Super-Gau mit Ansage: Nächster Digitalfunkgeräte-Fail der Bundeswehr

Ein Milliardenprojekt, das die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr modernisieren sollte, droht (erneut) ins Wanken zu geraten. Die neuen Digitalfunkgeräte gelten nach einem Test als "nicht truppentauglich". Was ging schief bei der Software?
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Digitalfunk-Projekt der Bundeswehr vor dem Aus

Wie Spiegel Online berichtet, gelten ausgerechnet die neuen Digitalfunksysteme, Herzstück der "Digitalisierung Landbasierte Operationen" (D-LBO), nach einem abgebrochenen Praxistest als "nicht truppentauglich". Damit werden erhebliche Zweifel an einem der wichtigsten Zukunftsvorhaben der Truppe laut.

Bereits im Herbst 2023 wurde bekannt, dass die neuen Funkgeräte für den Einbau in Bundeswehrfahrzeuge ungeeignet waren. Adapterplatten, Batteriekapazitäten und Lichtmaschinen bereiteten große Schwierigkeiten - ein Aspekt, der bis heute für massive Verzögerungen sorgt.


Jetzt wurde bekannt: Ein Praxistest der Digitalfunkgeräte auf dem Truppenübungsplatz Munster wurde im Mai abgebrochen. Die Bedienungssoftware der Geräte erwies sich als derart kompliziert, dass Soldaten Funkkreise nur mit Mühe aufbauen konnten, zudem wurde von Mängeln beim Sprechfunk berichtet.

Für das Digitalisierungsprojekt D-LBO stehen mehrere Milliarden Euro Sondervermögen zur Verfügung. Geplant ist, bis Ende 2027 eine Division mit den neuen, abhörsicheren VR500-Funkgeräten von Rohde & Schwarz auszustatten. Diese sollen VHF- und UHF-Übertragung mit Datenraten bis 10 MBit/s ermöglichen.

Minister erfährt spät von Problemen

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wurde laut dem Spiegel-Bericht erst im September über die möglichen Verzögerungen informiert, obwohl die Hausleitung schon seit Mitte Juni über die Ergebnisse des gescheiterten Systemtests Bescheid wusste. Noch am 10. September beteuerte Pistorius im Bundestag: "Letzter Stand ist: Wir sind im Plan".

Bundeswehr Digitalfunk-Projekt

  • 2023
    Januar
    Beginn der Lieferungen der Digitalfunkgeräte (Rohde & Schwarz, L3Harris) an die Bundeswehr
  • 2023
    Erste Berichte über Einbauprobleme und Verzögerungen bei der Integration der Geräte in Fahrzeuge; nur wenige Fahrzeugtypen werden tatsächlich ausgerüstet
  • 2025
    Mai
    Systemtest auf Truppenübungsplatz Munster - Abbruch wegen mangelnder Truppentauglichkeit; Bedienungssoftware gilt als zu komplex
  • 2025
    Sommer/Herbst
    Hersteller und Bundeswehr arbeiten an Software-Updates und Verbesserungen, um Integration und Bedienbarkeit zu optimieren
  • 2027
    Bis Ende des Jahres
    Zieltermin: Eine Division mit allen Fahrzeugen und Einheiten soll mit Digitalfunk-Geräten vollständig ausgerüstet sein
  • 2028
    Ab 2028
    Möglicher weiterer Rollout auf weitere Einheiten, abhängig von technischen und organisatorischen Fortschritten

Integration in Fahrzeuge stockt

Bislang gelang der Einbau der Funktechnik erst bei etwa 30 von mehr als 200 Fahrzeugtypen. Bei mehr als 80 laufen die Arbeiten, bei anderen Fahrzeugen ist die Integration noch gar nicht begonnen.

Die technische Herausforderung ist enorm, da alle Fahrzeuge individuell angepasst werden müssen. Trotz der Einstufung als "nicht truppentauglich" werden die Geräte derzeit etwa bei der Panzerbrigade 37 testweise in Fahrzeuge eingebaut. Ohne funktionsfähigen Digitalfunk gelten moderne Waffensysteme nicht als einsatzbereit.

Politische Kritik und nächste Schritte

Rohde & Schwarz arbeitet mit der Bundeswehr an einem dringend benötigten Software-Update. Ein weiterer Praxistest ist für November vorgesehen. Sollte dieser erneut fehlschlagen, droht dem Projekt in der jetztigen Form das Aus.

Was meint ihr zu den Problemen beim Bundeswehr-Digitalfunk? Seht ihr das Projekt noch zu retten oder sind die Probleme zu gravierend?

