China soll schon stillschweigend zwei Exascale-Supercomputer betreiben

Die chinesische Supercomputing-Entwicklung soll unbemerkt von der Weltöffentlichkeit bereits den Sprung in das Exascale-Zeitalter geschafft haben. Bereits zwei Rechner bieten bereits seit Monaten Leistungen über der Marke von einem Exaflops.
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Für gewöhnlich wetteifern die unterschiedlichen Länder um die führende Position in der Top500-Liste der weltweit schnellsten Supercomputer. China soll hier allerdings seine zwei neuesten und leistungsfähigsten Maschinen überhaupt nicht angemeldet haben - und dies, obwohl zumindest eine von ihnen bereits im letzten März in Betrieb genommen worden sein soll, wie aus einem Bericht des Magazins TheNextPlatform hervorgeht, der sich auf anonyme Quellen beruft.

Demnach habe im März ein LINPACK-Benchmarktest auf einem System namens Sunway Oceanlite stattgefunden. Dieser ergab demnach eine Peak-Performance von 1,3 Exaflops und dauerhaft sollen hier 1,05 Exaflops geschafft werden. Der Energiebedarf liegt dem Vernehmen nach bei Arbeit unter voller Last bei rund 35 Megawatt. Oceanlite sei ein Nachfolger des Sunway TaihuLight, der aktuell noch auf Rang 4 der Top500-Liste rangiert. Zum Vergleich: Der aktuelle Spitzenreiter in der offiziellen Liste, der japanische Fugaku, kommt auf 537/442 Petaflops und benötigt unter Vollast knapp 30 Megawatt.

Das Sunway-System setzt dabei wie der Vorgänger auf RISC-Prozessoren, die in Eigenregie vom Shanghai High Performance IC Design Center entwickelt wurden. Die neuere Version der Prozessoren soll dabei vor allem durch eine Verdoppelung der Recheneinheiten und durch Vector-Kerne mit höherer Bandbreite die Performance ordentlich erhöhen.

ARM statt Xeon

Und auch die zweite Maschine ist ein Nachfolger eines alten Bekannten - des Tianhe-2A. Dieser arbeitet noch mit Xeon-Prozessoren von Intel. Der neue Tianhe-3 muss auf diese allerdings verzichten, da sie aufgrund des Embargos der US-Regierung nicht in ausreichender Menge sicher beschafft werden können. Daher entwickelte der chinesische Halbleiter-Produzent Phytium neue ARM-basierte Prozessoren für dieses System. Deren Spezifikationen sind nicht bekannt, wahrscheinlich griff man hier aber auf die FTC663-Designs zurück, die zu SoCs mit 64 Kernen zusammengefasst wurden. Im LINPACK-Benchmark soll das System auf ähnliche Werte kommen, wie der oben beschriebene Supercomputer.

Sollten sich die Informationen als wahr herausstellen, hätte China der westlichen Konkurrenz inzwischen ordentlich etwas voraus. Denn aktuell gilt eigentlich die USA als wahrscheinlichster Kandidat zur Vorstellung des ersten Exascale-Systems. Dieses wird allerdings voraussichtlich erst im kommenden Jahr betriebsbereit sein. Dann hätten sich die Investitionen Chinas in eine unabhängige Halbleiter-Entwicklung insofern ausgezahlt, als man den USA hier um ein gutes Jahr voraus wäre.

Exascale-Rechner werden von diversen Nutzergruppen sehnlichst erwartet - insbesondere natürlich von der Wissenschaft. Denn mit ihnen werden sich erstmals Probleme lösen lassen, die derzeit selbst mit den besten Maschinen nicht zu bewältigen sind. Dies betrifft beispielsweise die Synthese organischer Moleküle oder auch die Simulation von Klimamodellen mit hohen Auflösungen.

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