zudem an den Empfehlungs- und Werbesystemen der Plattform. Diese hätten nicht ausreichend berücksichtigt, dass sie die Verbreitung rechtswidriger Produkte zusätzlich fördern könnten. Laut den Untersuchungen wurden problematische Angebote teilweise sogar aktiv empfohlen. Tests der EU-Kommission ergaben, dass weiterhin zahlreiche verbotene oder gefährliche Produkte, darunter unsicheres Spielzeug und bedenkliche Kosmetikartikel, trotz der Moderationsmaßnahmen verfügbar waren.

AliExpress will klagen

Bereits im Juni 2025 hatte die Kommission AliExpress aufgefordert, seine Plattform an die Anforderungen des DSA anzupassen. Nach Auffassung der Behörde wurden die erforderlichen Verbesserungen jedoch nicht umgesetzt. Die nun verhängte Geldbuße soll den besonders schwerwiegenden Charakter der Verstöße sowie die verspäteten Gegenmaßnahmen des Unternehmens widerspiegeln.

AliExpress reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung und bezeichnete die Strafe als unverhältnismäßig. Das Unternehmen kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Man verfüge über ein funktionierendes Risikomanagement und habe erhebliche Investitionen in Produktsicherheit sowie den Verbraucherschutz getätigt.

Die EU-Kommission weist diese Darstellung zurück. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen betonte, die Größe einer Plattform dürfe keine Entschuldigung dafür sein, illegale oder gefährliche Waren unzureichend zu kontrollieren. Verbraucher müssten sich darauf verlassen können, dass Online-Marktplätze ihre gesetzlichen Verpflichtungen konsequent erfüllen.

Zusammenfassung
  • Die EU-Kommission verhängt eine Rekordstrafe über 550 Millionen Euro
  • Der Marktplatz verstieß schwer gegen das Gesetz über digitale Dienste
  • Dem Konzern wird mangelhafte Kontrolle illegaler Produkte vorgeworfen
  • Zudem waren die Moderationsteams der Plattform personell unterbesetzt
  • Händler konnten die Schutzmechanismen durch falsche Kategorien umgehen
  • AliExpress hält die Strafe für unverhältnismäßig und geht vor Gericht

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