Trotz Embargo: China-Chip mit 7nm & 5G in Huaweis neuem Top-Handy
Huawei hat offenbar tatsächlich einen Weg gefunden, wie man auch ohne die Unterstützung internationaler Vertragsfertiger relativ moderne Prozessoren mit geringer Strukturbreite und integriertem 5G-Modem bauen kann. Das US-Embargo gegen den chinesischen Konzern ist somit wohl nicht 100 Prozent wirksam.
Bei der Untersuchung des neuen Huawei Mate 60 Pro, welches der chinesische Hersteller in der letzten Woche ohne große Ankündigung, ohne Pressekonferenz und ohne offizielle Angaben zur verwendeten CPU-Plattform in China in den Handel brachte, stellte das Analyseunternehmen TechInsights nach eigenen Angaben fest, dass hier ein System-on-Chip namens Huawei HiSilicon Kirin 9000S im Einsatz ist.
Laut der vom US-Wirtschaftsdienst Bloomberg beauftragten Analyse, für die man das Smartphone zerlegt und das SoC von der Hauptplatine entfernt hat, wird der neue Kirin-Chip vom chinesischen Chipfertiger SMIC produziert. Die Fertigung erfolgt dem Bericht zufolge mit einer Strukturbreite von sieben Nanometern, wobei derzeit noch geprüft wird, ob SMIC dafür eine modernere Variante seiner Fertigungstechnologie namens "N+2" mit integriertem SRAM-Cache nutzt.
Um noch geringere Strukturbreiten zu erreichen, müsste SMIC wieder auf westliches Equipment zurückgreifen, was in Folge des US-Embargos aber nicht möglich ist. Aktuell nutzt der Chipfertiger wohl noch Anlagen, die vor dem Inkrafttreten des Embargos ins Land kamen. Bei nicht chinesischen Konkurrenten wie TSMC und Samsung wird aktuell mit vier Nanometern Strukturbreite produziert, wobei mit dem Launch der neuen iPhone-15-Serie in der nächsten Woche auch schon 3nm-Chips auf breiter Front Einzug halten sollen.
Dass die chinesische Regierung und ihre Medien den Launch des Mate 60 Pro frenetisch als Sieg über das US-Embargo feiern, überrascht unterdessen nicht. Inwiefern die staatliche Propaganda allerdings darüber hinwegtäuschen kann, dass man nach wie vor einige Chipgenerationen hinterher hängt, bleibt abzuwarten. Abzuwarten bleibt auch, ob SMIC nun tatsächlich größere Stückzahlen seiner 7nm-Chips bauen kann.
Der CPU-Teil des Chips soll laut Analysen aus China eine Kombination aus vier energieeffizienten ARM Cortex-A510-Kernen und vier weiteren "Taishan"-Kernen mit jeweils 3x 2,15 und 1x 2,62 Gigahertz Taktrate bestehen. Die letztgenannten Kerne nutzen eine stark angepasste ARM-Architektur, die ihren Ursprung in Huaweis schon seit mehreren Jahren verfügbaren "Kunpeng"-Plattformen für ARM-basierte Server hat.
So lässt Huawei seinen Kirin 9000S im Mate 60 Pro wohl nicht ohne Grund mit relativ geringen Taktraten der High-End-Cores laufen, weil sonst die Leistungsaufnahme zu stark steigt, heißt es unter anderem beim YouTuber Geekerwan, der sich sehr ausführlich mit dem neuen Huawei-Chip beschäftigt hat. Zumindest bei den Low-End-Kernen und deren geringerer Taktrate scheint es keine großen Unterschiede zu Chips wie dem Snapdragon 8 Gen 1 zu geben.
Generell bewegt sich Huawei mit dem Kirin 9000S offensichtlich auf dem Niveau älterer High-End-SoCs von Qualcomm bzw. aktueller Mittelklasse-Chips von MediaTek. Die Performance im Benchmark Geekbench 5 lag bei den Stromsparkernen gleichauf mit dem alten Kirin 9000. Die High-End-Cores lieferten rund 8 Prozent mehr Leistung als bei dem im Mate 40 Pro zuletzt verbauten älteren Chip von 2020.
Siehe auch:
Laut der vom US-Wirtschaftsdienst Bloomberg beauftragten Analyse, für die man das Smartphone zerlegt und das SoC von der Hauptplatine entfernt hat, wird der neue Kirin-Chip vom chinesischen Chipfertiger SMIC produziert. Die Fertigung erfolgt dem Bericht zufolge mit einer Strukturbreite von sieben Nanometern, wobei derzeit noch geprüft wird, ob SMIC dafür eine modernere Variante seiner Fertigungstechnologie namens "N+2" mit integriertem SRAM-Cache nutzt.
Wie viele Kirin 9000S kann SMIC für Huawei fertigen?
