Emirates düpiert Boeing: Flugzeuge taugen nur noch als Konservendosen

Flugzeugbauer Boeing gerät erneut unter Druck. Nach jahrelangen Verzögerungen bei der 777-Reihe aufgrund von Mängeln verweigert Großkunde Emirates nun die Abnahme der ersten Maschinen. Ein praktisch fertiggestelltes Flugzeug wurde sogar verschrottet.
Logo, Flugzeug, Boeing, Rost

Boeing verschrottet 'brandneue' 777-9

Schon seit geraumer Zeit steckt Boeing in der Krise. Ende 2024 hatte man jeden zehnten Mitarbeiter entlassen. Im Jahr darauf folgte dann der katastrophale Starliner-Flug, der dem Konzern scharfe Kritik von der NASA einbrachte. Jetzt hat der US-Flugzeugbauer von einem seiner größten Kunden eine weitere Breitseite bekommen. Dabei geht es jedoch wieder um klassische Flugzeuge, die mit enormen Problemen kämpfen.

So bereitet Boeing das Langstreckenflugzeug 777-9 massive Probleme. Bereits im Sommer 2025 ließ der Hersteller in Everett im Bundesstaat Washington ein mehr oder weniger vollständig montiertes Exemplar verschrotten, ohne dass das Flugzeug jemals in der Luft war.


Bei der zerstörten Maschine handelte es sich um das siebte jemals gebaute Modell mit der internen Kennung WH007. Das fast 77 Meter lange und quasi 'fabrikfrische' Flugzeug stand aufgrund von Mängeln allerdings schon sechs Jahre lang ungenutzt auf dem Rollfeld. Da die riesigen Triebwerke vom Typ GE9X noch fehlten, hingen schwere Betongewichte an den Tragflächen, um die Struktur vor Windschäden zu bewahren. Die Flügelspitzen trugen allerdings schon die Farben von Besteller Emirates.

Harte Kritik von Großkunde Emirates

Der Unmut bei der Airline über Verzögerungen bei der Auslieferung der 777-9-Modelle ist enorm. Wie Tim Clark, Präsident von Emirates, gegenüber The Telegraph erklärte, werde man die ersten zehn produzierten Maschinen auf keinen Fall abnehmen. Die Flugzeuge benötigten aufgrund ihres mittlerweile schon fortgeschrittenen Alters derart viele nachträgliche Modifikationen, dass ein wirtschaftlicher und sicherer Betrieb fraglich sei. Das Risiko ist der Fluggesellschaft demnach zu hoch. Clark merkte spöttisch an, das Metall der Flugzeuge tauge eventuell noch für Baked-Beans-Dosen von Lebensmittelhersteller Heinz.

Ursprünglich sollte die 777-9 bereits im Jahr 2020 in den regulären Linienbetrieb gehen. Konstruktionsfehler, ein Riss bei einem statischen Belastungstest am Rumpf und verschärfte behördliche Kontrollen nach den fatalen Abstürzen der 737 Max führten jedoch zu jahrelangen Verzögerungen. Ingenieure müssen nun Dutzende bereits fertiggestellte Maschinen aufwendig umrüsten.

Finanzielle Folgen für Boeing

Stephanie Pope, Leiterin der zivilen Luftfahrtsparte bei Boeing, bestätigte die Verschrottung des Flugzeugs. Die Maßnahme sei aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt, da eine Nachrüstung des frühen Modells zu komplex und teuer gewesen wäre. Die finanziellen Einbußen sind erheblich. Emirates hatte die Maschinen zu einem Stückpreis von rund 440 Millionen Dollar (etwa 386 Millionen Euro) bestellt.

Trotz der Rückschläge bietet die 777-9 auf dem Papier solide Leistungsdaten. Bei einer Zwei-Klassen-Bestuhlung fasst das Flugzeug bis zu 414 Passagiere und erreicht eine Reichweite von 14.820 Kilometern. Das maximale Startgewicht liegt bei 351 Tonnen. Die enorme Flügelspannweite erfordert einklappbare Enden für Standard-Gates. Die erste reguläre Auslieferung an Kunden wird mittlerweile jedoch frühestens für Ende 2027 erwartet.

Was haltet ihr von Boeings Entscheidung, neue Flugzeuge zu verschrotten? Glaubt ihr, der Konzern löst seine Probleme bald? Teilt eure Meinung in den Kommentaren.

Zusammenfassung
  • Boeing verschrotte eine 'fabrikfrische' 777-9 wegen hoher Mängel
  • Das Flugzeug mit der Kennung WH007 stand sechs Jahre lang ungenutzt
  • Großkunde Emirates verweigert die Abnahme der ersten zehn Maschinen
  • Nachträgliche Umbauten wären komplex und wirtschaftlich nicht sinvoll
  • Die Auslieferung der Baureihe verzögert sich nun bis Ende 2027

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