Archive.today: FBI ermittelt gegen Dienst, der Paywalls aushebelt

Das FBI hat eine gerichtliche Verfügung gegen den Domain-Registrar Tucows erwirkt, um den Betreiber von Archive.today zu identifizieren. Die Ermittler verlangen umfassende Daten zur Person hinter dem Archivierungsdienst.
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Archive.today
Eine gerichtliche Anordnung des FBI zielt darauf ab, die Identität des Betreibers von Archive.today aufzudecken. Die Subpoena, die Ende Oktober an den kanadischen Domain-Registrar Tucows zugestellt wurde, fordert die Herausgabe umfangreicher Kundendaten. Das geht aus einem Dokument hervor, das der Dienst selbst auf X veröffentlicht hat - begleitet lediglich vom Wort "Canary", eine Anspielung auf die historische Praxis im Bergbau, wo Kanarienvögel als Frühwarnsystem für unsichtbare Gefahren dienten.

Die FBI-Anordnung verlangt von Tucows die Offenlegung von Name, Adresse und Rechnungsanschrift des Kunden hinter Archive.today. Überdies fordert die Behörde Telefon- und Verbindungsdaten, Zahlungsinformationen, Internet-Session-Details sowie Netzwerkadressen.

Auch Informationen über genutzte Dienste wie E-Mail oder Cloud-Computing sollen übergeben werden. In dem Dokument heißt es, die angeforderten Informationen stünden im Zusammenhang mit einer strafrechtlichen Ermittlung des FBI, wie 404 Media und Heise berichten. Konkrete Angaben zum Gegenstand der Untersuchung enthält die Verfügung allerdings nicht. Tucows teilte lediglich mit, dass das Unternehmen rechtsgültigen behördlichen Anordnungen nachkomme, sich aber nicht zu laufenden Ermittlungen äußern könne.


Geheimnisvoller Dienst mit vielen Mirrors

Archive.today existiert seit 2012 und hat sich als Alternative zum Wayback Machine der Internet Archive etabliert. Anders als das methodische Archivierungssystem der Internet Archive arbeitet der Dienst auf Nutzerwunsch und erstellt schnelle Momentaufnahmen von Webseiten. Der Dienst ist unter zahlreichen Mirror-Domains erreichbar, darunter Archive.is und Archive.ph. Die ursprüngliche Domain wurde auf einen Denis Petrov aus Prag registriert - ein Name, der entweder sehr verbreitet ist oder möglicherweise ein Pseudonym darstellt.

Die Identität des Betreibers ist bis heute ungeklärt. Eine Recherche eines finnischen Bloggers aus dem Jahr 2023 legte nahe, dass Archive.today ein Botnet mit wechselnden IP-Adressen nutzt, um Anti-Scraping-Maßnahmen zu umgehen. Zudem gebe es Hinweise auf einen russischen Standort der Betreiber. Eine andere private Untersuchung aus dem Jahr 2024 kam zu einem anderen Schluss und identifizierte einen Softwareentwickler aus New York als möglichen Verantwortlichen.

Nach eigenen Angaben auf einer FAQ-Seite von 2013 wird die Seite privat finanziert und verfüge über keine komplexen Finanzierungsstrukturen. In einem Blog-Beitrag von 2021 schrieb der Betreiber, der Dienst sei "dazu verdammt, jeden Moment zu sterben". Die Seite macht keine Zusagen über eine dauerhafte Verfügbarkeit der archivierten Inhalte.

Paywall-Umgehung

Archive.today wird häufig genutzt, um Bezahlschranken von Nachrichtenportalen zu umgehen. Nutzer können eine URL eingeben und erhalten eine archivierte Version der Seite, die frei zugänglich ist. Der Dienst ignoriert dabei gängige Opt-out-Optionen und hält sich nicht an Regeln, die andere Archivierungsdienste respektieren. Das hat dem Anbieter zwar eine treue Nutzerbasis beschert, gleichzeitig aber auch Kritik aus der Medienbranche eingebracht.

Das FBI-Vorgehen könnte also im Zusammenhang mit Urheberrechtsverletzungen stehen. Bereits Anfang des Jahres gelang es der News/Media Alliance, den ähnlich funktionierenden Dienst 12ft.io vom Netz nehmen zu lassen. Die Allianz argumentierte, der Dienst biete "illegale Umgehungstechnologie" für urheberrechtlich geschützte Inhalte.

Ob und wie Archive.today auf die FBI-Ermittlungen reagiert, bleibt abzuwarten. Der Dienst ist weiterhin erreichbar. Da das Projekt nicht quelloffen ist, könnte eine Schließung bedeuten, dass sämtliche Mirror-Seiten verschwinden würden - ohne unmittelbaren Nachfolger.

Was haltet ihr von den Ermittlungen gegen Archive.today? Nutzt ihr den Dienst oder ähnliche Archivierungsdienste? Teilt eure Gedanken gerne in den Kommentaren.

Zusammenfassung
  • FBI fordert von Tucows umfangreiche Daten zum Betreiber von Archive.today
  • Der Archivdienst existiert seit 2012 und erstellt Momentaufnahmen von Webseiten
  • Die wahre Identität des Betreibers ist bislang ungeklärt und Gegenstand von Spekulationen
  • Archive.today wird oft genutzt, um Bezahlschranken von Nachrichtenseiten zu umgehen
  • Das FBI-Vorgehen könnte im Zusammenhang mit Urheberrechtsverletzungen stehen
  • Der nicht quelloffene Dienst läuft trotz Ermittlungen unter verschiedenen Mirror-Domains weiter

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