"Nie realistisch":
Größtes Fusionsexperiment der Welt hat Probleme

Seit Ende letzten Jahres hat ITER, das größte Fu­si­ons­ex­pe­ri­ment der Welt, einen neuen Chef. Der hält jetzt kein Blatt vor den Mund. Der Zeit­plan, den seine Vorgänger ver­kün­det hat­ten, war dem­nach nie zu schaf­fen. Zwei gro­ße Pro­ble­me wer­den für Jahre Ver­zö­ge­rung sorgen.

Der neue Chef bekommt von seinen Vorgängern ein schweres Erbe

Der International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) repräsentiert die Hoffnung einer internationalen Gruppe an Ländern, Kernfusion in der größten Versuchsanlage dieser Art endlich beherrschbar zu machen. Das wichtigste Datum, das bisher kommuniziert worden war: 2025 sollte der Reaktor das erste Mal Plasma erzeugen und damit zeigen, dass die zugrundeliegenden Prinzipien und Konstruktionen funktionieren. Seit September 2022 darf Pietro Barabaschi als neuer Chef des Projekts auf dieses Ziel zusteuern. Wie er jetzt gegenüber der französischen Presseagentur AFP (via Phys) erläutert, haben ihm seine Vorgänger große Probleme hinterlassen. IterITER: Trotz Fortschritt Jahre hinter dem Zeitplan Verschiebungen sind bei ITER mehr Norm als Ausnahme, trotzdem war bisher weiterhin die wichtige erste Zündung im Jahr 2025 als großes Datum kommuniziert worden. Barabaschi kommt jetzt die Aufgabe zu, diesem Zeitplan ganz klar eine Absage zu erteilen. Der neue ITER-Chef kann sich dabei einen Seitenhieb an seine Vorgänger aber nicht verkneifen: "Das Datum war von vornherein nie realistisch." Außerdem komme erschwerend hinzu, dass das Team beim Aufbau zwei gravierende Fehler entdeckt hat.


Viele Jahre Verschiebung

Die Probleme, über die Barabaschi jetzt berichtet, zeigen einmal mehr, dass eine der komplexesten Aufgaben des Experiments wohl die Koordination der internationalen Partner bleibt. Die Bauteile werden in den Teilnehmerländern konstruiert und an den Aufbauort in Frankreich gebracht, die Konstruktionen müssen teilweise Jahre zuvor aufeinander abgestimmt werden.

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Ein Problem, das jetzt beim Aufbau der 19 mal 11 Meter großen Kammer aufgefallen war: Die Blöcke, an denen die Bauteile zusammengeschweißt werden sollten, haben nicht die richtige Größe. Ebenso gravierend: Am Hitzeschild, das Bauteil, das die Außenwelt vor der enormen Hitze der Kernfusion schützt, wurden Korrosionsspuren entdeckt. Und so bleibt Barabaschi nur eines zu verkünden: "Die Behebung der Probleme ist keine Frage von Wochen, sondern von Monaten oder gar Jahren."

Bis Ende des Jahres soll jetzt ein neuer Zeitplan für ITER ausgearbeitet werden, Barabaschi hat zudem angekündigt, dass die Verzögerung natürlich auch wieder Anpassungen des Budgets nötig macht. An einem Datum hält aber auch der neue Chef fest: 2035 soll ITER in den "vollen Betrieb" übergehen. Man darf gespannt sein.

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