Lidl-Plus-App vor Gericht:
Rabatte gegen Daten steht unter Beschuss

Die Anschuldigungen sind nicht neu: Verbraucherschützer warnen seit Jahren vor dem Kuhhandel Rabatte gegen Daten. Jetzt haben sie den nächsten Schritt unternommen und klagen gegen Lidl - das könnte weitreichende Folgen für diverse Bonusprogramme haben.
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Jason Leung / Lidl

Verbraucherschützer warnen vor Datentausch

Verbraucherschützer warnen seit Jahren vor dem Handel von Rabatten gegen persönliche Daten. Nun haben sie eine Klage gegen verschiedene Bonusprogramme im Einzelhandel eingereicht. Das Oberlandesgericht Stuttgart verhandelt seit Dienstag über eine Klage gegen die Lidl-Plus-App. Das Urteil könnte weitreichende Folgen für die gesamte Branche haben.

Der Vorwurf lautet, dass Discounter und Supermärkte ihre Kunden nicht ausreichend darüber informieren, dass sie für Rabatte mit ihren persönlichen Daten bezahlen. Bei der Lidl-Plus-App müssen Nutzer bereits bei der Registrierung Vorname, E-Mail-Adresse, Handynummer und Geburtsdatum angeben.

Bonus-Apps sind grundsätzlich nicht zu beanstanden. Wenn aber exklusive Rabatte, wie bei der Lidl Plus App, nur im Tausch gegen Daten zu bekommen sind, dann muss das transparent gemacht werden. Lidl muss Verbraucherinnen und Verbraucher besser informieren, dass sie für Rabatte mit ihren persönlichen Daten bezahlen. Dafür setzen wir uns vor Gericht ein.
Heiko Dünkel, Leiter Team Rechtsdurchsetzung beim Verbraucherzentrale-Bundesverband
Die Verbraucherzentrale sieht darin einen Verstoß gegen geltendes Recht und fordert mehr Transparenz beim digitalen Datentausch.

Sobald Kunden die App beim Einkaufen nutzen, hinterlassen sie eine digitale Spur. Die App erfasst, wann, wo und was eingekauft wird, welche Rabatte genutzt und wie bezahlt wird. Auch das Nutzungsverhalten in der App wird nachverfolgt. Diese Informationen ermöglichen es Lidl, sehr genaue Kundenprofile zu erstellen und personalisierte Werbung auszuspielen.

Das Urteil wird auch von Mitbewerbern gefürchtet

Die Klage richtet sich nicht nur gegen Lidl, sondern dient als Pilotverfahren. Das Urteil, das für den 23. September angekündigt ist, könnte auch andere Händler mit ähnlichen Apps wie Rewe, dm oder MediaMarkt betreffen.


Das Oberlandesgericht hat bereits angekündigt, eine Revision am Bundesgerichtshof zuzulassen. Der Fall könnte sogar vor dem Europäischen Gerichtshof landen, da es um die Auslegung einer EU-Richtlinie geht.

Lidl selbst wollte sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern, da das Urteil möglicherweise Geschäftsmodelle ganzer Branchen beeinflussen könnte. Sollten die Verbraucherschützer Recht bekommen, müssten viele Unternehmen ihre Datenschutzerklärungen und Geschäftspraktiken überarbeiten.

Was denkt ihr über den Datentausch gegen Rabatte? Nutzt ihr Bonusprogramme oder verzichtet ihr bewusst darauf? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren!

Welche Daten sammelt die Lidl-App?
Die Lidl-Plus-App erfasst bei der Registrierung persönliche Daten wie Vorname, Geburtsdatum, E-Mail-Adresse und Handynummer. Bei Onlinebestellungen kommen Adresse und Nachname hinzu.

Zusätzlich werden beim Einkauf und bei der App-Nutzung Daten zum Kaufverhalten, zur Filialnutzung, zu eingelösten Rabatten sowie zur App-Nutzung (z. B. Gerätetyp, Betriebssystem, Nutzungsdauer) gespeichert. Damit erstellt Lidl personalisierte Kundenprofile.
Warum klagt die Verbraucherzentrale?
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wirft Lidl vor, Nutzer nicht ausreichend darüber zu informieren, dass sie für Rabatte mit ihren Daten "bezahlen". Die App werde als kostenlos beworben, obwohl eine Gegenleistung in Form persönlicher Daten erfolgt.

