PCIe-6.0-Premiere: Micron 9650 verdoppelt SSD-Lesegeschwindigkeit

Micron läutet mit dem Start der Massenproduktion der Modellreihe 9650 offiziell die Ära der PCIe-6.0-SSDs ein. Das NVMe-Laufwerk erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 28 GB/s. Bis Endverbrauchern solche Hardware zur Verfügung steht, wird es jedoch noch dauern.
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Micron

Startschuss für PCIe 6.0 im Rechenzentrum

Mit der Modellreihe 9650 ist nun laut Hersteller Micron das weltweit erste NVMe-Laufwerk in die Massenproduktion gestartet, das die Spezifikationen von PCIe 6.0 vollständig ausschöpft. Wie der ein oder andere nach dem Aus von Microns Consumer-Marke Crucial eventuell schon vermutet, zielt die neue Hardware-Generation nicht auf den klassischen Desktop-PC, sondern adressiert primär die immensen Anforderungen moderner Rechenzentren.

Vor allem das Training komplexer Modelle für Künstliche Intelligenz und anspruchsvolle Inferenz-Workloads erfordert Datenraten, die bisherige Standards an ihre Grenzen brachten. Mit sequenziellen Lesegeschwindigkeiten von bis zu 28 Gigabyte pro Sekunde soll die neue SSD nahezu die doppelte Bandbreite aktueller Gen5-Laufwerke bieten.


Während Grafikbeschleuniger und Prozessoren in ihrer Rechenleistung und Parallelität massiv skalierten, konnte der Datentransfer zwischen Speicher und Recheneinheit oft nicht Schritt halten. Die neue Speicherlösung soll diese Lücke schließen und dafür sorgen, dass GPU-Cluster bei der Arbeit an Large Language Models seltener auf neue Daten warten müssen, was die Effizienz der gesamten Infrastruktur steigern dürfte.

Technik im Detail: PAM4 und G9-NAND

Wie Micron in einem Blog-Beitrag darlegt, basiert die Leistungssteigerung nicht nur auf höheren Taktraten, sondern auf einem fundamentalen Wechsel der Signalübertragung. Die 9650 nutzt, wie im PCIe-6.0-Standard definiert, erstmals die sogenannte Pulsamplitudenmodulation (PAM4). Im Gegensatz zur bisherigen NRZ-Codierung, die nur die beiden Zustände 0 und 1 kennt, arbeitet PAM4 mit vier Spannungspegeln. Das erlaubt die Übertragung von zwei Bits pro Taktzyklus, was die Bandbreite effektiv verdoppelt, ohne die Frequenz ins Extreme treiben zu müssen. Kombiniert wird dieser Controller mit dem hauseigenen 232-Layer G9 TLC NAND, um die nötige Speicherdichte zu erreichen.

Neben der sequenziellen Leserate von 28 GB/s sollen die Laufwerke eine Schreibgeschwindigkeit von bis zu 14 GB/s erreichen. Auch bei den zufälligen Zugriffen setzt die Hardware Herstellerangaben zufolge neue Maßstäbe. So stehen bis zu 5,5 Millionen IOPS im Datenblatt. Um die bei PAM4 technisch bedingt höhere Fehlerrate auszugleichen, kommt zudem eine verbesserte Vorwärtsfehlerkorrektur zum Einsatz, die die Datenintegrität bei diesen hohen Geschwindigkeiten gewährleisten soll.

Varianten für unterschiedliche Lasten

Das Portfolio der neuen Serie gliedert sich in zwei spezialisierte Produktlinien, um den verschiedenen Anforderungen in Serverumgebungen gerecht zu werden:

  • Micron 9650 Pro: Diese Ausführung ist für leseintensive Anwendungen optimiert, wie sie in Content Delivery Networks oder bei der Inferenz von KI-Modellen vorkommen. Sie bietet Kapazitäten von 7,68 TB bis zu 30,72 TB.
  • Micron 9650 Max: Konzipiert für gemischte Workloads, bietet diese Variante eine bessere Langlebigkeit. Das Spitzenmodell erreicht eine theoretische Lebensdauer von über 140.000 TBW (Terabytes Written). Die Kapazitäten reichen hier von 6,4 TB bis 25,6 TB.

Effizienz und Kühlkonzepte

Trotz der enormen Leistungsdaten konnte der Energiebedarf pro Operation angeblich signifikant gesenkt werden. Die SSDs arbeiten in einem 25-Watt-Leistungszustand, was zwar absolut gesehen dem Verbrauch aktueller Gen5-Enterprise-Laufwerke entspricht, durch die verdoppelte Geschwindigkeit jedoch eine deutlich bessere Effizienz pro Watt bedeutet.

Die Abwärme auf kleinem Raum bleibt dennoch eine physikalische Herausforderung. Die 9650 erscheint daher in den modernen Formfaktoren E1.S und E3.S, die speziell für einen optimierten Luftstrom in 1U-Servern entwickelt wurden. Erstmals unterstützt eine SSD dieser Klasse laut Hersteller auch aktiv Konzepte für Flüssigkühlung, was in hochdichten Racks zunehmend zum Standard wird.

Für Endanwender und Gaming-PCs ist diese Technologie vorerst weniger relevant. Gängige Consumer-Plattformen unterstützen noch kein PCIe 6.0 und die hohen Kosten sowie die thermischen Anforderungen machen einen Einsatz im Desktop derzeit noch eher unattraktiv. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass entsprechende Schnittstellen im Consumer-Segment frühestens gegen Ende des Jahrzehnts eine nennenswerte Verbreitung finden werden.

Glaubt ihr, dass diese Geschwindigkeiten bald auch im privaten Gaming-PC zwingend notwendig sein werden oder bleibt PCIe 6.0 nur etwas für Server und absolute Enthusiasten? Wir sind gespannt auf eure Einschätzungen in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Micron startet Massenproduktion der 9650 PCIe-6.0-SSD
  • Neue NVMe-Laufwerke für Rechenzentren erreichen 28 GB/s Lesegeschwindigkeit
  • Pulsamplitudenmodulation ermöglicht Übertragung von zwei Bits pro Taktzyklus
  • 9650 Pro für leseintensive Anwendungen mit bis zu 30,72 TB Kapazität verfügbar
  • 9650 Max für gemischte Workloads mit verbesserter Lebensdauer bis 140.000 TBW
  • Trotz hoher Leistung verbesserte Energieeffizienz durch 25-Watt-Leistungszustand
  • PCIe 6.0 bleibt vorerst Servertechnik und kommt erst später in Consumer-PCs

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