Neun von zehn Retro-Spielen sind heute vom "Aussterben" bedroht

Heutzutage sind alle PC- und Videospiele allesamt digital verfügbar, doch das war natürlich nicht immer so. Vor gut einem Jahrzehnt waren Spiele auf vergänglichen Datenträgern und das stellt Historiker vor ein Problem: Denn viele Titel laufen Gefahr, für immer verschollen zu sein. Es mag widersprüchlich klingen, dass man bei einem digitalen Medium wie Games davon sprechen kann, dass viele Vertreter vom Verschwinden bedroht sind, tatsächlich besteht diese Gefahr aber und ist auch größer als man glauben könnte. Das liegt vor allem an der Art der Datenträger, die in den Anfangstagen des Gamings verwendet wurden.

Das betrifft beispielsweise Cartridges, wie sie früher bei Konsolen üblich waren. Denn Cartridges sind nicht für die Ewigkeit gemacht, da in diesen Modulen eine Batterie dafür sorgt, dass die Daten gespeichert bleiben. (Anmerkung bzw. Nachtrag - Danke an WinFuture-Leser @ThreeM für den Hinweis: In der Regel gehen hier nur Speicherdaten verloren, im Fall von etwa EPROMs sind aber auch wichtige Daten bzw. Code gefährdet). Doch diese Knopfzellen - und damit auch die Datenträger - haben nur eine Lebensdauer von etwa bzw. bis zu 15 Jahren. Ein Tausch dieser Batterie ist zwar möglich (iFixit zeigt das u. a. am Beispiel Gameboy), war aber von Haus aus nicht vorgesehen.

Super Mario und Co. sind nicht das Problem

Dabei sind Retro-Spiele wie die Pokémon-Titel die Ausnahme, denn diese haben eine große Anhängerschaft, die keine Kosten und Mühen scheut, diese am Leben zu erhalten. Laut einer gemeinsamen Studie der Video Game History Foundation (VGHF) und des Software Preservation Network (via Kotaku) sind jedoch 87 Prozent aller klassischen Games vom Verschwinden bedroht.


"Klassisch" meint in diesem Fall alle Spiele, die vor dem Jahr 2010 veröffentlicht worden sind, da in diesem Jahr die digitale Spieldistribution den faktischen Durchbruch gefeiert hat. Bedroht sind vor allem Titel, die man Nischen und der Kategorie Sammlerstück zuordnen kann - als Beispiel wird das PlayStation 2-Spiel Yakuza (2006) genannt. Das wurde zwar 2016 als Yakuza Kiwami neu aufgelegt, das ist aber ein vollständiges Remake, das mit der Vorlage nicht zwangsläufig etwas zu tun hat - und sollte als eigenständiger Titel geführt werden.

Mit Aussterben bzw. Verfügbarkeit ist übrigens nicht der Privatbesitz gemeint, es geht hier in erster Linie um allgemeine Verfügbarkeit wie in einem Museum oder einer öffentlichen Bibliothek. "Um an fast neun von zehn Spieleklassikern zu kommen, gibt es nur wenige Möglichkeiten: Alte Sammlerstücke und Hardware suchen und pflegen, quer durchs Land reisen, um eine Bibliothek zu besuchen, oder ... Piraterie", schreibt VGHF-Co-Direktor Kelsey Lewin. "Keine dieser Möglichkeiten ist erstrebenswert, was bedeutet, dass die meisten Videospiele für alle außer den eingefleischtesten Fans unzugänglich sind. Das ist ziemlich düster!"

Das Problem sind hier natürlich in erster Linie die Urheberrechtsgesetze und der Umstand, dass Publisher und deren Interessensvertretungen nicht an einer allgemeinen und öffentlichen Archivierung interessiert sind. Dabei sind nicht Super Mario und Co. das Problem, da populäre Titel digitalisiert und nach wie vor verkauft werden.

Lewin: "Mario ist weiterhin verfügbar, denn Nintendo wird weiterhin Mario verkaufen. Aber für jedes verfügbare Mario gibt es neun andere Spiele, von denen man vielleicht noch nie gehört hat und die vielleicht noch nicht einmal historisch bedeutsam sind - oder von denen wir noch nichts wissen, sollte ich sagen -, die aber für die Forschung sehr interessant sein könnten."

Zusammenfassung
  • Historiker stehen vor Problem: Viele Games drohen für immer zu verschwinden.
  • Datenträger wie Cartridges haben nur begrenzte Lebensdauer.
  • 87% aller "Klassiker" (vor 2010) bedroht.
  • Sammlerstücke und Nischen-Titel besonders gefährdet.
  • Urheberrechte und Publisher-Interessen verhindern Archivierung.
  • Populäre Titel digitalisiert und weiterhin verfügbar.

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