Ziel der Klage ist es, eine rechtliche Klärung zu erreichen, wie deutlich Anbieter über den "Preis" in Form von Daten aufklären müssen - bereits vor Kontoerstellung. Es handelt sich um ein sogenanntes Pilotverfahren.
Ist die Lidl-App wirklich kostenlos?
Finanziell kostet die Lidl-Plus-App nichts - sie ist ohne Geldzahlung nutzbar. Verbraucherschützer argumentieren jedoch, dass sie nicht "kostenlos" im eigentlichen Sinne sei, da Nutzer ihre Daten als Gegenleistung preisgeben.

Ob der Begriff "kostenlos" in diesem Zusammenhang irreführend ist, wird derzeit juristisch geprüft. Ein Urteil dazu wird am 23. September 2025 erwartet, könnte aber noch durch höhere Instanzen überprüft werden.
Wie nutzt Lidl die gesammelten Daten?
Laut Lidl dienen die Daten unter anderem dazu, personalisierte Werbung und Angebote in der App auszuspielen, das Filialnetz auszubauen oder Prospektverteilungen zu optimieren.

Die Datenanalyse ermöglicht es Lidl, gezielt auf das Kaufverhalten einzelner Nutzergruppen einzugehen und damit die Kundenbindung zu stärken. Auch andere Handelsketten wie Rewe oder Aldi verfolgen ähnliche Strategien.
Kann ich die App nutzen, ohne Daten preiszugeben?
Nein. Die Nutzung der Lidl-Plus-App ist nur mit einem Nutzerkonto möglich, das persönliche Daten wie E-Mail-Adresse, Handynummer und Geburtsdatum erfordert. Ohne diese Angaben ist keine Registrierung möglich.

Wer keine Daten preisgeben möchte, muss auf die App und damit auch auf die damit verbundenen Rabatte verzichten. Ein Einkauf bei Lidl ist jedoch weiterhin auch ohne App möglich - allerdings zu regulären Preisen.
Wie unterscheidet sich Lidl von anderen Apps?
Im Grundprinzip unterscheidet sich Lidl nicht von anderen Handelsketten: Auch Rewe, Edeka oder Aldi nutzen Apps, um Kundendaten zu sammeln und personalisierte Angebote zu machen. Das Modell "Rabatt gegen Daten" ist branchenüblich.

Die Besonderheit bei Lidl liegt laut vzbv in der mangelnden Transparenz. Die Klage soll klären, ob Lidl seine Nutzer frühzeitig und ausreichend über die Datennutzung informiert - ein Punkt, der auch andere Anbieter betreffen könnte.
Wie lange kann der Rechtsstreit dauern?
Das Oberlandesgericht Stuttgart plant ein erstes Urteil am 23. September 2025. Doch bereits jetzt ist absehbar, dass der Fall weitergeht: Eine Revision zum Bundesgerichtshof ist wahrscheinlich.

Da es um die Auslegung einer EU-Richtlinie geht, könnte der Fall sogar vor dem Europäischen Gerichtshof landen. Eine endgültige Entscheidung könnte sich daher über Jahre hinziehen.
Was bedeutet das für andere Apps?
Die Klage gegen Lidl gilt als Pilotverfahren. Ein Urteil könnte Signalwirkung für andere Anbieter von Bonus- und Treueprogrammen haben, etwa Rewe, Payback oder Edeka.

Sollten Gerichte entscheiden, dass Anbieter transparenter über die Datennutzung informieren müssen, müssten viele Apps ihre Registrierung und Kommunikation anpassen. Das hätte direkte Auswirkungen auf die Gestaltung digitaler Kundenbindungsprogramme.
Zusammenfassung
  • Verbraucherzentrale klagt gegen Lidl-Plus-App wegen Datenschutz
  • App erfasst detaillierte Daten zu Einkäufen und Nutzerverhalten
  • Kunden tauschen persönliche Informationen gegen Rabatte
  • Das Urteil am 23. September könnte Branche stark beeinflussen
  • Der Fall könnte bis zum Europäischen Gerichtshof gehen
  • Bonusprogramme entwickelten sich zu komplexen Datensammlern

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