32C3: Kinderschutz-Software der Telekom wird scharf kritisiert

Die Kinderschutzsoftware der Telekom muss bei dem Chaos Computer Club Kongress 32C3 scharfe Kritik einstecken. Demnach sollen rechtswidrig ohne Wissen der Nutzer persönliche Daten ins Ausland übertragen werden. Das ganze System müsse "sofort vom Markt".
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Notlösung mit Alibi-Funktion

Der Kommunikationsdesigner, IT-Berater und Aktivist Alvar Freude hat beim 32C3 eine Analyse präsentiert, die ein schlechtes Licht auf die Kinderschutz-Software wirft, die von der Telekom angeboten wird. Wie Freude laut heise am Montag erläuterte, enthalte das Programm eine Funktion, die dafür sorgt, dass bei jedem Systemstart und einem anschließenden Ausführen der "Kinderschutz-Software" neben der IP-Adresse auch die Mac-Adresse übertragen wird.

Empfänger der sensiblen Daten ist demnach eine IBM-Tocherfirma im Ausland, da das Programm ursprünglich von dem IT-Konzern entwickelt worden sei. Für Alvar Freude handelt es sich bei dieser Übertragung klar um einen rechtswidrigen Transfer von personenbezogenen Daten. Laut seiner Meinung sollte die Telekom die Software deshalb nicht länger anbieten, sie müsse "sofort vom Markt" genommen werden.

Neben der Übertragung von personenbezogenen Daten gäbe es noch weitere bedenkliche Funktionen. So sei das Programm offenbar auch darauf ausgelegt, das Surfverhalten der Nutzer - in diesem Fall also Kinder - detailliert aufzuzeichnen. Seiner Erkenntnis nach werde eine verschlüsselte Liste aufgerufener Webinhalte an einen Server der Telekom übertragen. Der Experte räumt hier ein, dass der entsprechende Binärblock noch einer genaueren Analyse bedarf. Er könne aber feststellen, dass sich der entsprechende Code bei aufgerufenen URLs verlängert.

Empfohlen von Jugendschutzexperten

In Hinblick auf dieses schlechte Urteil besonders interessant: Die Kinderschutzsoftware der Telekom ist eines von wenigen Filterprogrammen dieser Art, das von der zuständigen Kontrollbehörde, der Kommission für Jugendmedienschutz, offiziell anerkannt wurde. Laut der Analyse Freudes, seien aber alle von der Behörde empfohlenen Filterprogramme "furchtbar schlecht" und würden nur "Notlösungen" darstellen, die die Porno-Industrie als "Alibi" nutze. Ebenso wenig effektiv seien Systeme zur Alterseinstufung. Die über die Jahre hinweg entwickelten verschiedenen technischen Verfahren seien allesamt gescheitert.
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