Keine Experimente mehr:
Microsoft macht die Garage dicht

Microsoft beendet seine Innovationsinitiative Garage nach 17 Jah­ren. Das 2009 gestartete Programm ermöglichte es Mitarbeitern, eigene Softwareideen mit Unterstützung des Konzerns umzusetzen und daraus teilweise offizielle Microsoft-Produkte zu entwickeln.
Microsoft, Logo, Microsoft Corporation, Redmond, Campus, Microsoft Logo, Headquarter
  • Microsoft schließt sein 2009 gegründetes Innovationsprogramm Garage weltweit
  • Die Schließung betrifft Räume an insgesamt 15 internationalen Standorten
  • Der Konzern begründet das Aus mit einem veränderten Umgang mit Innovation
  • Aus der Initiative gingen Anwendungen wie Arrow, Word Flow und Journal hervor
  • Auch das Format des bisherigen globalen Hackathons soll grundlegend weichen
  • In der Belegschaft sorgt die Maßnahme von Finanzchefin Amy Hood für Unmut
  • Angestellte kritisieren zudem hohe Konzernausgaben für künstliche Intelligenz

Räume sind zu

Ab sofort wird das Programm nun nicht mehr weitergeführt. Die weltweit verteilten Garage-Räumlichkeiten werden schrittweise geschlossen. Die Entscheidung sorgt intern allerdings offenbar für erheblichen Unmut.

Wie aus einer internen FAQ hervorgeht, über die das US-Magazin GeekWire berichtet, begründet Microsoft das Ende der Initiative mit einem veränderten Umgang mit Innovation. Was früher vor allem im Garage-Programm stattgefunden habe, geschehe inzwischen "jeden Tag innerhalb unserer Teams". Deshalb wolle das Unternehmen neu gestalten, wie es Innovation, Lernen und Experimentieren fördere.


Microsoft Garage wurde 2009 unter dem Motto "Doers. Not Talkers." ins Leben gerufen. Die Initiative sollte Beschäftigten ermöglichen, eigene Ideen unabhängig von den üblichen Unternehmensstrukturen zu verfolgen. Dafür standen ihnen spezielle Arbeitsräume, technische Ausstattung und das Fachwissen anderer Mitarbeiter zur Verfügung. Das Konzept war nicht auf den Hauptstandort Redmond beschränkt: Insgesamt gab es entsprechende Einrichtungen an 15 Standorten weltweit.

Erfolgreiche Projekte und große Hackathons

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Garage 2014, als Microsoft-Chef Satya Nadella das Konzept positiv in den Fokus rückte. Im selben Jahr veranstaltete die Initiative einen internationalen Hackathon mit 11.000 Teilnehmern aus 80 Ländern. Im Laufe der Zeit entstanden aus Garage-Projekten zahlreiche Anwendungen, darunter der Launcher Arrow, die Tastatur Word Flow und das digitale Notizwerkzeug Journal. Auch Plumbago, eine App für handschriftliche Notizen und Skizzen, gehörte zu den Projekten.

Mit der Schließung der Garage-Räume soll nun bereits unmittelbar begonnen werden. Mitarbeiter dürfen vorhandene Geräte und Materialien nicht mitnehmen. Auch der bisherige globale Hackathon soll eine neue Form erhalten. Ein Microsoft-Sprecher erklärte gegenüber GeekWire, das Unternehmen überprüfe regelmäßig die Nutzung seiner Räumlichkeiten. Änderungen an einzelnen Garage-Standorten seien Teil dieser laufenden Überprüfung. Innovation und eine ausgeprägte Entwicklermentalität blieben weiterhin wichtige Bestandteile der Unternehmenskultur.

Kritik an der Entscheidung

Unter Mitarbeitern stößt das Aus offenbar auf Widerstand. Auf der anonymen Arbeitsplatzplattform Blind verbreitete sich ein Beitrag mit dem Titel "Amy kills the Garage". Gemeint ist Microsoft-Finanzchefin Amy Hood. Hintergrund der Kritik ist offenbar auch die Unzufriedenheit mit den hohen Ausgaben des Konzerns für künstliche Intelligenz. Einige Beschäftigte sehen in der Garage eine der letzten besonderen Einrichtungen des Unternehmens.

Die Entscheidung beendet damit nicht nur ein langjähriges Förderprogramm für interne Projekte. Sie wirft auch die Frage auf, wie viel Raum Microsoft zukünftig für Experimente abseits des Tagesgeschäfts lassen will. Die bisherige Website der Initiative, auf der Projekte vorgestellt wurden, leitet inzwischen auf die allgemeine Microsoft-Homepage weiter.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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