Web funktioniert nicht für Frauen: WWW-Erfinder Berners-Lee mahnt

WWW, Tim Berners-Lee, World Wide Web Bildquelle: Paul Clarke/CC-BY-SA 4.0
Der Zugang zum Netz und dessen Nutzung ist nicht für alle gleichbe­rech­tigt möglich, mahnt der Web-Erfinder Tim Berners-Lee. Gerade für Frauen gibt es im Zusammenhang mit dem Internet viele Hürden zu überwinden. Es gibt aber Wege aus der Netz-Diskriminierung.

Für Frauen ist das Netz oft nicht gleichberechtigt nutzbar

In entwickelten Industrieländern scheint der Zugang zum Internet fast schon eine Selbst­ver­ständ­lichkeit. Wie der World-Wide-Web-Erfinder Tim Berners-Lee jetzt aber mahnt, sei die Vision des "Internet für jeden" aktuell vor allem in Bezug auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern noch in weiter Ferne. "Das Web funktioniert nicht für Frauen und Mädchen", so Berners-Lee in einem Beitrag. Zwar habe die Welt in Sachen Gleichbe­rech­ti­gung klare Fortschritte gemacht, "ich bin jedoch sehr besorgt darüber, dass Gefahren im Netz, denen Frauen und Mädchen - insbesondere farbige, von LGBTQ + -Gemeinschaften und anderen marginalisierten Gruppen ausgesetzt sind - diesen Fortschritt bedrohen", mahnt Berners-Lee. Infografik: Fördert Social Media die Ungleichheit der Geschlechter? Fördert Social Media die Ungleichheit der Geschlechter? Der WWW-Erfinder sieht vor allem drei Hürden, die für Frauen eine gleichberechtigte Nutzung des Web erschweren oder verhindern:

Männer sind nach wie vor 21% häufiger online als Frauen, dieser Wert steigt in den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt auf 52%. "Diese Lücke verstärkt bestehende Ungleichheiten und verhindert, dass Millionen das Internet nutzen, um zu lernen, Geld zu verdienen und sich Gehör zu verschaffen."

Für Frauen, die online sind, ist das Netz kein sicherer Ort. Befragungen zeigen, dass über die Hälfte der jungen Frauen im Netz bereits Gewalt erlebt haben - dazu zählt sexuelle Belästigung, Drohungen und das Teilen von privaten Bildern ohne Zustimmung. 84 Prozent der Frauen glauben, dass sich das Problem verschlimmert. "Diese nicht nachlassende Belästigung bringt Frauen zum Schweigen und beraubt die Welt ihrer Meinungen und Ideen."

KI-Systeme werden immer häufiger genutzt, um Einschätzungen vorzunehmen und "Mög­lich­keiten zu definieren". Aber zu oft re­pro­du­zieren Algorithmen bestehende U­ngleich­hei­ten - beispielsweise hatte 2018 ein Be­wer­bungs­tool Frauen systematisch benachteiligt, weil es mit historischen Daten gefüttert worden war, in denen vor allem Männer die Stellen besetzt hatten. "Wenn keine Ressourcen ein­ge­setzt werden (...) um solche Verzerrungen abzumildern, besteht das Risiko, die Diskrimi­nie­rung mit einer Geschwindigkeit und einem Ausmaß auszuweiten, wie nie zuvor."

Politisches und wirtschaftliches Handeln erforderlich

Berners-Lee sieht zur Lösung dieser weitreichenden Probleme dringenden Handlungsbedarf in allen Bereichen der Gesellschaft:

  • 2020 muss das Jahr sein, in dem Regierungen und Unternehmen Diskriminierung im Netz gegen Frauen als oberste Priorität angehen
  • Unternehmen und Regierungen müssen die Datenlücke im Zusammenhang mit Online-Gewalt beseitigen, indem sie systematisch Daten darüber aufzeichnen und veröffentlichen, was Frauen online erleben
  • Regierungen und Unternehmen müssen alle Produkte, Richtlinien und Dienstleistungen auf der Grundlage von Daten und Rückmeldungen von Frauen aller Herkunft erstellen
  • Regierungen müssen Gesetze entwickeln, die die Täter geschlechtsspezifischer Online-Gewalt zur Rechenschaft ziehen
  • Zu guter Letzt liege es an allen Benutzern, bei Gewalt und Diskriminierung von Frauen im Netz die Stimme zu erheben

WWW, Tim Berners-Lee, World Wide Web WWW, Tim Berners-Lee, World Wide Web Paul Clarke/CC-BY-SA 4.0
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