6-GHz-Band: Bundesregierung will Frequenzen dem Mobilfunk zuweisen

Das Digitalministerium will das obere 6-GHz-Band vorrangig dem Mobilfunk zuweisen und setzt dabei auf künftige 6G-Anwendungen. Die Breitband-Branche kritisiert diese Entscheidung scharf und warnt vor negativen Folgen für Europas Digitalstandort.
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Regierung bevorzugt 6G vor WLAN-Ausbau

Die Bundesregierung wird sich auf europäischer Ebene für viele sicher überraschend dafür einsetzen, das gesamte obere 6-GHz-Frequenzband vorrangig dem Mobilfunk zuzuweisen. Über den Streit um die Frequenzen hatten wir berichtet.

Das Frequenzband zwischen 6425 und 7125 MHz gilt als besonders wertvoll für zukünftige Anwendungen. Während Mobilfunkanbieter das Spektrum für 5G und 6G nutzen wollen, sehen WLAN-Befürworter darin die letzte Chance für leistungsstarkes Wi-Fi 7. Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für die digitale Infrastruktur in Deutschland und Europa haben.


Branche spricht von "fataler Fehleinschätzung"

Der Frequenzbedarf der Mobilfunknetzbetreiber im oberen 6-GHz-Band wird mit Blick auf künftige 6G-Anwendungen als größer eingestuft als der von WLAN-Nutzern. Unter Berücksichtigung der Bedarfslage verschiedener Interessengruppen erscheine die Priorität auf 6G als die sachgerechteste Lösung.
Sprecher des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS)
Der Widerstand gegen die Pläne der Bundesregierung formiert sich bereits. Lisia Mix-Bieber, Leiterin Bundes- und Europapolitik beim Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), spricht von einer "herben Enttäuschung für den Digitalstandort Europa". Statt die kostenfreie WLAN-Nutzung durch alle Bürger zu stärken und die dank Glasfaser möglichen Bandbreiten effizient auch auf alle mobilen Geräte zu bringen, würde eine Reservierung der Frequenzen für die Mobilfunkkonzerne kurzfristig gar keinen Nutzen bringen.

Die Kritik der Breko geht noch weiter: Selbst langfristig könnte der 5G- und 6G-Funkbetrieb in dem Spektrum die Netzabdeckung in Ballungsräumen allenfalls marginal verbessern. Ein solcher Schritt wäre daher "eine grobe Fehlentscheidung - sowohl aus technischer wie auch aus volkswirtschaftlicher Sicht". Die hohen Frequenzen um 6 GHz haben eine geringe Reichweite und schlechte Gebäudedurchdringung, was sie für flächendeckenden Mobilfunk weniger geeignet macht.

Technische Hintergründe des Frequenzstreits

Das 6-GHz-Band ist in zwei Bereiche unterteilt: Der untere Teil (5945 bis 6425 MHz) steht bereits für WLAN zur Verfügung und ermöglicht Wi-Fi 6E mit deutlich mehr verfügbaren Kanälen als in den überfüllten 2,4- und 5-GHz-Bändern. Der obere Bereich (6425 bis 7125 MHz) ist jedoch noch für bestehende Anwendungen wie Richtfunk und Satellitendienste reserviert.

Wi-Fi 7, der neueste WLAN-Standard, kann theoretisch Datenraten von bis zu 46 Gigabit pro Sekunde erreichen - allerdings nur, wenn ausreichend breite Kanäle zur Verfügung stehen. Ohne das obere 6-GHz-Band bleiben diese Möglichkeiten stark eingeschränkt. Für 6G-Mobilfunk hingegen sind die physikalischen Eigenschaften der hohen Frequenzen problematisch: Die Reichweite ist gering, die Durchdringung von Gebäuden schlecht.

Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für Deutschlands digitale Zukunft haben. Was meint ihr: Sollten die wertvollen 6-GHz-Frequenzen eher dem Mobilfunk oder WLAN zugutekommen?

Zusammenfassung
  • Digitalministerium will oberes 6-GHz-Band vorrangig dem Mobilfunk zuweisen
  • Bundesregierung stuft 6G-Anwendungen als wichtiger ein als WLAN-Nutzung
  • Frequenzbereich zwischen 6425 und 7125 MHz gilt als besonders wertvoll
  • Breitbandverband kritisiert Entscheidung als Fehleinschätzung für Europa
  • Hohe Frequenzen um 6 GHz haben geringe Reichweite und Gebäudedurchdringung
  • Ohne oberes 6-GHz-Band bleiben Möglichkeiten für Wi-Fi 7 stark eingeschränkt
  • Verbände fordern Freigabe des Spektrums für lizenzfreie WLAN-Nutzung

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