Japaner drängten einst auf Anime-Lara Croft, zum Glück erfolglos

Lara Croft ist weltweit als Ikone bekannt, doch der japanische Publisher forderte einst eine radikale Änderung. Kurz vor Release sollte die Heldin ein Anime-Redesign mit großen Augen erhalten, was die Entwickler vehement ablehnten.
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Core/Eidos

Japan wollte Anime-Lara

Auch drei Jahrzehnte nach der Veröffentlichung des ersten Tomb Raider kommen neue Details über die turbulente Entwicklung ans Licht. Paul Douglas, Co-Schöpfer und Programmierer bei Core Design, bestätigte kürzlich auf der Social-Media-Plattform Bluesky, dass der damalige japanische Publisher Victor Interactive Software das Team massiv unter Druck setzte.

Das Ziel war eine grundlegende Überarbeitung der Protagonistin Lara Croft, um sie für den japanischen Markt attraktiver zu gestalten. Konkret wünschte sich der Publisher ein Manga-Redesign mit deutlich vergrößerten Augen und einem größeren Kopf, um lokalen Sehgewohnheiten zu entsprechen.
Lara Croft in Anime-OptikDie Designwünsche aus Japan ... Lara Croft in Anime-Optik... blieben unberücksichtigt
Die Anfrage erreichte das britische Entwicklerstudio zu einem kritischen Zeitpunkt, nämlich spät in der Entwicklungsphase. Laut Douglas faxte der Publisher eigene Designentwürfe nach Derby, da dort die Befürchtung herrschte, das westliche Charakterdesign würde in Japan nicht gut ankommen. Toby Gard, der maßgebliche Designer hinter Lara Croft, lehnte diese Eingriffe jedoch strikt ab. Douglas erklärte, dass Victor Interactive vermutlich davon ausging, das Ändern von 3D-Modellen würde nur wenige Tage in Anspruch nehmen, was allerdings eine Fehleinschätzung in den Anfangstagen der 3D-Technologie war.

Harter Kampf um das Design

Die Forderungen des Publishers wurden dabei schrittweise reduziert, wie Douglas ausführte. Zunächst sollte das gesamte Spiel inklusive aller Zwischensequenzen angepasst werden. Als das abgelehnt wurde, beschränkte sich die Anfrage auf die In-Game-Modelle, dann nur auf Lara und schlussendlich nur auf ihren Kopf. Wie GamesRadar berichtet, zeigt dieser Vorgang exemplarisch, wie stark sich die westlichen und östlichen Designphilosophien in der 32-Bit-Ära unterschieden. Core Design blieb jedoch hartnäckig bei der Weigerung, die Spieldateien selbst anzufassen, um die künstlerische Vision von Gard nicht zu verwässern.

Ein Kompromiss musste dennoch her, um die Geschäftsbeziehung nicht zu gefährden. In der PlayStation-Ära war es durchaus üblich, dass westliche Maskottchen optisch entschärft wurden. Ein prominentes Beispiel ist Crash Bandicoot: Für den japanischen Markt erhielt der Beuteldachs nicht nur größere Augen und eine freundlichere Mimik, sondern auch fünf statt vier Finger, da vier Finger in Japan historisch mit der Yakuza und rituellem Fingerabscheiden assoziiert werden konnten. Auch Spyro the Dragon wurde für Japan "niedlicher" gestaltet.

Im Fall von Tomb Raider einigte man sich darauf, die Spielinhalte unangetastet zu lassen, aber die japanischen Handbücher und Strategieführer mit den Manga-artigen Illustrationen zu versehen.

Zukunft der Marke

Diese Anekdoten aus der Vergangenheit gewinnen an Relevanz, da das Franchise aktuell vor einer großen Neuausrichtung steht. Fans warten derzeit auf das Remake Tomb Raider: Legacy of Atlantis, das 2026 erscheinen soll. Zudem arbeitet Crystal Dynamics an einem neuen Hauptteil namens Tomb Raider: Catalyst, der für 2027 geplant ist.


Parallel dazu produziert Amazon eine Live-Action-Serie mit Game of Thrones-Star Sophie Turner, die das Universum weiter ausbauen soll. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese modernen Interpretationen weltweit einheitlich präsentieren oder ob regionale Anpassungen auch heute noch ein Thema sind.

Hättet ihr ein Spiel mit einer Manga-Lara damals gespielt oder war das westliche Design der Schlüssel zum Erfolg? Wir sind gespannt auf eure Meinung in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Japanischer Publisher forderte 1996 Anime-Redesign für Lara Croft
  • Entwicklerteam Core Design lehnte Änderung an 3D-Modellen strikt ab
  • Kompromisslösung: Manga-Illustrationen nur für japanische Handbücher
  • Victor Interactive faxte Designänderungsvorschläge kurz vor Release
  • Regionale Designanpassungen waren in der PlayStation-Ära verbreitet
  • Tomb Raider: Legacy of Atlantis und Catalyst für 2026 und 2027 geplant
  • Amazon produziert Live-Action-Serie mit Sophie Turner als Lara Croft

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