Microsoft ruft das FBI wegen Gaza-Protest von Mitarbeitern zu Hilfe

Microsoft gelingt es nach wie vor nicht, den Protest einer kleinen, aber um so lauteren Gruppe von Mitarbeitern unter Kon­trolle zu bekommen, der sich gegen die Kooperation des Software­riesen mit dem israelischen Militär richtet. Jetzt soll das FBI helfen.
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Hilferuf an das FBI nach Protesten bei Jubiläumsfeier

In Redmond gab es erst vor wenigen Tagen wieder eine aufsehenerregende Protestaktion von aktuellen und früheren Microsoft-Mitarbeitern, die sich gegen die zwischen dem Softwaregiganten und dem israelischen Militär geschlossenen Verträge rund um Microsofts Cloud-Plattform Azure richtet.

Wie der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg jetzt meldet, rief Microsoft nach der durch propalästinensische Proteste gestörten Feier zum 50. Jubiläum des Bestehens des Unternehmens sogar die US-Bundespolizei FBI (Federal Bureau of Investigations) zu Hilfe. Der Konzern bat die Behörde um die Bereitstellung von Auskünften zu bestimmten Mitarbeitern. Zuvor hatte Microsoft eine Mitarbeiterin entlassen, die während einer Ansprache von Konzernchef Satya Nadella lautstark protestierte.


In einer E-Mail an das FBI, die den Kollegen von Bloomberg vorliegt, bat ein Mitarbeiter der Abteilung für interne Ermittlungen bei dem Softwarekonzern die Behörde unter anderem um Auskünfte über einen bestimmten, bei den Protesten gegen die Geschäftspraktiken des Unternehmens besonders aktiven Entwickler mit arabischen Wurzeln.

Microsoft-eigene Ermittler auf Mitarbeiter angesetzt

Microsoft habe eine Handvoll Mitarbeiter als Teilnehmer an Protesten identifiziert, aber auch eines der Kinder eines Angestellten des Unternehmens, hieß es in der E-Mail an das FBI außerdem. Das FBI reagierte seinerseits auf Anfragen der Presse nur mit dem Verweis, dass man das Recht auf friedfertigen Protest respektiert und sich auf kriminelle Aktivitäten und Bedrohungen für die nationale Sicherheit der USA konzentriert. Die Behörde machte keine Auskünfte über mögliche Interaktionen mit Microsoft oder Mitarbeitern.

Hintergrund des Ganzen sind die andauernden Bemühungen einer Gruppe namens "No Azure for Apartheid", die darum kämpft, dass Microsoft seine seit Jahren bestehenden Verträge mit der Israel Defence Force (IDF) aufgibt. Die Gruppe hatte auch bei der letzten Microsoft Build Entwicklerkonferenz für lautstarken Protest am Veranstaltungsort gesorgt.

Zuletzt machte man mit der "Besetzung" eines Platzes im Osten des großen Microsofts-Geländes in Redmond auf sich aufmerksam, die aber nach der Androhung von Festnahmen aufgelöst wurde. Im Nachgang dieser Aktion kam es zu weiteren Protesten, bei denen die Polizei nach aktuellem Kenntnisstand insgesamt 20 Mitarbeiter von Microsoft oder ihre Unterstützer festnahm - darunter auch der zweite Mitarbeiter, der während Microsofts "Geburtstagsfeier" vor einigen Wochen ein Gespräch zwischen Satya Nadella, Bill Gates und Steve Ballmer mit Protestrufen unterbrochen hatte.

"No Azure for Apartheid" protestiert gegen die Nutzung von Microsofts Cloud-Plattform, auch weil inzwischen bekannt wurde, dass eine Spionagegruppe des israelischen Militärs in gigantischem Maß aufgezeichnete Telefonate von Palästinensern auf Azure-Servern in Rechenzentren in den Niederlanden und Irland gespeichert haben soll. Microsoft trage daher eine Mitschuld an der "Unterdrückung der Palästinenser im Gazastreifen", heißt es immer wieder.

Zusammenfassung
  • Microsoft fordert FBI-Hilfe bei Kontrolle von Mitarbeiterprotesten gegen Israel
  • Störung der 50-Jahr-Feier durch propalästinensische Proteste führte zu Entlassungen
  • Gruppe "No Azure for Apartheid" fordert Ende der Kooperation mit israelischem Militär
  • Festnahme von etwa 20 Microsoft-Mitarbeitern oder deren Unterstützern bei Protesten
  • Kritik an der Speicherung von Telefonaten palästinensischer Bürger auf Azure-Servern
  • Demonstranten werfen Microsoft Mitschuld an der Unterdrückung von Palästinensern vor
  • Umstrittene Cloud-Verträge zwischen Microsoft und der Israel Defense Forces

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