Vergewaltiger-Netzwerk mit tausenden Nutzern auf Telegram enttarnt

Auf der Messenger-Plattform Telegram gibt es offenbar rege Ver­net­zun­gen und Austausch tausender Männer darüber, wie Frauen am besten vergewaltigt werden können. Es reicht von Anleitungen zur Betäubung bis zum Austausch von Aufnahmen der Taten.
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Austausch über Betäubungsmittel

Aufgedeckt wurde das Netzwerk jetzt von der STRG_F-Redaktion des NDR. Diese hat nach eigenen Angaben Dutzende Gruppen mit Hunderten bis teilweise zehntausenden Mitgliedern gefunden, darunter auch Deutsche. Dabei wird deutlich, dass der Fall von Gisèle Pelicot, der seit Monaten Frankreich in Aufruhr versetzt, offenkundig kein Einzelfall ist.

"Die Nutzer geben sich unter anderem detaillierte Anleitungen, wie man Menschen für sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungen unbemerkt betäuben kann. Sie stacheln sich gegenseitig dazu auf oder bieten ihre Partnerinnen anderen Nutzern zur Vergewaltigung an. Außerdem werden offenbar Vergewaltigungen angekündigt, geplant und Bilder und Videos davon geteilt - teilweise auch live", teilte STRG_F mit.


STRG_F schildert etwa einen konkreten Fall, in dem ein Nutzer die anderen Teilnehmer der Gruppe live an Vorbereitungen auf eine Vergewaltigung teilhaben ließ. "Es beginnt alles mit einem kleinen Glas Wodka und endet mit ein paar Schlaftabletten", schrieb er und fuhr wenig später fort: "Sie ist jetzt sturzbesoffen und auf ein paar Schlafmedis. Ich sollte hoffentlich bald ein bisschen Spaß haben."

Die meisten betroffenen Frauen kommen laut den Recherchen der Redaktion offenbar aus dem direkten Umfeld der Nutzer - es handelt sich um die eigene Schwester, Mutter, Freundin oder Ehefrau. In den Chats werden auch Erfahrungsberichte und Anleitungen zu Betäubungsmitteln ausgetauscht. Unter den empfohlenen Mitteln war ein als Haarpflegeprodukt getarntes KO-Mittel, das sich frei im Netz kaufen ließ. STRG_F besorgte sich die Substanz und ließ sie im Universitätsklinikum Freiburg analysieren.

Unbekanntes Mittel

Der Toxikologe Prof. Dr. Volker Auwärter fand darin gleich mehrere gefährliche Substanzen. Unter anderem ermittelte er Medetomidin, ein Tiernarkosemittel, Flualprazolam, ein Designer-Benzodiazepin, und Scopolamin, ein Medikament gegen Erbrechen. Eine solche Zusammensetzung sei bislang nicht bekannt, deswegen sei in Standardtests nicht danach gesucht worden, erklärte der Wissenschaftler. Und auch bei einer Hausdurchsuchung bleibt es aufgrund seiner Tarnung als Haarmittel wohl unentdeckt.

Telegram erklärte auf Anfrage, dass man entsprechende Hinweise von Nutzern und Ermittlungsbehörden nachgehe: "Telegram verfolgt eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Missbrauch seiner Plattform. Alle Nutzer, die dabei erwischt werden, werden sofort gesperrt." Angesichts des regen Treibens scheint dies aber nicht besonders viel zu helfen. Nachfragen beim Bundeskriminalamt förderten auch keine weitergehenden Informationen zutage - dort schweigt man aus ermittlungstaktischen Gründen.

Zusammenfassung
  • Recherche des NDR deckt riesiges Vergewaltigernetzwerk auf Telegram auf
  • Täter tauschen in Telegram-Gruppen Anleitungen zur Betäubung von Opfern aus
  • Täter kommen meist aus dem direkten Umfeld und teilen Aufnahmen ihrer Taten
  • Als Haarpflegeprodukt getarntes KO-Mittel enthält gefährliche Betäubungsstoffe
  • Telegram behauptet Null-Toleranz-Politik, Netzwerk bleibt dennoch aktiv
  • Das Bundeskriminalamt hält sich aus ermittlungstaktischen Gründen bedeckt

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