Chinas innovative Startup-Szene bricht in sich zusammen

Startups gelten gemeinhin als Innovations-Motor für High-Tech-Branchen. Da dürfte es für China eine schlechte Nachricht sein, dass seine Gründer-Szene aktuell regelrecht in sich zu­sam­men­fällt. Eine Ursache liegt in einem rasanten Rückzug des Ri­si­ko­ka­pi­tals.
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Vielfältige Gründe

Einst galt China als der attraktivste Markt für Venture-Capital-Investoren nach den USA. Doch seit der Covid-19-Pandemie hat sich das Bild dramatisch gewandelt. Die Zahl der neu gegründeten Start-ups in China ist von 51.302 im Jahr 2018 auf nur noch 1202 im Jahr 2023 gesunken - ein beispielloser Rückgang.

Ein Grund für diese Entwicklung ist die wirtschaftliche Abkühlung Chinas, bedingt durch die langanhaltenden Covid-19-Lockdowns, das Platzen der Immobilienblase und die Stagnation an den Aktienmärkten. Zudem haben steigende Spannungen mit den USA viele ausländische Investoren veranlasst, ihre Beteiligungen zurückzufahren oder sich ganz vom chinesischen Markt zu verabschieden, berichtet die britische Wirtschaftszeitung Financial Times.


Ein weiterer entscheidender Faktor sind die politischen Maßnahmen unter Präsident Xi Jinping. Die verstärkte Kontrolle der Kommunistischen Partei über private Unternehmen, darunter ein hartes Vorgehen gegen angeblich monopolistische Technologiekonzerne und eine andauernde vermeintliche Anti-Korruptionskampagne, haben das Geschäftsklima erheblich verschlechtert. Die Unsicherheit, die durch die abrupte Absage des Börsengangs der Ant Group im November 2020 entstanden ist, hat die einstige Euphorie im Markt weiter gedämpft.

Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass viele Risikokapitalgesellschaften sich verstärkt auf risikoärmere Bereiche wie die Fertigungsindustrie konzentrieren. Laut der Datenplattform IT Juzi entfielen im Jahr 2023 über 30 Prozent der neu gegründeten Start-ups auf die fortgeschrittene Fertigung in Bereichen wie neue Energien und integrierte Schaltkreise. Gleichzeitig haben Finanzierungsrunden für Biotech- und Pharma-Start-ups seit ihrem Höchststand im Jahr 2021 um 60 Prozent abgenommen.

Keine Besserung in Sicht

Während das Risikokapital in China weiterhin schrumpft, suchen viele Fonds nach neuen Möglichkeiten im Ausland. Namhafte Investoren wie HongShan und Hillhouse Investment haben ihre internationalen Aktivitäten ausgeweitet, um neue Wachstumschancen zu erschließen.

Unternehmer in China sehen sich einem schwierigen Umfeld gegenüber und suchen nach neuen Wegen, ihre Ideen zu verwirklichen, sei es durch grenzüberschreitenden E-Commerce oder durch die Finanzierung durch Familie und Freunde, ohne auf institutionelles Kapital zurückzugreifen. Doch ob sich das Risikokapital in China jemals wieder erholen wird, bleibt fraglich. Ein Brancheninsider beschreibt die Situation so: "Ich bin wie die Titanic, die Flagge weht noch, aber das Schiff geht unter."

Zusammenfassung
  • Chinas Start-up-Szene erlebt einen dramatischen Einbruch
  • Anzahl neuer Start-ups sank von 51.302 in 2018 auf 1.202 in 2023
  • Wirtschaftliche Abkühlung und politische Maßnahmen verschärfen Lage
  • Risikokapital zieht sich zurück, Fokus verlagert sich auf Fertigungsindustrie
  • Finanzierung für Biotech und Pharma seit 2021 um 60 Prozent reduziert
  • Investoren suchen vermehrt nach Chancen im Ausland
  • Unternehmer in China setzen auf alternative Finanzierungsquellen

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