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Das sind die Reaktionen auf die DSL-Abschaltungs-Ankündigung
Kupfer vor dem Aus, Glasfaser im Fokus: Das neue Konzept der Bundesnetzagentur sorgt in der Telekommunikationsbranche für Zustimmung und für neue Kritik. Wettbewerber begrüßen den geplanten DSL-Ausstieg, warnen aber vor einer Pflicht zum Open Access mit der Telekom.
Grundsätzlich stößt das Konzept der Bundesnetzagentur auf viel Zustimmung. Positiv bewertet werden vor allem der geplante, regelbasierte Übergang von Kupfer- zu Glasfasernetzen sowie ein verbindlicher Zeitrahmen für die Migration. Gleichzeitig äußern die Wettbewerber der Deutschen Telekom jedoch deutliche Vorbehalte, insbesondere gegenüber einer möglichen Pflicht zum sogenannten Open Access mit der Telekom.
Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) sieht in dem neuen Regulierungskonzept einen klaren Fortschritt gegenüber früheren Entwürfen. Geschäftsführer Stephan Albers begrüßt den diskriminierungsfreien Ansatz und hält die vorgesehene Frist von drei Jahren zwischen Ankündigung und Abschaltung eines lokalen Kupfernetzes für angemessen.
Kritik äußert der Verband jedoch an der von der Bundesnetzagentur ins Spiel gebrachten Schwelle von 80 Prozent Glasfaseranschlüssen bis in die Wohnungen, ab der Abschaltungen eingeleitet werden könnten. Diese Marke sei zu hoch angesetzt und würde den Technologiewechsel verzögern. Realistischer sei eine Orientierung an "Homes Passed", also an Gebäuden, an denen Glasfaser bereits vorbeiführt.
Der ANGA-Verband betont zudem, dass der Umstieg von Kupfer auf Glasfaser entscheidend für die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sei. Der Wechsel müsse jedoch diskriminierungsfrei erfolgen, ohne Wettbewerber gegenüber der Telekom zu benachteiligen. Gleichzeitig dürften Investitionsanreize nicht durch zu starre Vorgaben gefährdet werden.
Einigkeit besteht darin, dass der Kupferausstieg kommen muss. Strittig bleibt jedoch, wie verbindlich Open-Access-Regelungen ausgestaltet werden und ab welchem Ausbaugrad Abschaltungen zulässig sein sollen. Die Bundesnetzagentur will das Konzept weiter konkretisieren.
Wie streng sollte der Wechsel zu Glasfaser geregelt werden - und braucht es am Ende mehr Wettbewerb oder mehr Kooperation? Die Diskussion ist eröffnet.
Siehe auch:
Dieser Artikel ist ein Ableger von "Zwangswechsel" auf Glasfaser: Das ist das Bundesnetzagentur-Konzept
Branchenverbände reagieren
Nach der Vorstellung des neuen Konzepts der Bundesnetzagentur zum schrittweisen Wechsel von Kupfer- auf Glasfasernetze haben sich mehrere Branchenverbände bei unserer Redaktion gemeldet. Anlass war der Bericht über die geplante Abschaltung von DSL-Anschlüssen und die künftige Ausgestaltung des Wettbewerbs im Festnetz.Grundsätzlich stößt das Konzept der Bundesnetzagentur auf viel Zustimmung. Positiv bewertet werden vor allem der geplante, regelbasierte Übergang von Kupfer- zu Glasfasernetzen sowie ein verbindlicher Zeitrahmen für die Migration. Gleichzeitig äußern die Wettbewerber der Deutschen Telekom jedoch deutliche Vorbehalte, insbesondere gegenüber einer möglichen Pflicht zum sogenannten Open Access mit der Telekom.
Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) sieht in dem neuen Regulierungskonzept einen klaren Fortschritt gegenüber früheren Entwürfen. Geschäftsführer Stephan Albers begrüßt den diskriminierungsfreien Ansatz und hält die vorgesehene Frist von drei Jahren zwischen Ankündigung und Abschaltung eines lokalen Kupfernetzes für angemessen.
Kritik äußert der Verband jedoch an der von der Bundesnetzagentur ins Spiel gebrachten Schwelle von 80 Prozent Glasfaseranschlüssen bis in die Wohnungen, ab der Abschaltungen eingeleitet werden könnten. Diese Marke sei zu hoch angesetzt und würde den Technologiewechsel verzögern. Realistischer sei eine Orientierung an "Homes Passed", also an Gebäuden, an denen Glasfaser bereits vorbeiführt.