Warum sind die Funkgeräte nicht nutzbar?
Die neuen Digitalfunkgeräte der Bundeswehr scheiterten im Praxistest, da ihre Bedienoberfläche zu komplex war. Soldaten konnten Funkkreise nur mühsam einrichten, was im Gefechtsfall kritisch wäre. Auch die Sprachverbindung war teils instabil.

Die Software gilt als nicht truppentauglich: Was im Labor funktioniert, versagt laut SPIEGEL-Bericht im realen Einsatz. Ein Software-Update soll nun Abhilfe schaffen - ob das reicht, bleibt offen.
Welche Probleme gab es beim Einbau?
Der Einbau der Funkgeräte scheiterte an technischen Details: Adapterplatten, Stromversorgung und Platzprobleme machten die Integration in über 200 Fahrzeugtypen zur Herausforderung. Nur bei rund 30 Typen gelang der Einbau bisher reibungslos.

Teilweise mussten Fahrzeugdächer aufgeschweißt werden. Lichtmaschinen lieferten nicht die nötige Spannung. Die Folge: Viele Geräte lagern ungenutzt in Depots - mit Folgen für die Einsatzbereitschaft.
Wie teuer ist das Projekt D-LBO?
Das Projekt "Digitalisierung Landbasierte Operationen" (D-LBO) kostet mehrere Milliarden Euro und wird aus dem Bundeswehr-Sondervermögen finanziert. Allein für alte Nachbauten des SEM 80/90 wurden 600 Millionen Euro ausgegeben.

Ziel ist, bis Ende 2027 eine Division mit modernen, abhörsicheren Funkgeräten auszustatten. Die hohen Kosten stehen nun in der Kritik, da die Systeme aktuell nicht einsatzbereit sind.
Was ist das Ziel von D-LBO?
D-LBO soll die Bundeswehr mit einem digitalen Führungs- und Informationssystem ausstatten. Es kombiniert verschlüsselten Sprechfunk mit schneller Datenübertragung (bis 10 MBit/s) für moderne Gefechtsführung.

Die neue Technik soll veraltete, leicht abhörbare Analogsysteme ersetzen und die Kommunikation im Einsatz verbessern - insbesondere für die Speerspitzen des Heeres. Derzeit ist dieses Ziel jedoch gefährdet.
Wie reagiert das Verteidigungsministerium?
Minister Pistorius wurde laut offiziellen Angaben erst kürzlich über die Probleme informiert, obwohl seine Hausleitung bereits im Juni Bescheid wusste. Er forderte nun schnelle Aufklärung und Lösungsvorschläge.

Kritiker werfen dem Ministerium vor, Warnzeichen ignoriert zu haben. Interne Berichte und parlamentarische Nachfragen wurden offenbar zu lange beschwichtigend beantwortet, was nun politischen Druck erzeugt.
Gibt es eine Übergangslösung?
Ja, laut SPIEGEL wird an einer sogenannten "Brückenlösung" gearbeitet. Dabei sollen die neuen Digitalfunkgeräte mit dem alten analogen Sprechfunk kombiniert werden, um die Einsatzfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Ziel ist es, bis zur 47. Kalenderwoche eine funktionierende Lösung zu präsentieren. Ein weiterer Praxistest in Munster im November gilt als entscheidend für die Zukunft des Projekts.
Wie ist der aktuelle Projektstatus?
Das Projekt befindet sich in einer kritischen Phase. Der erste Praxistest im Mai wurde abgebrochen, der nächste Test ist für November geplant. Ohne erfolgreiche Nachbesserung droht eine Projektstörung.

Derzeit laufen Software-Updates und technische Anpassungen. Die Integration in Fahrzeuge schreitet nur schleppend voran. Ob der Zeitplan bis 2027 eingehalten werden kann, ist fraglich.
Welche Konsequenzen drohen der Truppe?
Die mangelhafte Integration der Funkgeräte gefährdet die Einsatzbereitschaft ganzer Verbände. Fahrzeuge mit eingebauten, aber nicht nutzbaren Geräten gelten als nicht einsatzfähig - auch Leopard-Panzer sind betroffen.

Besonders kritisch ist dies für Einheiten, die als schnelle Eingreiftruppe bei der NATO gemeldet sind. Ohne funktionierenden Funk ist eine koordinierte Gefechtsführung nicht möglich - ein sicherheitsrelevantes Risiko.

Zusammenfassung
  • Neue Digitalfunkgeräte der Bundeswehr als nicht truppentauglich eingestuft
  • Praxistest in Munster wegen komplizierter Bedienungssoftware abgebrochen
  • Probleme bei Installation der Funkgeräte in Bundeswehrfahrzeugen
  • Pistorius erst im September über Projektverzögerungen informiert
  • Software-Update und erneuter Test im November geplant
  • Bei Fehlschlag droht Milliardenprojekt das Aus

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