Nach Meinung der Analysten stellen sich neben der Strukturbreite und Fertigungsmethode derzeit einige Fragen, die durch den überraschenden und unerwarteten Launch des Huawei Mate 60 Pro ausgelöst wurden. So ist offen, ob SMIC und Huawei in der Lage sind, den Kirin 9000S in größeren Stückzahlen zu fertigen und wie hoch die Ausbeute dabei ist.Um noch geringere Strukturbreiten zu erreichen, müsste SMIC wieder auf westliches Equipment zurückgreifen, was in Folge des US-Embargos aber nicht möglich ist. Aktuell nutzt der Chipfertiger wohl noch Anlagen, die vor dem Inkrafttreten des Embargos ins Land kamen. Bei nicht chinesischen Konkurrenten wie TSMC und Samsung wird aktuell mit vier Nanometern Strukturbreite produziert, wobei mit dem Launch der neuen iPhone-15-Serie in der nächsten Woche auch schon 3nm-Chips auf breiter Front Einzug halten sollen.
Dass die chinesische Regierung und ihre Medien den Launch des Mate 60 Pro frenetisch als Sieg über das US-Embargo feiern, überrascht unterdessen nicht. Inwiefern die staatliche Propaganda allerdings darüber hinwegtäuschen kann, dass man nach wie vor einige Chipgenerationen hinterher hängt, bleibt abzuwarten. Abzuwarten bleibt auch, ob SMIC nun tatsächlich größere Stückzahlen seiner 7nm-Chips bauen kann.
Erster mobiler ARM-Chip mit Hyperthreading
Der Kirin 9000S stammt unterdessen von einer Huawei-eigenen Chip-Entwicklungssparte, die das Unternehmen vor einigen Jahren in Folge des US-Embargos zumindest offiziell aufgegeben hatte. Das HiSilicon-Team scheint aber in einem kleineren Maßstab und hinter verschlossenen Türen durchaus weiter aktiv gewesen zu sein.Der CPU-Teil des Chips soll laut Analysen aus China eine Kombination aus vier energieeffizienten ARM Cortex-A510-Kernen und vier weiteren "Taishan"-Kernen mit jeweils 3x 2,15 und 1x 2,62 Gigahertz Taktrate bestehen. Die letztgenannten Kerne nutzen eine stark angepasste ARM-Architektur, die ihren Ursprung in Huaweis schon seit mehreren Jahren verfügbaren "Kunpeng"-Plattformen für ARM-basierte Server hat.
Probleme bei der Energieeffizienz deuten sich an
Eine große Besonderheit ergibt sich durch die Verwandtschaft mit der Server-CPU: Der Kirin 9000S bietet bei den High-End-Cores anscheinend erstmals in einem Smartphone-SoC Hyperthreading, wie man es vor allem von x86-CPUs von Intel kennt. Bei den Tests in China deutete sich außerdem an, dass die Fertigung bei SMIC möglicherweise nicht ganz so energieeffiziente Chips hervorbringt wie bei der Konkurrenz.So lässt Huawei seinen Kirin 9000S im Mate 60 Pro wohl nicht ohne Grund mit relativ geringen Taktraten der High-End-Cores laufen, weil sonst die Leistungsaufnahme zu stark steigt, heißt es unter anderem beim YouTuber Geekerwan, der sich sehr ausführlich mit dem neuen Huawei-Chip beschäftigt hat. Zumindest bei den Low-End-Kernen und deren geringerer Taktrate scheint es keine großen Unterschiede zu Chips wie dem Snapdragon 8 Gen 1 zu geben.
Generell bewegt sich Huawei mit dem Kirin 9000S offensichtlich auf dem Niveau älterer High-End-SoCs von Qualcomm bzw. aktueller Mittelklasse-Chips von MediaTek. Die Performance im Benchmark Geekbench 5 lag bei den Stromsparkernen gleichauf mit dem alten Kirin 9000. Die High-End-Cores lieferten rund 8 Prozent mehr Leistung als bei dem im Mate 40 Pro zuletzt verbauten älteren Chip von 2020.
Zusammenfassung
- Huawei hat einen Weg gefunden, relativ moderne CPUs mit 5G zu bauen.
- Huawei Mate 60 Pro verwendet den Chip Huawei HiSilicon Kirin 9000S.
- Die Fertigung des Chips erfolgt mit einer Strukturbreite von 7 nm.
- Unklar, ob SMIC und Huawei größere Stückzahlen produzieren können.
- Kirin 9000S stammt von Huawei-eigener Chip-Entwicklungssparte.
- Vier energieeffiziente Cortex-A510 und vier Taishan High-End-Kerne.
- Niveau aktueller Mittelklasse-Chips.
Siehe auch:
- Huawei baut heimlich mehrere Chipfabriken gegen das Embargo
- Faeser: Huawei muss um jeden Preis raus aus deutschen 5G-Netzen
- Huawei soll noch 2023 Smartphones mit eigenen neuen 5G-Chips planen
- Huawei bald wieder mit 5G-Smartphones? Nein, sagt Huawei
- Apple vs. Huawei: Vision Pro könnte in China einen Rechtsstreit auslösen
Thema:
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