US-Tech-Konzerne warnen EU:
Unabhängigkeit von uns ist viel zu teuer
Europas Bestrebungen, die Abhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Anbietern zu verringern, könnten innerhalb von zehn Jahren Kosten in Höhe von 115 Milliarden Euro verursachen. Das zumindest sagt der Branchenverband der US-Konzerne.
Auslöser der Untersuchung ist der geplante Cloud-and-AI-Development-Act (CADA) der Europäischen Kommission, dessen Ziel eine größere Unabhängigkeit von US-Cloud-Anbietern ist. Die Studie beziffert die möglichen Mehrkosten auf mehr als das Sechsfache der bisherigen Schätzung der Kommission, die von bis zu 18 Milliarden Euro ausgeht. Dabei entfallen laut ECIPE rund 33,3 Milliarden Euro auf den öffentlichen Sektor. Weitere 80 Milliarden Euro könnten Unternehmen aus Branchen wie Banken, Gesundheitswesen, Energie und Verkehr belasten.
Die hohe Summe für die Privatwirtschaft beruht allerdings auf einem Szenario, in dem die EU ihre Anforderungen an die digitale Souveränität auch auf 25 Prozent der Cloud-Nutzung in wichtigen privaten Wirtschaftsbereichen ausweitet. Es handelt sich somit um eine Modellrechnung und nicht um bereits absehbare Ausgaben. Als wesentliche Kostentreiber benennt die Studie den Wechsel zu anderen Anbietern sowie die Anpassung bestehender Software. Das Umschreiben von Programmcode und die Neugestaltung von IT-Architekturen sollen zusammen 69 Prozent der errechneten Kosten ausmachen.
Besonders stark betroffen wäre der Untersuchung zufolge Luxemburg. Dort könnten sich die Kosten über zehn Jahre auf 1711 Euro je Beschäftigtem summieren. Für Dänemark werden 905 Euro, für Österreich 900 Euro und für Finnland 864 Euro veranschlagt. Irland, wo mehrere US-Technologiekonzerne ihre Europazentralen haben, kommt auf 856 Euro pro Beschäftigtem. Deutschland käme mit 396 Euro am besten weg.
Die Interessenlage hinter der Warnung ist dabei nicht neutral: Amazon und Google entwickeln selbst sogenannte souveräne Cloud-Angebote, die europäischen Kunden mehr Kontrolle über Daten und Zugriffe versprechen. Strenge Vorgaben könnten zwar zusätzliche Kosten verursachen, zugleich aber europäische Wettbewerber stärken, was dann wieder zusätzliche Einnahmen durch Wertschöpfung in der EU bringt.
Siehe auch:
- Eine Studie im Auftrag des Branchenverbands CCIA Europe warnt vor Mehrkosten
- Der geplante CADA der EU-Kommission zielt auf Unabhängigkeit von US-Clouds ab
- Laut Modellrechnung könnten Mehrkosten die Schätzung der EU weit übertreffen
- Hohe Ausgaben drohen durch den Anbieterwechsel und Anpassungen von Software
- Luxemburg wäre rechnerisch am stärksten betroffen, Deutschland am wenigsten
- Die IT-Lobby fordert Änderungen und Beschränkungen auf sehr sensible Daten
Studie sieht hohe Kosten
Der fragliche Betrag ist das Ergebnis einer Studie des European Centre for International Political Economy (ECIPE), die im Auftrag des Branchenverbands CCIA Europe erstellt wurde. CCIA Europe ist ein Branchenverband, der unter anderem Amazon, Google und Meta vertritt, also Unternehmen, die ein wirtschaftliches Interesse daran haben, dass europäische Behörden und Firmen ihre Cloud-Dienste weiterhin nutzen.Auslöser der Untersuchung ist der geplante Cloud-and-AI-Development-Act (CADA) der Europäischen Kommission, dessen Ziel eine größere Unabhängigkeit von US-Cloud-Anbietern ist. Die Studie beziffert die möglichen Mehrkosten auf mehr als das Sechsfache der bisherigen Schätzung der Kommission, die von bis zu 18 Milliarden Euro ausgeht. Dabei entfallen laut ECIPE rund 33,3 Milliarden Euro auf den öffentlichen Sektor. Weitere 80 Milliarden Euro könnten Unternehmen aus Branchen wie Banken, Gesundheitswesen, Energie und Verkehr belasten.
Die hohe Summe für die Privatwirtschaft beruht allerdings auf einem Szenario, in dem die EU ihre Anforderungen an die digitale Souveränität auch auf 25 Prozent der Cloud-Nutzung in wichtigen privaten Wirtschaftsbereichen ausweitet. Es handelt sich somit um eine Modellrechnung und nicht um bereits absehbare Ausgaben. Als wesentliche Kostentreiber benennt die Studie den Wechsel zu anderen Anbietern sowie die Anpassung bestehender Software. Das Umschreiben von Programmcode und die Neugestaltung von IT-Architekturen sollen zusammen 69 Prozent der errechneten Kosten ausmachen.
Besonders stark betroffen wäre der Untersuchung zufolge Luxemburg. Dort könnten sich die Kosten über zehn Jahre auf 1711 Euro je Beschäftigtem summieren. Für Dänemark werden 905 Euro, für Österreich 900 Euro und für Finnland 864 Euro veranschlagt. Irland, wo mehrere US-Technologiekonzerne ihre Europazentralen haben, kommt auf 856 Euro pro Beschäftigtem. Deutschland käme mit 396 Euro am besten weg.
US-Konzerne wollen Änderungen
CCIA Europe fordert deshalb Änderungen am Gesetzesentwurf. Anforderungen an die digitale Souveränität sollten sich auf besonders sensible Daten und Anwendungen beschränken. Statt Vorgaben zur Herkunft von Unternehmen oder zur Nationalität ihrer Mitarbeiter schlägt der Verband technische Schutzmaßnahmen vor, die sich an konkreten Risiken orientieren.Die Interessenlage hinter der Warnung ist dabei nicht neutral: Amazon und Google entwickeln selbst sogenannte souveräne Cloud-Angebote, die europäischen Kunden mehr Kontrolle über Daten und Zugriffe versprechen. Strenge Vorgaben könnten zwar zusätzliche Kosten verursachen, zugleich aber europäische Wettbewerber stärken, was dann wieder zusätzliche Einnahmen durch Wertschöpfung in der EU bringt.
Siehe auch:
- Cloud-Act-Risiko: Bayern zahlt 360 Millionen Euro für Microsoft und Co.
- Unabhängigkeit: Europas Forschungsdaten sollen von US-Clouds runter
- Microsoft, Amazon, Google: EU schreitet wegen Cloud-Ausfällen ein
- "Absoluter Mist": EU-Mitarbeiter hassen Teams-Alternative Element Pro
- Tschüss Palantir: Neue deutsch-französische IT für das Militär
Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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