Echte Milchproteine, ohne Muh:
Bakterien ebnen Weg zur Labormilch
Forscher haben in E. coli-Bakterien erstmals das Milchprotein αs1-Casein in funktionsfähiger Form nachgebaut - inklusive jener chemischen Merkmale, die für Käseherstellung und Calciumbindung entscheidend sind. Vollwertige Labormilch rückt damit näher.
Genau das war bisher das große Hindernis bei der Herstellung tierfreier Milch: Zwar können Bakterien wie E. coli viele Proteine herstellen - aber sie kennen diese spezifische Phosphorylierung nicht. In einer aktuellen Studie gelang es nun erstmals, diesen Schritt nachzubilden. Ein Team um Suvasini Balasubramanian und Peter Ruhdal Jensen (Technical University of Denmark, DTU) sowie Ivan Mijakovic (Chalmers University of Technology, Schweden) rüstete E. coli mit sogenannten Kinase-Enzymen aus - das sind Proteine, die gezielt Phosphatgruppen an andere Proteine anhängen. Die eingesetzten Kinase-Gene stammten aus dem Bodenbakterium Bacillus subtilis, das sich gut in E. coli integrieren lässt.
Die Ergebnisse zeigten: Zwei dieser Enzyme, PrkD und YabT, konnten das künstlich hergestellte αs1-Casein an fast allen erforderlichen Stellen phosphorylieren - fast identisch wie im Euter einer Kuh. Die so produzierten Eiweiße konnten Calcium binden, wurden in simulierten Verdauungssystemen - sozusagen im Labormagen - vollständig verdaut und blieben strukturell stabil. Das sind drei zentrale Eigenschaften für spätere Anwendungen in Lebensmitteln.
Moment mal - ich lese immer wieder von "Milch aus dem Labor". Was ist hier neu?
Als zweite Strategie setzten die Forscher auf eine sogenannte Phosphomimetik. Hierbei werden die normalerweise phosphorylierten Serin-Bausteine durch die chemisch verwandte Aminosäure Aspartat ersetzt. Auch sie trägt eine negative Ladung und kann Calcium ähnlich gut binden. Vorteil: Für diese Variante braucht es keine zusätzlichen Enzyme. In den Tests schnitt die phosphomimetische Version nahezu gleichwertig ab - sowohl bei der Calciumbindung als auch bei der Verdaulichkeit.
Die Autoren sehen darin einen Wendepunkt in der alternativen Milchforschung. Denn mit funktional phosphorylierten Caseinen rückt erstmals ein komplett tierfreier Milchersatz in greifbare Nähe, der sich ähnlich wie klassische Kuhmilch verarbeiten lässt - sei es zu Käse, Joghurt oder Sportnahrung.
Siehe auch:
Erstmals geglückt: E. coli macht Labormilch möglich
Milch enthält viele wichtige Proteine - doch kein anderes prägt ihre Eigenschaften so stark wie die Caseine. Diese Eiweiße sorgen dafür, dass Milch weiß bleibt, dass sie zu Käse gerinnt oder sich in Pulverform stabil lagern lässt. Doch Caseine funktionieren nur, wenn sie im Körper der Kuh chemisch bearbeitet werden - durch sogenannte Phosphorylierung. Dabei werden winzige Phosphatgruppen an bestimmte Stellen des Proteins gehängt, vor allem an die Aminosäure Serin. Diese Stellen wirken wie kleine Magnete für Calcium-Ionen, was für die Bildung stabiler Milchstrukturen unverzichtbar ist.Genau das war bisher das große Hindernis bei der Herstellung tierfreier Milch: Zwar können Bakterien wie E. coli viele Proteine herstellen - aber sie kennen diese spezifische Phosphorylierung nicht. In einer aktuellen Studie gelang es nun erstmals, diesen Schritt nachzubilden. Ein Team um Suvasini Balasubramanian und Peter Ruhdal Jensen (Technical University of Denmark, DTU) sowie Ivan Mijakovic (Chalmers University of Technology, Schweden) rüstete E. coli mit sogenannten Kinase-Enzymen aus - das sind Proteine, die gezielt Phosphatgruppen an andere Proteine anhängen. Die eingesetzten Kinase-Gene stammten aus dem Bodenbakterium Bacillus subtilis, das sich gut in E. coli integrieren lässt.
