Russische Backdoors entdeckt:
Hunderte Blitzer-Kameras deaktiviert
Die Slowakei hat fast 300 neu installierte Geschwindigkeitskameras außer Betrieb genommen. Zuvor hatte der nationale Sicherheitsdienst NBU erhebliche Sicherheitslücken in den Systemen entdeckt, die wohl von russischen Angreifern integriert wurden.
Insgesamt hatte die Slowakei 279 Kameras des Typs NERO R-ONE beschafft. Nach Recherchen des Risky Bulletin sollen die Geräte baugleich mit den russischen CORDON-PRO.M-Verkehrskameras sein. Hergestellt werden diese von dem in Sankt Petersburg ansässigen Unternehmen Semicon. Der Weg der Kameras in die Slowakei ist dem Bericht zufolge allerdings schwer nachvollziehbar. Die Lieferung soll über eine Briefkastenfirma mit Sitz auf Zypern abgewickelt worden sein, die zudem gefälschte Zertifikate verwendet haben soll, um Sanktionen zu umgehen.
Besonders kritisch bewertet der NBU eine fest im System hinterlegte Liste russischer Telefonnummern. Nachrichten von diesen Nummern können demnach eine versteckte Zugangsoption aktivieren, über die sich unter anderem Shell- und Netzwerkzugriff herstellen lässt. Damit könnten Angreifer möglicherweise weitreichenden Zugriff auf die Geräte und ihre Kommunikation erlangen.
Daneben stellten die Sicherheitsforscher weitere Schwachstellen fest. So soll die Secure-Boot-Funktion, die eigentlich verhindern soll, dass manipulierte Software beim Start ausgeführt wird, nicht wirksam sein. Auch die Weboberfläche zur Verwaltung der Kameras sei unzureichend abgesichert. Wer die IP-Adresse einer Kamera kennt, könne demnach auf deren Verwaltungsportal und den Live-Stream zugreifen, ohne ein Passwort eingeben zu müssen.
Die Affäre hat auch eine politische Dimension. Berichten zufolge wurden die Untersuchungen unter anderem durch Druck der slowakischen Opposition angestoßen. Die Regierung von Ministerpräsident Robert Fico hatte Berichte über eine russische Herkunft der Kameras zunächst zurückgewiesen und Sicherheitsbedenken bestritten.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Untersuchung könnten zudem Kroatien und weitere osteuropäische Länder Verkehrskameras ähnlicher Herkunft einsetzen. Ob auch dort vergleichbare Sicherheitsprobleme bestehen, ist bislang unklar.
Siehe auch:
Livestream abrufbar
Die Geräte sollen unter anderem über eine versteckte Hintertür verfügen, die sich per SMS von bestimmten russischen Telefonnummern aus aktivieren lässt. Zudem waren Live-Bilder der Kameras offenbar ohne Passwort abrufbar. Für die Anschaffung der Technik wurden Mittel aus einem EU-finanzierten Modernisierungsprogramm eingesetzt.Insgesamt hatte die Slowakei 279 Kameras des Typs NERO R-ONE beschafft. Nach Recherchen des Risky Bulletin sollen die Geräte baugleich mit den russischen CORDON-PRO.M-Verkehrskameras sein. Hergestellt werden diese von dem in Sankt Petersburg ansässigen Unternehmen Semicon. Der Weg der Kameras in die Slowakei ist dem Bericht zufolge allerdings schwer nachvollziehbar. Die Lieferung soll über eine Briefkastenfirma mit Sitz auf Zypern abgewickelt worden sein, die zudem gefälschte Zertifikate verwendet haben soll, um Sanktionen zu umgehen.
Besonders kritisch bewertet der NBU eine fest im System hinterlegte Liste russischer Telefonnummern. Nachrichten von diesen Nummern können demnach eine versteckte Zugangsoption aktivieren, über die sich unter anderem Shell- und Netzwerkzugriff herstellen lässt. Damit könnten Angreifer möglicherweise weitreichenden Zugriff auf die Geräte und ihre Kommunikation erlangen.
Daneben stellten die Sicherheitsforscher weitere Schwachstellen fest. So soll die Secure-Boot-Funktion, die eigentlich verhindern soll, dass manipulierte Software beim Start ausgeführt wird, nicht wirksam sein. Auch die Weboberfläche zur Verwaltung der Kameras sei unzureichend abgesichert. Wer die IP-Adresse einer Kamera kennt, könne demnach auf deren Verwaltungsportal und den Live-Stream zugreifen, ohne ein Passwort eingeben zu müssen.
Geliefert auch in andere EU-Länder
Das slowakische Innenministerium hat die bereits installierten Geräte inzwischen abgeschaltet. Eine unabhängige Prüfung soll nun feststellen, ob die vom NBU dokumentierten Schwachstellen tatsächlich bestehen und wie groß das Sicherheitsrisiko ist.Die Affäre hat auch eine politische Dimension. Berichten zufolge wurden die Untersuchungen unter anderem durch Druck der slowakischen Opposition angestoßen. Die Regierung von Ministerpräsident Robert Fico hatte Berichte über eine russische Herkunft der Kameras zunächst zurückgewiesen und Sicherheitsbedenken bestritten.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Untersuchung könnten zudem Kroatien und weitere osteuropäische Länder Verkehrskameras ähnlicher Herkunft einsetzen. Ob auch dort vergleichbare Sicherheitsprobleme bestehen, ist bislang unklar.
Zusammenfassung
- Slowakei schaltet fast 300 neue Blitzer wegen Sicherheitsmängeln ab
- Eine Hintertür lässt sich per SMS von russischen Nummern aktivieren
- Live-Bilder und Verwaltung waren ohne Passwort im Internet abrufbar
- Importiert wurden die russischen Geräte über eine Firma auf Zypern
- Die Anschaffung der Kameras wurde mit Geldern der EU mitfinanziert
- Regierungschef Fico wies die Sicherheitsbedenken anfangs zurück
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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