Hyperbraille: "Laptop" für Blinde vorgestellt
Mit dem Gerät sollen sie umfassender als bisher grafische Elemente oder auch Tabellen erfassen können. Neben der Hardware wird im Projekt auch die zu dessen Ansteuerung nötige Software entwickelt. Im Mittelpunkt steht dabei die optimierte Nutzung der gängigen Office- und Internet-Anwendungen, die in der Arbeitswelt eingesetzt werden.

Der Zugang blinder Menschen zu Browsern und Windows-Programmen erfolgt heute durch sogenannte assistive Technologien per Sprachausgabe oder Braillezeile. Diese bereiten den Bildschirminhalt so auf, dass alles nacheinander vorgelesen bzw. ertastet wird. Der Gesamtüberblick ist nur schwer herstellbar bzw. verlangt vom Betroffenen eine hohe Konzentration.
"Computer sind heute in unserem Lebens- und Arbeitsumfeld zu einem unverzichtbaren Instrument zur Bewältigung der täglichen Aufgaben geworden. Sehbehinderte Computernutzer sind aber heute noch stark benachteiligt, wenn sie grafische und strukturierte Informationen am Bildschirm erfassen müssen", sagte Uwe Grotz, Vorstand beim Unternehmen Metec, dass am Projekt führend beteiligt ist.
Mit der im Projekt Hyperbraille nun entwickelten berührungsempfindlichen Stiftplatte wird der Umfang der für blinde Computernutzer beidhändig wahrnehmbaren Informationen drastisch vergrößert. Räumliche Strukturen und grafische Symbole werden als zusätzliche Informationen erfahrbar. Im Idealfall können Objekte wie Textabsätze, Tabellen, Menüs und andere Elemente der Windows-Benutzeroberfläche vollständig auf der Stiftplatte abgebildet werden.
Weiterhin können auch geometrische Zeichnungen, Raumskizzen, Wegepläne, Diagramme und anderes blinden Schülern im Unterricht zugänglich gemacht werden. Technische Zeichnungen, elektrische Schaltpläne aber auch die Unified Modeling Language (UML), die zur Softwareentwicklung genutzt wird, könnten blinden Menschen den Zugang zu bisher verschlossenen Berufsfeldern ermöglichen, hieß es.
Die neue Stiftplatte ersetzt 12 konventionelle Braillezeilen, ermöglicht aber auch direkten Zugang zu grafischen Darstellungen. Die Oberfläche des Displays verfügt über sensitive Eigenschaften, so dass Interaktionen zwischen der Software und dem Anwender über die Finger möglich werden. So wird es möglich sein, dass vom blinden Anwender Programmfunktionen quasi mit dem "Fingerklick" ausgelöst werden, der Cursor vergleichbar dem Mauszeiger über das Display bewegt wird, einfache Zeichnungen mit dem Finger als Zeichenstift erstellt werden oder Drag-and-Drop eine blindengerechte Arbeitstechnik wird.
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Christian Kahle
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