Geheimnis gelüftet: Warum die Venus weniger Wasser als die Erde hat

Die Venus ist der Erde eigentlich in vielen Belangen ähnlich - umso verwunderlicher ist es, dass man es auf unserem Nachbarplaneten mit einer regelrechten Höllenwelt zu tun bekommt. Ein wesentlicher Grund dafür soll nun identifiziert worden sein.
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Ein Planet biegt falsch ab

Vergleicht man die beiden Planeten, findet man erst einmal viele Gemeinsamkeiten: Größe und Dichte wie auch die Zusammensetzung ähneln sich auffällig. Während es aber auf der Erde vor Leben wimmelt, scheint die Venus irgendwann in eine falsche Richtung abgebogen zu sein, die sie zu einem extrem unwirtlichen Ort macht: Auf der Oberfläche ist es durchschnittlich 471 Grad heiß und der Atmosphärendruck ähnelt den Zuständen in der Tiefsee.

Eine der großen Fragen, die die Forscher beschäftigt, ist dabei das Fehlen des Wassers, das auf der Erde in großen Mengen verfügbar ist. Die Entstehungsgeschichte des Sonnensystems und andere Hinweise lassen immerhin den Schluss zu, dass es einst auch auf der Venus Wasser gegeben haben muss.


Wohin es verschwunden ist, kann man rekonstruieren: Da es auf der Venus extrem heiß ist, dürften die Wasservorkommen in den Weltraum entkommen sein. Was den Prozess aber angestoßen hat, haben Forscher Computermodelle des Planeten verwendet und ihn fast wie ein gigantisches Chemielabor behandelt. Auf diese Weise konnten sie die verschiedenen Reaktionen in der wirbelnden Venusatmosphäre genauer unter die Lupe nehmen und einen Verdächtigen für den Wasserverlust ausmachen, wie sie in einem Paper erklären, das in Nature veröffentlicht wurde.

Instabiles Molekül

Das Team entdeckte dabei, dass ein Molekül namens HCO+ - bestehend aus einem Wasserstoff-, einem Kohlenstoff- und einem Sauerstoffatom - hoch in der Venusatmosphäre dafür verantwortlich sein könnte, das letzte Wasser des Planeten ins All zu befördern. Denn diese Verbindung wird unter den Bedingungen, wie sie vor längerer Zeit auf der Venus entstanden, aus Wasser und Kohlenstoff gebildet.

Allerdings ist das Molekül nicht besonders stabil. Es ist positiv geladen und danach bestrebt, Elektronen dazu zu holen. Wenn dies allerdings geschieht, bricht das Molekül auseinander und gibt reinen Wasserstoff frei, der leicht in den Weltraum verschwinden kann. In der Atmosphäre der Venus bleibt dann nur noch das wirklich reichlich vorhandene Kohlendioxid, das einen enormen Treibhauseffekt verursacht.

Zusammenfassung
  • Venus ähnelt der Erde in Größe, Dichte und Zusammensetzung
  • Auf der Venus herrschen extreme Bedingungen mit 471 Grad Hitze
  • Fehlendes Wasser auf der Venus ist ein zentrales Forschungsthema
  • Wasserverlust durch hohe Temperaturen und Entweichen ins All
  • Forschung mit Computermodellen identifiziert Molekül HCO+ als Ursache
  • HCO+ entsteht aus Wasser und Kohlenstoff unter Venusbedingungen
  • Zerfall von HCO+ setzt Wasserstoff frei, der ins All entweicht

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