Unabhängigkeit: Europas Forschungsdaten sollen von US-Clouds runter

Nach europäischen Verwaltungsorganen versucht jetzt auch die Wissenschaft ihre Abhängigkeit von den großen Tech-Unternehmen zu verringern. Mithilfe einer Initiative der DFG sollen wichtige Forschungsdaten aus US-amerikanischen Clouds geholt werden.
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DFG will Forschungsdaten heimholen

Digitale Souveränität ist dieser Tage ein allgegenwärtiges Thema. Immer mehr europäische Länder wie Dänemark und Frankreich verringern durch das Ersetzen US-amerikanischer Software mit Open-Source-Lösungen ihre Abhängigkeit von Konzernen wie Google und Microsoft. In Deutschland geht Schleswig-Holstein mit gutem Beispiel voran. Nachdem zuletzt auch der Internationale Strafgerichtshof in den Haag entsprechende Absichten erklärt hatte, folgt jetzt die Wissenschaft.

So stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für den Zeitraum von 2025 bis voraussichtlich 2027 finanzielle Mittel bereit, um Datensätze und Forschungsergebnisse von ausländischen Clouds 'nach Hause zu holen'. Die Initiative zielt darauf ab, wichtige wissenschaftliche Daten aus der Abhängigkeit von US-amerikanischen Technologieunternehmen wie Amazon, Google und Microsoft zu befreien.


Wie die DFG mitteilt, geht es um Forschungsergebnisse, die auf ausländischen Cloud-Speichern lagern und bei denen die Gefahr besteht, dass sie bereits jetzt oder künftig nicht mehr für die Wissenschaft zur Verfügung stehen. Die Förderung unterstützt Maßnahmen zur Beschaffung von Speicherkapazitäten sowie zur Bereitstellung personeller Ressourcen für das Erschließen und Kuratieren der Daten.

European Open Science Cloud als Ziel

Wie Heise berichtet, soll die European Open Science Cloud (EOSC) dabei eine wichtige Rolle spielen. Diese europäische Initiative wurde 2016 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen und verfolgt das Ziel, eine föderierte und offene Umgebung für wissenschaftliche Daten zu schaffen. Die Initiative ist auf die Integration in den Europäischen Forschungsraum ausgerichtet und soll den Aufbau einer verteilten und vernetzten Speicherinfrastruktur vorantreiben.

Ein besonders pragmatischer Ansatz der DFG auf dem Weg dorthin ist, dass im Rahmen der jetzigen Initiative sogar die Refinanzierung bereits getätigter Ausgaben wie Sach- und Personalmittel oder Investitionen in Speichermedien möglich ist. Dieser rückwirkende Ansatz greift aber nur, wenn die Ausgaben zusätzlich für das Datensichern angefallen sind und ohne die Finanzspritze ein Verlust der Informationen droht.

Rechtliche Risiken im Fokus

Einer der Hauptgründe für die jetzige Förderung ist der US-amerikanische Cloud Act. Dieses 2018 verabschiedete Gesetz mit dem vollständigen Namen "Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act" erlaubt es US-Behörden, auf Daten zuzugreifen, die von US-Firmen gespeichert werden, selbst wenn diese physisch auf europäischen Servern liegen. Der Cloud Act erweitert die Befugnisse amerikanischer Strafverfolgungsbehörden erheblich und kann mit europäischen Datenschutzbestimmungen kollidieren.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist mit einem jährlichen Budget von rund 3,4 Milliarden Euro die wichtigste Förderorganisation für die Grundlagenforschung in Deutschland und finanziert etwa 32.000 Forschungsprojekte.

Was haltet ihr von der DFG-Initiative zur Datensicherung? Seht ihr die Abhängigkeit von US-Clouds als Problem für die deutsche Forschung? Teilt eure Einschätzung in den Kommentaren mit.

Zusammenfassung
  • DFG stellt Mittel bereit, um Forschungsdaten von US-Clouds zu holen
  • Initiative soll digitale Souveränität deutscher Wissenschaft stärken
  • Förderung läuft von 2025 bis 2027 und unterstützt Datensicherung
  • European Open Science Cloud soll föderierte Forschungsumgebung bieten
  • US-amerikanischer Cloud Act erlaubt Behördenzugriff auf Forschungsdaten
  • Auch rückwirkende Finanzierung von Datensicherungsmaßnahmen möglich
  • DFG finanziert mit 3,4 Milliarden Euro jährlich etwa 32.000 Projekte

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