Neues zum Mrd.-Desaster: Digitale Bundeswehr-Funkgeräte fallen durch

Milliarden-Desaster bei der Bundeswehr: Nach weiteren Tests heißt es jetzt, die neuen digitalen Funkgeräte seien laut internen Akten "nicht kriegstauglich". Ein gescheiterter Test offenbart das ganze Ausmaß der Probleme beim sogenannten D-LBO-Projekt.
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Funkgeräte fallen bei Test durch

Die Bundeswehr wollte im Rahmen des Projekts "Digitalisierung landbasierte Operationen" (kurz D-LBO) 34.000 Fahrzeuge mit digitalen Funkgeräten ausstatten (wir berichteten darüber mehrfach).

Nun gibt es neue Informationen, die die Welt veröffentlicht hat. Die Systeme gelten laut internen Dokumenten des Verteidigungsministeriums als "nicht truppentauglich". Ein Test auf dem Truppenübungsplatz Munster musste abgebrochen werden. Soldaten hatten Schwierigkeiten beim Aufbau von Funkkreisen, zudem traten erhebliche Störungen im Sprechfunk auf.


Verschleierung statt Transparenz

Recherchen der Welt legen nahe, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein Ministerium die Probleme monatelang zurückhielten. Pistorius erklärte noch am 10. September im Bundestag, dass ihm keine Schwierigkeiten bei dem Projekt bekannt seien, obwohl die Hausleitung seit dem 10. Juni über die Ergebnisse des gescheiterten Systemtests in Munster informiert war.

Interne Akten zeigen: Das Aufspielen von Kryptoschlüsseln ist kompliziert, und das Frequenzmanagement braucht aktuell 40 Tage statt eines notwendigen Tages im Ernstfall. Der Hersteller Rohde & Schwarz arbeitet zwar an einem Software-Update, eine endgültige Lösung wird aber erst bis März 2026 erwartet.

Das D-LBO-Projekt steht exemplarisch für zahlreiche gescheiterte oder problematische Rüstungsprojekte wie Transportflugzeug A400M, Kampfhubschrauber Tiger und das Gewehr G36. Die Digitalisierung der Streitkräfte gilt als besonders kritisch, da moderne Kriegsführung sichere Kommunikation voraussetzt.

Das Projekt "Digitalisierung landbasierter Operationen" entstand als Antwort auf die veränderte Sicherheitslage nach der russischen Annexion der Krim 2014. Die NATO forderte ihre Mitgliedsstaaten zur Modernisierung und Interoperabilität auf. Deutschland verpflichtete sich, eine voll ausgerüstete Division für die NATO-Verteidigung bereitzustellen.

Bundeswehr Digitalfunk-Projekt

  • 2023
    Januar
    Beginn der Lieferungen der Digitalfunkgeräte (Rohde & Schwarz, L3Harris) an die Bundeswehr
  • 2023
    Erste Berichte über Einbauprobleme und Verzögerungen bei der Integration der Geräte in Fahrzeuge; nur wenige Fahrzeugtypen werden tatsächlich ausgerüstet
  • 2025
    Mai
    Systemtest auf Truppenübungsplatz Munster - Abbruch wegen mangelnder Truppentauglichkeit; Bedienungssoftware gilt als zu komplex
  • 2025
    Sommer/Herbst
    Hersteller und Bundeswehr arbeiten an Software-Updates und Verbesserungen, um Integration und Bedienbarkeit zu optimieren
  • 2027
    Bis Ende des Jahres
    Zieltermin: Eine Division mit allen Fahrzeugen und Einheiten soll mit Digitalfunk-Geräten vollständig ausgerüstet sein
  • 2028
    Ab 2028
    Möglicher weiterer Rollout auf weitere Einheiten, abhängig von technischen und organisatorischen Fortschritten

Notlösung mit Risiken

Bei der Integration der neuen Geräte in Bundeswehr-Fahrzeuge gibt es weiterhin Verzögerungen: Nur bei rund 30 von über 200 Fahrzeugtypen klappt der Einbau bislang reibungslos. Der Haushaltsausschuss des Bundestags bewilligte dafür zunächst 1,3 Milliarden Euro, mit Option auf weitere 1,5 Milliarden Euro.

