Micron verdient gut: Die Speicherkrise geht so schnell nicht vorbei

Der US-Speicherchip-Hersteller Micron warnt vor anhaltend knappen Zeiten auf dem weltweiten Markt für Arbeitsspeicher. Das Unternehmen geht derzeit nicht davon aus, dass sich die Situation schnell verbessern wird.
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Micron

Lukrative Knappheit

In seinem jüngsten Quartalsbericht machte Konzernchef Sanjay Mehrotra deutlich, dass die Branche sowohl bei DRAM als auch bei NAND-Flash vor "angespannten Rahmenbedingungen" steht, die sich voraussichtlich bis weit über das Jahr 2026 hinausziehen werden. Haupttreiber dieser Entwicklung ist der Boom rund um Künstliche Intelligenz, der den Bedarf an leistungsfähigen Speicherlösungen massiv steigen lässt.

Unternehmen wie OpenAI, Meta, Microsoft und Google rüsten ihre Rechenzentren mit immer mehr Hochleistungsprozessoren aus, die auf High-Bandwidth-Memory (HBM) angewiesen sind. Davon profitiert Micron enorm: Im vergangenen Quartal erzielte der Konzern mit 13,64 Milliarden Dollar einen Rekordumsatz, ein deutlicher Sprung gegenüber den 8,71 Milliarden Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres.


Um die lukrative Nachfrage aus dem KI-Sektor zu bedienen, richtet Micron sein Geschäft zunehmend neu aus. Die bekannte Endkundenmarke Crucial, über die bislang RAM-Module und SSDs für Verbraucher verkauft wurden, wird eingestellt. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf HBM-Produkte, die zwar deutlich höhere Margen versprechen, aber auch wesentlich ressourcenintensiver sind: Für ihre Herstellung werden rund dreimal so viele Silizium-Wafer benötigt wie für herkömmlichen DRAM. Das hat Folgen für den Rest des Marktes, denn Kapazitäten für klassischen Arbeitsspeicher werden knapper.

Neue Werke im Bau

Bereits jetzt ziehen die Preise für DDR5-RAM-Kits spürbar an. Experten rechnen damit, dass sich dies bald auch bei Alltagsgeräten wie PCs, Smartphones, Smart-TVs oder sogar in der Automobilindustrie bemerkbar macht. Micron selbst warnt, dass die Engpässe im kommenden Jahr sogar die Auslieferung von Computern bremsen könnten.

Zwar plant der Konzern, seine Produktion deutlich hochzufahren und die Liefermengen von DRAM und NAND-Speicher im nächsten Jahr um rund 20 Prozent zu steigern. Doch selbst dieses Wachstum reicht nach Einschätzung des Managements nicht aus, um die Nachfrage vollständig zu decken. Mehrotra räumte ein, dass man trotz großer Anstrengungen viele Kunden in unterschiedlichen Marktsegmenten nicht ausreichend bedienen könne.

Langfristig setzt Micron auf neue Fertigungsstandorte: Ein Werk im US-Bundesstaat Idaho soll 2027 den Betrieb aufnehmen, ein weiteres in New York ist für 2030 geplant. Bis diese Kapazitäten verfügbar sind, dürfte der weltweite Speichermarkt jedoch angespannt bleiben - mit spürbaren Auswirkungen für Industrie und Verbraucher gleichermaßen.
Zusammenfassung
  • Micron warnt vor anhaltenden Engpässen bei DRAM und NAND-Flash bis 2026
  • KI-Boom treibt Bedarf an High-Bandwidth-Memory und Microns Rekordumsatz
  • Crucial-Marke wird eingestellt zugunsten margenstarker HBM-Produkte
  • Preise für DDR5-RAM steigen, Auswirkungen auf PCs und Smartphones erwartet
  • Trotz geplanter Produktionssteigerung von 20 Prozent bleibt Nachfrage ungedeckt
  • Neue Fertigungsstandorte in Idaho und New York erst ab 2027 bzw. 2030 verfügbar

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