Trump-Politik wirkt: USA starten blind in die Hurrikan-Saison

In den USA beginnt jetzt die bis zum November andauernde Hurri­kan-Saison. Diese kann besonders gefährlich werden - nicht nur aufgrund der Auswirkungen der Klimakrise, sondern vor allem auch wegen der neuen politischen Ausgangslage.
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FEMA-Chef sorgt für Stirnrunzeln

Exemplarisch hierfür ist die Verwirrung, die der neue Leiter der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA verursachte. Laut mehreren mit der Situation vertrauten Quellen zeigte sich Richardson auf einem Treffen am Montag überrascht darüber, dass es in den USA überhaupt eine Hurrikansaison gebe, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ob die Bemerkung ernst gemeint oder scherzhaft war, blieb unklar - doch die Reaktion unter den Mitarbeitenden war eindeutig: Irritation und Zweifel an seiner Eignung.

Die offizielle Hurrikansaison in den USA beginnt Anfang Juni und dauert bis Ende November. Die nationale Wetterbehörde NOAA warnte zuletzt, dass in diesem Jahr bis zu zehn Hurrikans erwartet werden - eine überdurchschnittlich aktive Saison. Angesichts dieser Prognose wiegt Richardsons Aussage besonders schwer.


Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums, dem FEMA untersteht, wies die Kritiken allerdings zurück und erklärte, die Bemerkung sei als Scherz zu verstehen gewesen. Zudem sei die Behörde unter der Leitung von Ministerin Kristi Noem und Richardson gut auf die Saison vorbereitet. Man wolle FEMA effizienter und einsatznäher aufstellen, so der Sprecher weiter.

Intern wächst dennoch der Unmut. Richardson, der das Amt erst seit Mai innehat und keinerlei Erfahrung im Katastrophenmanagement mitbringt, hatte ursprünglich angekündigt, einen neuen Notfallplan zu präsentieren. Doch nun erklärte er überraschend, auf Änderungen verzichten zu wollen, um keine Konflikte mit dem von Präsident Donald Trump eingerichteten FEMA Review Council zu riskieren, das die Arbeit der Behörde überprüfen soll.

Massive Kürzungen

Doch der FEMA-Chef ist nicht das einzige Problem für den Umgang mit den Wirbelstürmen. Der Meteorologe John Morales, der die Einwohner Floridas seit Jahrzehnten über die Wetterlage informiert, warnte davor, dass die Prognosen zur Stärke und zur Zugrichtung der Hurrikane in diesem Jahr erstmals deutlich schlechter ausfallen werde als zuvor.

Morales erinnerte zunächst an das Jahr 2019, als er während des herannahenden Hurrikans Dorian mit großer Sicherheit vorhersagen konnte, dass der Sturm nach Norden abdrehen und Florida verschonen würde. Eine solche Vorhersage sei in diesem Jahr nicht mehr möglich, sagte der Meteorologe sichtlich besorgt: "Ich kann nicht mehr mit derselben Überzeugung sagen, dass wir sicher sind. Und das liegt an den Angriffen auf die Wissenschaft und den drastischen Einschnitten bei wichtigen Wetterbehörden."

Er erklärte, dass die neue US-Regierung die Mittel für die wissenschaftliche Arbeit massiv zusammengestrichen hat. Der nationale Wetterdienst sei in Zentral- und Südflorida derzeit zu 19 bis 39 Prozent unterbesetzt. Zudem wurden in den gesamten USA 17 Prozent weniger Wetterballonstarts verzeichnet - ein essenzielles Instrument zur Datensammlung in der Atmosphäre.

Besonders kritisch sei auch die Zukunft der sogenannten "Hurricane Hunter"-Flugzeuge der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die Stürme über dem Meer aus nächster Nähe untersuchen. "Wenn diese Flüge ausfallen, fliegen wir sprichwörtlich blind in die Hurrikansaison", erklärte Morales. Das könne bedeuten, dass die Stärke eines Sturms erst bekannt werde, wenn er bereits auf Land trifft - wie zuletzt bei Hurrikan Otis in Acapulco, Mexiko. Die Folge all dessen ist schlicht, dass deutlich mehr Menschenleben in Gefahr sind als in den letzten Jahren.

Zusammenfassung
  • Die USA starten in überdurchschnittlich aktive Hurrikansaison mit bis zu zehn Wirbelstürmen
  • Neuer FEMA-Leiter Richardson sorgt mit fehlendem Wissen über Hurrikansaison für Irritation
  • Wetterdienst in Florida stark unterbesetzt und mit reduzierten Messungen durch Mittelkürzungen
  • Einschnitte bei 'Hurricane Hunter'-Flugzeugen lassen USA praktisch blind in die Saison fliegen
  • Wissenschaftsfeindliche Politik unter Trump gefährdet präzise Vorhersagen und Menschenleben

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