Klare Zeitpläne
Auch der Verband der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt (VATM) bewertet das Konzept als wichtigen Schritt hin zu einer planbaren Kupferabschaltung. Nach Einschätzung von VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer schafft die Bundesnetzagentur damit erstmals klare Zeitpläne und Migrationsbedingungen. Positiv hebt der Verband hervor, dass künftig nicht allein die Telekom über Abschaltungen entscheiden soll, sondern auch Wettbewerber oder die Behörde selbst tätig werden können, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Zugleich fordert der VATM einen bundesweiten, transparenten Migrationsplan mit klar definierten Meilensteinen. Infografik: Welche Breitband-Provider in Deutschland beliebt sind
Das wird negativ bewertet
Scharfe Kritik kommt von allen drei Verbänden - BREKO, VATM und dem Breitbandverband ANGA - an einer möglichen Ausweitung der symmetrischen Regulierung. Gemeint ist eine Verpflichtung aller Netzbetreiber, der Telekom Open-Access-Zugänge zu ihren Glasfasernetzen einzuräumen. Eine solche Vorgabe würde nach Ansicht der Verbände Investitionen in den Glasfaserausbau bremsen. Open Access funktioniere bereits heute auf freiwilliger Basis, wie zahlreiche Kooperationsmodelle zeigten.Der ANGA-Verband betont zudem, dass der Umstieg von Kupfer auf Glasfaser entscheidend für die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sei. Der Wechsel müsse jedoch diskriminierungsfrei erfolgen, ohne Wettbewerber gegenüber der Telekom zu benachteiligen. Gleichzeitig dürften Investitionsanreize nicht durch zu starre Vorgaben gefährdet werden.
Einigkeit besteht darin, dass der Kupferausstieg kommen muss. Strittig bleibt jedoch, wie verbindlich Open-Access-Regelungen ausgestaltet werden und ab welchem Ausbaugrad Abschaltungen zulässig sein sollen. Die Bundesnetzagentur will das Konzept weiter konkretisieren.
Wie streng sollte der Wechsel zu Glasfaser geregelt werden - und braucht es am Ende mehr Wettbewerb oder mehr Kooperation? Die Diskussion ist eröffnet.
Wann wird mein DSL-Anschluss abgeschaltet?
Ein konkretes Datum für Ihren Anschluss gibt es bisher nicht. Laut aktuellen Schätzungen und Medienberichten dürften die ersten lokalen Abschaltungen frühestens im Jahr 2030 erfolgen. Der Prozess ist abhängig von neuen gesetzlichen Regelungen, die erst noch verabschiedet werden müssen.
Die Bundesnetzagentur plant jedoch einen "übergeordneten Migrationsplan" für Deutschland. Dieser soll Meilensteine sowie Start- und Endpunkte definieren. Bis dahin bleibt Ihr DSL-Anschluss bestehen, sofern in Ihrer Region die Voraussetzungen für eine Abschaltung noch nicht erfüllt sind.
Die Bundesnetzagentur plant jedoch einen "übergeordneten Migrationsplan" für Deutschland. Dieser soll Meilensteine sowie Start- und Endpunkte definieren. Bis dahin bleibt Ihr DSL-Anschluss bestehen, sofern in Ihrer Region die Voraussetzungen für eine Abschaltung noch nicht erfüllt sind.
Welche Voraussetzungen gelten für das Aus?
Die Bundesnetzagentur schlägt ein regelgebundenes Verfahren vor. Eine Abschaltung des Kupfernetzes in einem Gebiet soll erst eingeleitet werden können, wenn dort mindestens 80 Prozent der Haushalte und Unternehmen mit Glasfaser bis in die Wohnung (FTTH) versorgt sind.
Zudem muss ein geeignetes Vorleistungsangebot ("Open Access") existieren. Das bedeutet, dass der Betreiber des Glasfasernetzes - egal ob Telekom oder ein Wettbewerber - anderen Anbietern den diskriminierungsfreien Zugriff auf die Leitung gewähren muss. Erst wenn diese technische und wettbewerbliche Basis steht, darf das Kupfernetz weichen.
Zudem muss ein geeignetes Vorleistungsangebot ("Open Access") existieren. Das bedeutet, dass der Betreiber des Glasfasernetzes - egal ob Telekom oder ein Wettbewerber - anderen Anbietern den diskriminierungsfreien Zugriff auf die Leitung gewähren muss. Erst wenn diese technische und wettbewerbliche Basis steht, darf das Kupfernetz weichen.
Muss ich zwangsweise auf Glasfaser wechseln?
Faktisch ja, sobald das Kupfernetz in Ihrer Region abgeschaltet wird. Die Telekom bezeichnet dies kritisch als "Zwangsanbieterwechsel", während die Bundesnetzagentur von einem "zukunftsorientierten Internet-Upgrade" spricht. Ihr alter DSL-Vertrag wäre nach der Abschaltung technisch nicht mehr erfüllbar.