Die Ergebnisse zeigten: Zwei dieser Enzyme, PrkD und YabT, konnten das künstlich hergestellte αs1-Casein an fast allen erforderlichen Stellen phosphorylieren - fast identisch wie im Euter einer Kuh. Die so produzierten Eiweiße konnten Calcium binden, wurden in simulierten Verdauungssystemen - sozusagen im Labormagen - vollständig verdaut und blieben strukturell stabil. Das sind drei zentrale Eigenschaften für spätere Anwendungen in Lebensmitteln.
Moment mal - ich lese immer wieder von "Milch aus dem Labor". Was ist hier neu?
- Viele Start-ups stellen Milchproteine im Labor her - aber oft fehlt ihnen ein entscheidender Schritt:
- Die richtige chemische "Aktivierung", damit daraus Käse oder Joghurt werden kann.
- Die Studie zeigt zum ersten Mal:
- Bakterien können Casein so umbauen, dass es sich wie echtes Milcheiweiß verhält - Calcium bindet, verdaut wird und stabil ist.
- Warum ist das wichtig?
- Ohne diese chemische Veränderung (Phosphorylierung) klappt keine Mizellbildung - und kein Käse, keine Milchstruktur.
- Heißt konkret:
- Nicht nur Eiweiß aus dem Reagenzglas - sondern Eiweiß, das wirklich funktioniert wie aus der Kuh.
Als zweite Strategie setzten die Forscher auf eine sogenannte Phosphomimetik. Hierbei werden die normalerweise phosphorylierten Serin-Bausteine durch die chemisch verwandte Aminosäure Aspartat ersetzt. Auch sie trägt eine negative Ladung und kann Calcium ähnlich gut binden. Vorteil: Für diese Variante braucht es keine zusätzlichen Enzyme. In den Tests schnitt die phosphomimetische Version nahezu gleichwertig ab - sowohl bei der Calciumbindung als auch bei der Verdaulichkeit.
Alternative Milchforschung
Unterschiede zeigten sich vor allem bei der Struktur: Mithilfe von Fluoreszenzspektroskopie und dynamischer Lichtstreuung untersuchte das Team die räumliche Faltung der Proteine. Die phosphorylierten Varianten lagen in leicht unterschiedlichen räumlichen Anordnungen vor - also in etwas anderen Formen, die vermutlich die spätere Funktion in Milchprodukten beeinflussen. Für Käseherstellung etwa ist es wichtig, dass die Eiweiße Mizellen bilden - kleine, kugelförmige Strukturen aus mehreren Proteinen und Calciumphosphat. Ob das mit den neuen Varianten auch klappt, muss noch untersucht werden.Die Autoren sehen darin einen Wendepunkt in der alternativen Milchforschung. Denn mit funktional phosphorylierten Caseinen rückt erstmals ein komplett tierfreier Milchersatz in greifbare Nähe, der sich ähnlich wie klassische Kuhmilch verarbeiten lässt - sei es zu Käse, Joghurt oder Sportnahrung.
Wie ernähren sich Deutsche heute?
Laut dem Ernährungsreport 2024 essen 71 Prozent der Deutschen täglich Obst und Gemüse, während nur 23 Prozent täglich Fleisch oder Wurst konsumieren - ein deutlicher Rückgang seit 2015 (34 Prozent).
Für 99 Prozent der Befragten ist guter Geschmack das wichtigste Kriterium beim Essen, gefolgt von gesundheitlichen Aspekten (91 Prozent). Etwa 41 Prozent ernähren sich flexitarisch, verzichten also bewusst häufiger auf Fleisch.
Für 99 Prozent der Befragten ist guter Geschmack das wichtigste Kriterium beim Essen, gefolgt von gesundheitlichen Aspekten (91 Prozent). Etwa 41 Prozent ernähren sich flexitarisch, verzichten also bewusst häufiger auf Fleisch.
Was empfiehlt die DGE aktuell?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt in ihren 2024 überarbeiteten Leitlinien "Gut essen und trinken" eine Ernährung, die zu mehr als 75 Prozent aus pflanzlichen Lebensmitteln besteht.