Das Ministerium setzt vorerst auf eine Mischlösung aus digitalen und analogen Geräten, was laut internen Angaben zu einer temporären Einschränkung der Einsatzbereitschaft führt. Aus dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro sind ebenfalls Milliarden für die digitale Vernetzung der Bundeswehr gebunden. Kritiker sprechen vom "in Geld gegossenen Scheitern" der Zeitenwende.

Was haltet ihr von diesem Digitalisierungs-Desaster? Seht ihr die NATO-Fähigkeiten Deutschlands gefährdet? Teilt eure Einschätzung zu den Problemen der Bundeswehr-Beschaffung mit uns.

Warum sind die Funkgeräte nicht nutzbar?
Die neuen Digitalfunkgeräte der Bundeswehr scheiterten im Praxistest, da ihre Bedienoberfläche zu komplex war. Soldaten konnten Funkkreise nur mühsam einrichten, was im Gefechtsfall kritisch wäre. Auch die Sprachverbindung war teils instabil.

Die Software gilt als nicht truppentauglich: Was im Labor funktioniert, versagt laut SPIEGEL-Bericht im realen Einsatz. Ein Software-Update soll nun Abhilfe schaffen - ob das reicht, bleibt offen.
Welche Probleme gab es beim Einbau?
Der Einbau der Funkgeräte scheiterte an technischen Details: Adapterplatten, Stromversorgung und Platzprobleme machten die Integration in über 200 Fahrzeugtypen zur Herausforderung. Nur bei rund 30 Typen gelang der Einbau bisher reibungslos.

Teilweise mussten Fahrzeugdächer aufgeschweißt werden. Lichtmaschinen lieferten nicht die nötige Spannung. Die Folge: Viele Geräte lagern ungenutzt in Depots - mit Folgen für die Einsatzbereitschaft.
Wie teuer ist das Projekt D-LBO?
Das Projekt "Digitalisierung Landbasierte Operationen" (D-LBO) kostet mehrere Milliarden Euro und wird aus dem Bundeswehr-Sondervermögen finanziert. Allein für alte Nachbauten des SEM 80/90 wurden 600 Millionen Euro ausgegeben.

Ziel ist, bis Ende 2027 eine Division mit modernen, abhörsicheren Funkgeräten auszustatten. Die hohen Kosten stehen nun in der Kritik, da die Systeme aktuell nicht einsatzbereit sind.
Was ist das Ziel von D-LBO?
D-LBO soll die Bundeswehr mit einem digitalen Führungs- und Informationssystem ausstatten. Es kombiniert verschlüsselten Sprechfunk mit schneller Datenübertragung (bis 10 MBit/s) für moderne Gefechtsführung.

Die neue Technik soll veraltete, leicht abhörbare Analogsysteme ersetzen und die Kommunikation im Einsatz verbessern - insbesondere für die Speerspitzen des Heeres. Derzeit ist dieses Ziel jedoch gefährdet.
Wie ist der aktuelle Projektstatus?
Das Projekt befindet sich in einer kritischen Phase. Der erste Praxistest im Mai wurde abgebrochen, der nächste Test ist für November geplant. Ohne erfolgreiche Nachbesserung droht eine Projektstörung.

Derzeit laufen Software-Updates und technische Anpassungen. Die Integration in Fahrzeuge schreitet nur schleppend voran. Ob der Zeitplan bis 2027 eingehalten werden kann, ist fraglich.
Zusammenfassung
  • Digitale Funkgeräte der Bundeswehr bei Tests als nicht kriegstauglich eingestuft
  • Milliardenprojekt D-LBO zeigt massive Probleme bei Funkkreisen und Sprechfunk
  • Fehlende Ausstattung gefährdet NATO-Zusage Deutschlands bis Ende 2027
  • Verteidigungsminister Pistorius soll Probleme monatelang verschleiert haben
  • Zu umständliches Aufspielen von Kryptoschlüsseln und 40-tägiger Vorlauf
  • Lösungen vom Hersteller Rohde & Schwarz werden erst bis März 2026 erwartet
  • Kritiker bezeichnen D-LBO als weiteres Beispiel für Beschaffungsprobleme

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