Für IT-Pros bedeutet dies, rechtzeitig die interne Infrastruktur zu prüfen. Da Glasfaser andere Endgeräte (ONT/Glasfasermodem) erfordert als DSL, sollten Sie sich frühzeitig mit der Umstellung befassen, um Ausfallzeiten beim unvermeidbaren Technologiewechsel zu verhindern.
Für IT-Pros bedeutet dies, rechtzeitig die interne Infrastruktur zu prüfen. Da Glasfaser andere Endgeräte (ONT/Glasfasermodem) erfordert als DSL, sollten Sie sich frühzeitig mit der Umstellung befassen, um Ausfallzeiten beim unvermeidbaren Technologiewechsel zu verhindern.
Kann ich meinen Anbieter behalten?
Das ist das Ziel des Regulierungskonzepts, aber nicht garantiert. Durch die "Open Access"-Pflicht sollen Sie auch auf dem Glasfasernetz eines anderen Betreibers (z. B. Deutsche Glasfaser oder lokale Stadtwerke) theoretisch einen Tarif der Telekom oder 1&1 buchen können.
Allerdings warnt die Telekom davor, dass Kunden zur Konkurrenz wechseln könnten, wenn sie selbst in einem Gebiet kein eigenes Glasfasernetz betreibt. Für Sie als Endanwender soll der Wettbewerb jedoch gesichert bleiben, sodass Sie nicht an den Netzbesitzer als Provider gebunden sind.
Allerdings warnt die Telekom davor, dass Kunden zur Konkurrenz wechseln könnten, wenn sie selbst in einem Gebiet kein eigenes Glasfasernetz betreibt. Für Sie als Endanwender soll der Wettbewerb jedoch gesichert bleiben, sodass Sie nicht an den Netzbesitzer als Provider gebunden sind.
Ist auch Kabel-Internet betroffen?
Nach aktuellem Stand des Konzepts der Bundesnetzagentur sind TV-Kabelnetze (Koaxialkabel, z. B. von Vodafone) nicht von der Zwangsmigration betroffen. Der Fokus liegt explizit auf der Ablösung der alten Kupfer-Doppelader (Telefonnetz).
Die Deutsche Telekom fordert jedoch, dass auch Kabelnetze in die Betrachtung einbezogen werden sollten, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Bisher sieht die Behörde das Koax-Netz eher als Indikator für vorhandenen Infrastrukturwettbewerb, plant aber keine Abschaltung dieser Technologie.
Die Deutsche Telekom fordert jedoch, dass auch Kabelnetze in die Betrachtung einbezogen werden sollten, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Bisher sieht die Behörde das Koax-Netz eher als Indikator für vorhandenen Infrastrukturwettbewerb, plant aber keine Abschaltung dieser Technologie.
Warum drängt die Behörde auf den Wechsel?
Der Parallelbetrieb von zwei Netzen (Kupfer und Glasfaser) ist volkswirtschaftlich ineffizient und bremst Investitionen. Investoren verdienen mit den neuen Glasfasernetzen derzeit weniger als geplant, da viele Kunden aus Gewohnheit beim langsameren, aber ausreichenden DSL bleiben.
Durch die angekündigte Abschaltung soll die Auslastung der Glasfasernetze ("Take-up-Rate") erhöht werden. Dies sichert die Rentabilität des teuren Ausbaus und beschleunigt die Digitalisierung Deutschlands hin zu Gigabit-Geschwindigkeiten, die mit alter Kupfertechnik physikalisch nicht möglich sind.
Durch die angekündigte Abschaltung soll die Auslastung der Glasfasernetze ("Take-up-Rate") erhöht werden. Dies sichert die Rentabilität des teuren Ausbaus und beschleunigt die Digitalisierung Deutschlands hin zu Gigabit-Geschwindigkeiten, die mit alter Kupfertechnik physikalisch nicht möglich sind.
Zusammenfassung
- Bundesnetzagentur plant schrittweisen Wechsel von Kupfer- zu Glasfasernetzen
- Branchenverbände begrüßen regelbasierten Übergang mit verbindlichem Zeitrahmen
- Wettbewerber kritisieren mögliche Open-Access-Pflicht gegenüber der Telekom
- Diskussion über 80-Prozent-Schwelle für Glasfaseranschlüsse vor Netzabschaltung
- Verbände fordern diskriminierungsfreien Übergang ohne Benachteiligung
- Forderung nach bundesweitem Migrationsplan mit klar definierten Meilensteinen
- Freiwillige Kooperationsmodelle werden gegenüber Regulierungszwang bevorzugt
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