Konkret bedeutet dies: täglich zwei statt bisher drei Portionen Milchprodukte, maximal 300 g Fleisch und Wurst pro Woche, ein bis zwei Portionen Fisch wöchentlich sowie mehr Hülsenfrüchte und Nüsse, die nun eine eigene Kategorie im Ernährungskreis bilden.
Konkret bedeutet dies: täglich zwei statt bisher drei Portionen Milchprodukte, maximal 300 g Fleisch und Wurst pro Woche, ein bis zwei Portionen Fisch wöchentlich sowie mehr Hülsenfrüchte und Nüsse, die nun eine eigene Kategorie im Ernährungskreis bilden.
Warum ändert sich die Ernährung?
Ernährungsgewohnheiten ändern sich aufgrund verschiedener Faktoren wie gesellschaftlicher Wandel, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Umwelt- und Klimabewusstsein sowie globale Herausforderungen wie die Adipositas-Pandemie.
Laut Forschungsdaten wird der Umweltschutz für Konsumenten immer wichtiger: 54 Prozent derjenigen, die vegetarische/vegane Alternativen kaufen, tun dies aus Umwelt- und Klimaschutzgründen, 59 Prozent aus Tierschutzgründen.
Laut Forschungsdaten wird der Umweltschutz für Konsumenten immer wichtiger: 54 Prozent derjenigen, die vegetarische/vegane Alternativen kaufen, tun dies aus Umwelt- und Klimaschutzgründen, 59 Prozent aus Tierschutzgründen.
Was sind aktuelle Forschungsthemen?
Aktuelle Forschungsthemen umfassen die Transformation des Ernährungssystems unter Berücksichtigung von Klimaschutz, Biodiversität und Ressourceneffizienz sowie die Prävention ernährungsbedingter Krankheiten.
Weitere Schwerpunkte sind die Auswirkungen neuer Ernährungsformen wie pflanzenbetonte Ernährung, die Digitalisierung der Ernährung, die Herstellung von Fleischalternativen sowie der Zusammenhang zwischen Ernährung und sozialer Gerechtigkeit.
Weitere Schwerpunkte sind die Auswirkungen neuer Ernährungsformen wie pflanzenbetonte Ernährung, die Digitalisierung der Ernährung, die Herstellung von Fleischalternativen sowie der Zusammenhang zwischen Ernährung und sozialer Gerechtigkeit.
Zusammenfassung
- Forscher produzierten funktionsfähiges Milchprotein αs1-Casein in E. coli
- Bakterien wurden mit speziellen Enzymen für Phosphorylierung ausgestattet
- Zwei Enzyme konnten Casein ähnlich wie im Kuheuter phosphorylieren
- Alternativ wurde Phosphorylierung durch Aminosäure Aspartat nachgeahmt
- Beide Varianten zeigten gute Calciumbindung und Verdaulichkeit
- Unterschiede traten hauptsächlich in der räumlichen Proteinstruktur auf
- Durchbruch könnte den Weg zu vollständig tierfreier Milch mit Käsepotential ebnen
Siehe auch:
- KI baut Killer-Protein gegen antibiotikaresistente Superbakterien
- Forscher entdeckten ein Protein, das Zellen vor Alterung schützen kann
- MassiveFold kann Proteinstruktur in Stunden statt Monaten berechnen
- Weltpremiere: Mikroskop zeigt erstmals bewegte Proteinkomplexe live
- Unmögliche Protein-Analysen: Noch ein Nobelpreis für KI vergeben
Thema:
Beliebte Downloads
Neue Nachrichten
Beliebte Nachrichten
Videos
Meist kommentierte Nachrichten
Forum
-
WordPress 7.0.1: Ein Wartungs-Release mit Fokus auf Stabilität
d-hubs - Vorgestern 18:42 Uhr -
vivaldi 8.1.4087.48 ist erschienen
d-hubs - 11.07. 19:37 Uhr -
Diskussionsthread: Playstation 4
Venom316 - 10.07. 15:18 Uhr -
ZimaOS - eines der einsteigerfreundlichsten NAS vielleicht....
d-hubs - 10.07. 10:22 Uhr -
Mecklenburg-Vorpommern wagt es - setzt sich ab von Microsoft
d-hubs - 08.07. 18:23 Uhr
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen?
Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links,
um WinFuture zu unterstützen:
Vielen Dank!
Alle Kommentare zu dieser News anzeigen