Deutsche Sicherheitsforscher zeigen, wie man Windows Hello knackt

Zwei Sicherheitsforscher haben auf der Black Hat-Konferenz eine kri­ti­sche Sicherheitslücke in Windows Hello demonstriert. Mit we­ni­gen Codezeilen können Angreifer biometrische Daten in die Da­ten­bank einschleusen und sich mit fremden Gesichtern anmelden.
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Microsoft/WinFuture

Schwere Sicherheitslücke in Windows Hello entdeckt

Deutsche Sicherheitsexperten haben auf der Black-Hat-Konferenz in Las Vegas eine kritische Schwachstelle in Microsofts Windows Hello für Unternehmen aufgezeigt. Baptiste David und Tillmann Osswald von ERNW Research demonstrierten live, wie Angreifer mit lokalen Administratorrechten biometrische Daten in ein System einschleusen können, um sich mit beliebigen Gesichtern oder Fingerabdrücken anzumelden.

Die Demonstration war verblüffend einfach: Nachdem sich ein Forscher per Gesichtserkennung angemeldet hatte, injizierte der andere mit wenigen Codezeilen und Administratorrechten eine andere biometrische Vorlage in die Systemdatenbank. Das betroffene Gerät akzeptierte das gefälschte Gesicht sofort und entsperrte das System, ohne eine Warnung auszugeben oder externe Signale zu senden, die den betrügerischen Log-in von einem legitimen unterschieden hätten.

Wie The Register berichtet, handelt es sich um ein grundlegendes Problem der Systemarchitektur, das nicht einfach zu beheben ist. Windows Hello für Unternehmen wurde 2015 als Teil von Windows 10 eingeführt und sollte Passwörter durch biometrische Authentifizierung ersetzen. Die Technologie nutzt Infrarot-Kameras für die Gesichtserkennung und Fingerabdrucksensoren, um kryptografische Schlüssel zu generieren, die in einer lokalen Datenbank gespeichert werden.


Architekturproblem ohne einfache Lösung

Windows Hello für Unternehmen speichert kryptografische Schlüssel in einer Datenbank, die mit Microsofts Windows Biometric Service verknüpft ist. Obwohl CryptProtectData die Datenbank schützt, können Angreifer mit lokalen Administratorrechten die Verschlüsselung mithilfe von Informationen aus der Software umgehen. Die Forscher warnen, dass eine Behebung schwierig sei und eine erhebliche Code-Überarbeitung oder die Nutzung des TPM-Moduls zur Speicherung der biometrischen Daten erfordern würde - was möglicherweise nicht umsetzbar ist.

Das Problem liegt in der grundlegenden Architektur: Windows Hello muss biometrische Vorlagen lokal speichern, um schnelle Authentifizierung zu ermöglichen. Diese Datenbank ist jedoch für Administratoren zugänglich, was den Angriff ermöglicht. Eine vollständige Verlagerung in das TPM würde die Kompatibilität mit vielen bestehenden Systemen beeinträchtigen und könnte Performance-Probleme verursachen.

Enhanced Sign-in Security

Microsoft bietet mit Enhanced Sign-in Security (ESS) eine Lösung, die auf einer höheren Hypervisor-Vertrauensebene arbeitet und den Angriff blockieren sollte. Diese Funktion ist standardmäßig aktiviert, aber nicht alle PCs unterstützen sie. "ESS ist sehr effektiv beim Blockieren dieses Angriffs, aber nicht jeder kann es nutzen", erklärte Osswald gegenüber The Register. "Wir haben beispielsweise vor anderthalb Jahren ThinkPads gekauft, die leider keinen sicheren Sensor für die Kamera haben, da sie AMD-Chips und nicht Intel verwenden."

ESS erfordert spezialisierte Hardware, Treiber und Firmware, die vom Gerätehersteller vorinstalliert werden müssen. Alle Copilot+ PCs haben ESS standardmäßig aktiviert. Die Technologie nutzt Microsofts Virtualization-based Security (VBS) und Hypervisor-protected Code Integrity (HVCI), um biometrische Sensoren in einer isolierten Umgebung zu betreiben.

ESS unterstützt jedoch keine externen Fingerabdrucksensoren oder Kamera-Module. Mit aktiviertem ESS werden externe biometrische Sensoren blockiert, unabhängig davon, ob sie sicher sind oder nicht. Für Systeme ohne ESS empfehlen die Forscher, die Biometrie zu deaktivieren und stattdessen eine PIN für die Anmeldung zu verwenden.

Was denkt ihr über diese Sicherheitslücke? Nutzt ihr Windows Hello in eurem Unternehmen und plant ihr Änderungen an eurer Konfiguration? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren mit.

Zusammenfassung
  • Deutsche Forscher entdecken eine kritische Schwachstelle in Windows Hello
  • Mit Admin-Rechten können gefälschte biometrische Daten eingeschleust werden
  • Die Schwachstelle erlaubt Anmeldung mit beliebigen Gesichtern und Abdrücken
  • Problem liegt in der grundlegenden Architektur der lokalen Datenspeicherung
  • Microsofts Enhanced Sign-in Security kann den Angriff effektiv blockieren
  • ESS benötigt spezielle Hardware und funktioniert nicht mit externen Sensoren
  • Als Alternative empfehlen die Experten PIN-Anmeldung statt Biometrie

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