Zweiter Ford-Klasse-Flugzeugträger der US Navy sticht für Tests in See

Die künftige USS John F. Kennedy hat erstmals die Werft verlassen und befindet sich nun auf entscheidenden Erprobungsfahrten. Der 13 Milliarden Dollar teure Flugzeugträger muss vor allem beweisen, dass die neue Radartechnik die Fehler des Vorgängers korrigiert.
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Meilenstein für die US Navy

Die künftige USS John F. Kennedy (CVN-79) hat am gestrigen Mittwoch erstmals den Hafen der Werft Newport News Shipbuilding in Virginia verlassen. Das zweite Schiff der modernen Ford-Klasse befindet sich nun auf seinen ersten Erprobungsfahrten, den sogenannten Sea Trials.

Für die US Navy und den Hersteller Huntington Ingalls Industries (HII) markiert das Ereignis einen entscheidenden Schritt in einem Projekt, das durch technische Hürden und Zeitplanverschiebungen geprägt war. Ziel der Mission ist es, die komplexen Systeme und Komponenten des atomgetriebenen Giganten erstmals unter realen Bedingungen auf offener See zu validieren, darunter Hochgeschwindigkeitsmanöver, die den Rumpf extrem belasten.

Der Fokus liegt dabei auf technologischen Verbesserungen gegenüber dem Typschiff der Klasse, der USS Gerald R. Ford (CVN-78). Ein wesentlicher Unterschied ist die Radaranlage: Statt des problematischen und teuren Dual Band Radar (DBR) des Vorgängers setzt die Kennedy auf das AN/SPY-6(V)3. Dabei handelt es sich um eine feststehende Version des Enterprise Air Surveillance Radar (EASR) von Raytheon.

Das System verspricht durch seine modulare Bauweise eine höhere Zuverlässigkeit und eine deutlich vereinfachte Wartung. Ein weiterer Vorteil ist die Flottenkompatibilität, da Varianten dieses Radars auch auf Fregatten und amphibischen Angriffsschiffen der US-Flotte zum Einsatz kommen, was die Logistik für Ersatzteile künftig wesentlich erleichtern dürfte.

Wie USNI News berichtet, konnte die Werft zuletzt die Personalbindung verbessern, was den Weg für den jetzigen Start ebnete. Dennoch liegt der Zeitplan weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Die Auslieferung an die Navy ist aktuell für März 2027 geplant. Ein Grund für die Verzögerung war der strategische Wechsel der Navy von einer Zwei-Phasen-Auslieferung zu einer einzigen Phase. Das bedeutet, dass die John F. Kennedy nun vollständig kampfbereit übergeben werden soll, inklusive der Zertifizierung für den modernen Tarnkappenjet F-35C Lightning II, anstatt diese Systeme erst nach der Indienststellung nachzurüsten.


Technik-Upgrades und Altlasten

Die Kennedy übernimmt bewährte, aber auch fehleranfällige Konzepte der Ford-Klasse. Dazu gehört das vielkritisierte elektromagnetische Katapultsystem EMALS (Electromagnetic Aircraft Launch System), das die traditionellen Dampfkatapulte ersetzt. EMALS ermöglicht präzisere Startvorgänge, die die Flugzeugzellen schonen, und erlaubt den Start einer breiteren Palette an Fluggeräten, von schweren Jets bis hin zu leichten Drohnen. Das System kämpfte in der Vergangenheit jedoch mit Kinderkrankheiten und Ausfällen.

Ähnliches gilt für die Advanced Arresting Gear (AAG) Fangseilanlagen. Auch die elf fortschrittlichen Waffenaufzüge (Advanced Weapons Elevators), die Munition mittels Linearmotoren schneller aufs Flugdeck transportieren sollen, verursachten beim Vorgängerschiff erhebliche Verzögerungen und mussten über Jahre hinweg einzeln zertifiziert werden.

Die technischen Daten der schwimmenden Luftwaffenbasis sind enorm:

  • Verdrängung: ca. 100.000 Tonnen
  • Länge: 333 Meter
  • Antrieb: zwei Bechtel A1B-Kernreaktoren
  • Besatzung: 4550 Personen
  • Geschwader: Über 75 Luftfahrzeuge (u.a. F-35C, F/A-18 Block 3)

Milliardenkosten und Strategie

Die Kosten für CVN 79 belaufen sich mittlerweile auf geschätzte 13,2 Milliarden Dollar (etwa 11,03 Milliarden Euro). Die Verzögerungen haben strategische Konsequenzen für die amerikanische Seemacht. Da die USS Nimitz das Ende ihrer geplanten Lebensdauer erreicht hat, könnte die verfügbare Trägerflotte vorübergehend auf zehn Einheiten sinken - gesetzlich vorgeschrieben sind eigentlich zwölf.

Historisch betrachtet ist das neue Schiff nicht der erste Träger dieses Namens. Die erste USS John F. Kennedy (CV-67), liebevoll "Big John" genannt, war eine Variante der Kitty-Hawk-Klasse und diente fast 40 Jahre lang bis 2007. Sie war der letzte konventionell angetriebene Flugzeugträger der US Navy und kam unter anderem im Golfkrieg während der Operation Desert Storm zum Einsatz.

Was meint ihr zu den enormen Kosten und der Technik solcher Megaprojekte? Seht ihr die Umstellung auf elektromagnetische Systeme als sinnvollen Schritt oder als unnötiges Risiko? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.

Zusammenfassung
  • USS John F. Kennedy hat erstmals die Werft für Erprobungsfahrten verlassen
  • Fokus auf verbesserter Radartechnik gegenüber dem problematischen Vorgänger
  • Auslieferung an die Navy ist für März 2027 mit vollständiger Kampfbereitschaft geplant
  • Elektromagnetische Katapult- und Fangseilanlagen wurden trotz früherer Probleme übernommen
  • Kosten belaufen sich auf 13,2 Milliarden Dollar für die schwimmende Luftwaffenbasis
  • Verzögerungen könnten US-Trägerflotte vorübergehend auf zehn statt zwölf Einheiten reduzieren

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