Spurensuche per Simulation:
Warum die Venus sich falsch rum dreht

Die Venus weist eine für unser Sonnensystem einzigartige Rotation auf: Der Planet dreht sich in die entgegengesetzte Richtung, der Sonnen­aufgang fände also im Westen statt, wenn man sich auf der Oberfläche aufhalten würde.
Forschung, Wissenschaft, Weltraum, Raumfahrt, Rakete, Planet, Sonnensystem, Planeten, Venus

Im Westen geht die Sonne auf

Bisher ist unklar, warum dies der Fall ist. Klar ist angesichts der vorliegenden Erkenntnisse über die Entstehung der Planeten nur, dass es ziemlich sicher einen äußeren Einfluss gegeben haben muss, der die Rotationsrichtung veränderte. Forschern ist es nun gelungen, mit einer Reihe von Computersimulationen eine wahrscheinliche Ursache herauszufinden.

Der Schwerpunkt der Forschung lag auf der Untersuchung der Hypothese, dass ein Mond dieses seltsame Phänomen beeinflusst hat. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Anziehungskraft eines Begleiters mit einer rückwärtigen Umlaufbahn für die ausgeprägte retrograde Rotation der Venus verantwortlich sein könnte. Die große Frage wäre dann allerdings, wohin solch ein Mond verschwunden ist - denn im Gegensatz zu den meisten anderen Planeten ist die Venus allein unterwegs.


Die jetzt veröffentlichte Studie gibt Einblicke in die komplizierte Dynamik des frühen Sonnensystems, die durch Chaos und Hochgeschwindigkeitsbewegungen von Himmelskörpern gekennzeichnet ist. In dieser Phase dürfte die Materie-Sammlung, die sich zur Venus formte, möglicherweise einen Mond eingefangen haben, der in einen Orbit gelangte, von dem aus er die natürliche Bewegungsrichtung umkehren konnte.

Beweise sammeln ist schwer

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass ein größeres Objekt mit der frühen Venus kollidierte und so für eine entsprechende Veränderung des Drehimpulses sorgte. Eine solche Kollision führte bei der Erde zur Entstehung unseres Mondes. Es kann aber bei anderen Planeten auch dazu gekommen sein, dass nach und nach alle Bruchstücke wieder herunterstürzten.

Die Simulationen können zwar wahrscheinliche Szenarien hervorbringen, Beweise allerdings nicht. Hierfür wäre es nötig, an der Venus selbst tiefergehende Untersuchungen durchzuführen - was insbesondere auf der unwirtlichen Oberfläche schwierig ist. Auf der Erde hat man unterdessen Anzeichen für einen Einschlag vor sehr langer Zeit gefunden.

Zusammenfassung
  • Venus rotiert entgegengesetzt zur üblichen Richtung
  • Möglicher äußerer Einfluss auf Rotationsrichtung
  • Simulationen deuten auf Einfluss durch Mond hin
  • Vermuteter Mond der Venus ist verschwunden
  • Studie beleuchtet Dynamik des frühen Sonnensystems
  • Kollision könnte Venus-Drehimpuls verändert haben
  • Simulationen liefern Szenarien, aber keine Beweise

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!