Kampf der China-Händler: Shein erhebt schwere Vorwürfe gegen Temu
Der Streit zwischen den chinesischen Fast-Fashion-Giganten spitzt sich zu: Shein verklagt Temu wegen Urheberrechtsverletzungen und Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen. Die aggressiv in den Westen drängenden Händler werfen sich gegenseitig unlautere Geschäftspraktiken vor.
In der zu Anfang der Woche bei einem Bundesgericht in Washington, D.C. eingereichten Klage wirft Shein dem Konkurrenten vor, systematisch Designs zu stehlen und ein Geschäftsmodell aufgebaut zu haben, das auf Fälschungen, Betrug und Verletzung geistigen Eigentums basiert. Die Vorwürfe wiegen schwer: Shein beschuldigt Temu, sich als legitimer Online-Marktplatz zu tarnen, während es in Wirklichkeit seine Verkäufer dazu ermutigen soll, die Designs anderer Marken zu kopieren.
Die Vorwürfe gehen noch weiter: Shein beschuldigt Temu, mindestens einen Mitarbeiter dazu angestiftet zu haben, Geschäftsgeheimnisse zu stehlen. Diese Daten sind sicherlich wertvoll und sollen Informationen über Sheins Kunden und interne Preisgestaltung enthalten haben. Damit soll Temu dann seine eigenen Verkäufer angewiesen haben, die erfolgreichsten Shein-Produkte zu kopieren und Nachahmungen auf der Temu-Plattform anzubieten.
Shein geht in seiner 80-seitigen Klageschrift sogar so weit zu behaupten, dass Temu sich auf Social-Media-Diensten wie X (ehemals Twitter) als Shein ausgegeben habe, um Kunden auf die eigene Plattform umzuleiten. Zudem soll Temu Influencer dafür bezahlt haben, damit diese behaupten, dass Temu-Produkte - die oft Fälschungen von Shein-Produkten seien - billiger und von höherer Qualität als die Shein-Originale seien.
Laut Klage von Shein: Links das Shein-Original, rechts das Plagiat
Shein selbst muss sich übrigens fast identischen Vorwürfen stellen: Zahlreiche Marken wie Levi Strauss, H&M und Uniqlo haben Shein in der Vergangenheit des Plagiats beschuldigt. Die Tatsache, dass Shein nun fast identische Anschuldigungen gegen einen Konkurrenten erhebt, ist ein durchaus ironischer Twist und zeigt, wie komplex und undurchsichtig Praktiken in der asiatischen Fast-Fashion-Industrie sein können.
Temu (rechts) soll ein X-Konto nachgeahmt haben
Mit ihren extrem niedrigen Preisen und der Fähigkeit, viel schneller auf Trends zu reagieren als etablierte Wettbewerber, haben sie sich rasch große Marktanteile gesichert. Doch dieser Erfolg hat seinen Preis: Sowohl Shein als auch Temu sehen sich wachsender Kritik in Bezug auf ihre Arbeitspraktiken, ihre Verbindungen zur chinesischen Regierung und den mutmaßlichen Missbrauch von Designs anderer Marken ausgesetzt.
Die gegenseitigen Anschuldigungen der beiden Unternehmen könnten dazu führen, dass die gesamte Branche einer genaueren Prüfung unterzogen wird. Insbesondere im Hinblick auf Sheins geplanten Börsengang, der noch in diesem Jahr stattfinden könnte, werden Fragen zu Menschenrechten, Lieferketten und Umweltauswirkungen immer lauter.
Update, 21.08, 12:30 Uhr - Temu hat uns folgendes (nicht gerade zurückhaltendes) Statement übermittelt:
Siehe auch:
Eskalation im Billig-Segment
Der Kampf um die Vorherrschaft im Bereich der Billigst-Mode hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Wie CNBC berichtet, hat der Fast-Fashion-Riese Shein seinen Konkurrenten Temu wegen Urheberrechtsverletzungen und Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen verklagt. Der juristische Schlagabtausch zwischen den beiden chinesischen E-Commerce-Giganten, die beide aggressiv nach Europa expandieren, verschärft sich damit weiter.In der zu Anfang der Woche bei einem Bundesgericht in Washington, D.C. eingereichten Klage wirft Shein dem Konkurrenten vor, systematisch Designs zu stehlen und ein Geschäftsmodell aufgebaut zu haben, das auf Fälschungen, Betrug und Verletzung geistigen Eigentums basiert. Die Vorwürfe wiegen schwer: Shein beschuldigt Temu, sich als legitimer Online-Marktplatz zu tarnen, während es in Wirklichkeit seine Verkäufer dazu ermutigen soll, die Designs anderer Marken zu kopieren.
Verlustgeschäft als Strategie?
Ein besonders brisanter Vorwurf lautet, dass Temu bei jedem Verkauf Geld verliere. "Temu lockt US-Verbraucher mit extrem niedrigen Preisen zum Download und zur Nutzung seiner mobilen App. Aber Temu macht mit dem Verkauf dieser Produkte keinen Gewinn, die so niedrig bepreist sind, dass Temu jeden Verkauf subventionieren muss und bei jeder Transaktion Geld verliert", heißt es in der Klageschrift. Laut Shein verliert Temu durchschnittlich 30 Dollar pro Bestellung, mit dem einzigen Ziel, sich Marktanteile zu sichern. Infografik: Amazon sitzt die chinesische Konkurrenz im Nacken
Die Vorwürfe gehen noch weiter: Shein beschuldigt Temu, mindestens einen Mitarbeiter dazu angestiftet zu haben, Geschäftsgeheimnisse zu stehlen. Diese Daten sind sicherlich wertvoll und sollen Informationen über Sheins Kunden und interne Preisgestaltung enthalten haben. Damit soll Temu dann seine eigenen Verkäufer angewiesen haben, die erfolgreichsten Shein-Produkte zu kopieren und Nachahmungen auf der Temu-Plattform anzubieten.
Shein geht in seiner 80-seitigen Klageschrift sogar so weit zu behaupten, dass Temu sich auf Social-Media-Diensten wie X (ehemals Twitter) als Shein ausgegeben habe, um Kunden auf die eigene Plattform umzuleiten. Zudem soll Temu Influencer dafür bezahlt haben, damit diese behaupten, dass Temu-Produkte - die oft Fälschungen von Shein-Produkten seien - billiger und von höherer Qualität als die Shein-Originale seien.
Laut Klage von Shein: Links das Shein-Original, rechts das Plagiat
Gegenseitige Anschuldigungen
Der Streit zwischen den beiden Unternehmen ist alles anderes als neu. Bereits im vergangenen Jahr verklagte Temu Shein wegen Urheberrechtsverletzungen und warf dem Konkurrenten vor, "Mafia-ähnliche Einschüchterungstaktiken" gegen Zulieferer einzusetzen, um sie zu Exklusivverträgen zu zwingen. Die gegenseitigen Anschuldigungen zeigen, wie hart umkämpft der Markt für ultragünstige Mode ist - und ein Ende ist nicht in Sicht.Shein selbst muss sich übrigens fast identischen Vorwürfen stellen: Zahlreiche Marken wie Levi Strauss, H&M und Uniqlo haben Shein in der Vergangenheit des Plagiats beschuldigt. Die Tatsache, dass Shein nun fast identische Anschuldigungen gegen einen Konkurrenten erhebt, ist ein durchaus ironischer Twist und zeigt, wie komplex und undurchsichtig Praktiken in der asiatischen Fast-Fashion-Industrie sein können.
Temu (rechts) soll ein X-Konto nachgeahmt haben
Rasanter Aufstieg und wachsende Kritik
Beide Unternehmen haben die Einzelhandelsbranche im Sturm erobert. Shein, gegründet 2008 in Nanjing, China, hat sich zum weltweit größten Modehändler entwickelt und erzielte 2022 einen Umsatz von 24 Milliarden US-Dollar. Temu, eine Tochtergesellschaft des chinesischen E-Commerce-Riesen PDD Holdings, betrat den US-Markt erst 2022, konnte aber schnell Fuß fassen. Im Dezember 2023 verkaufte Temu in den USA bereits dreimal so viel wie Shein.Mit ihren extrem niedrigen Preisen und der Fähigkeit, viel schneller auf Trends zu reagieren als etablierte Wettbewerber, haben sie sich rasch große Marktanteile gesichert. Doch dieser Erfolg hat seinen Preis: Sowohl Shein als auch Temu sehen sich wachsender Kritik in Bezug auf ihre Arbeitspraktiken, ihre Verbindungen zur chinesischen Regierung und den mutmaßlichen Missbrauch von Designs anderer Marken ausgesetzt.
Die gegenseitigen Anschuldigungen der beiden Unternehmen könnten dazu führen, dass die gesamte Branche einer genaueren Prüfung unterzogen wird. Insbesondere im Hinblick auf Sheins geplanten Börsengang, der noch in diesem Jahr stattfinden könnte, werden Fragen zu Menschenrechten, Lieferketten und Umweltauswirkungen immer lauter.
Update, 21.08, 12:30 Uhr - Temu hat uns folgendes (nicht gerade zurückhaltendes) Statement übermittelt:
Diese Dreistigkeit ist unfassbar, da Shein selbst unter einem Berg von Urheberrechtsklagen begraben liegt. Jetzt besitzen sie auch noch die Frechheit, Anschuldigungen über ein Fehlverhalten anderer zu erfinden, für das sie selbst wiederholt verklagt wurden.Was haltet ihr von diesem eskalierenden Rechtsstreit zwischen Shein und Temu? Habt ihr selbst schon einmal bei einem der beiden Händler bestellt? Wie sind eure Erfahrungen mit Qualität und Abwicklung? Schreibt es uns in den Kommentaren!
Zusammenfassung
- Shein verklagt Temu wegen Urheberrechtsverletzungen
- Vorwürfe gegen Temu: Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen
- Temu soll bei jedem Verkauf 30 Dollar Verlust machen
- Shein wirft Temu vor, auf X als Shein aufzutreten
- Temu bezahlt Influencer für positive Bewertungen
- Beide Unternehmen sind stark umstritten
- Shein plant einen Börsengang noch dieses Jahr
Siehe auch:
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