Petrol-Lobby setzt sich durch, Verbrenner-Aus für 2035 gestrichen
Die EU weicht ihr Ziel für den Verbrenner-Ausstieg auf. Fahrzeuge mit fossilen Antrieben dürfen auch nach 2035 neu zugelassen werden. Anstelle einer vollständigen CO₂-Reduktion der Neuwagenflotten müssen Hersteller ihre Emissionen nur senken.
Künftig bleiben somit Verbrenner, Hybridfahrzeuge und Elektroautos mit Range Extender zulässig. Die verbleibenden zehn Prozent Emissionen müssen die Hersteller über Kompensationsmechanismen ausgleichen. Vorgesehen ist der Einsatz von Technologien, deren Nachweis derzeit noch als Herausforderung gilt:
Für Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sind künftig verbindliche Dienstwagenquoten vorgesehen. Firmenflotten müssen definierte Grün-Anteile erfüllen. So sollen durch den schnellen Austausch von Leasing- und Dienstwagen mehr emissionsarme Fahrzeuge auf den Gebrauchtmarkt gelangen. Steuerliche Vorteile sollen dabei vor allem für Modelle aus EU-Produktion gelten.
Politisch ist die Entscheidung bislang nicht endgültig. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte die Technologieoffenheit, doch im Europaparlament regt sich Widerstand. Spanien warnt vor Risiken für Investitionen in die Elektromobilität, während Länder wie Italien und Staaten Osteuropas die Lockerung unterstützen.
Haltet ihr die neuen Regeln für einen pragmatischen Kompromiss oder einen Rückschritt für den Klimaschutz? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare!
Siehe auch:
Abschied vom strikten 100-Prozent-Ziel
Es gilt eine Reduktion von 90 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 2021. Die Regelung markiert eine deutliche Kurskorrektur und bestätigt vorherige Berichte über interne Debatten zur Mobilitätswende.Künftig bleiben somit Verbrenner, Hybridfahrzeuge und Elektroautos mit Range Extender zulässig. Die verbleibenden zehn Prozent Emissionen müssen die Hersteller über Kompensationsmechanismen ausgleichen. Vorgesehen ist der Einsatz von Technologien, deren Nachweis derzeit noch als Herausforderung gilt:
- Grüner Stahl: Gutschriften gibt es für den nachweislichen Einsatz klimafreundlich produzierten Stahls. Voraussetzung ist eine dokumentierte Lieferkette.
- Klimaschonende Kraftstoffe: Eine Anrechnung erfolgt, wenn Fahrzeuge teilweise mit Biokraftstoffen aus Abfällen betrieben werden können. E-Fuels sind dabei nicht pauschal ausgenommen.
EU-Pläne gegen China-Konkurrenz
Die EU-Kommission bestätigte die Neuausrichtung am Dienstag. Wie der Spiegel berichtet, sollen Hersteller profitieren, wenn sie "kleine, erschwingliche Autos" bauen. Elektrofahrzeuge mit maximal 4,20 Metern Länge und Fertigung in Europa werden mit dem Faktor 1,3 auf die Flottenziele angerechnet. Damit will die EU sowohl europäische Werke stärken als auch auf die preisgünstige Konkurrenz aus China reagieren.Für Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sind künftig verbindliche Dienstwagenquoten vorgesehen. Firmenflotten müssen definierte Grün-Anteile erfüllen. So sollen durch den schnellen Austausch von Leasing- und Dienstwagen mehr emissionsarme Fahrzeuge auf den Gebrauchtmarkt gelangen. Steuerliche Vorteile sollen dabei vor allem für Modelle aus EU-Produktion gelten.
Geteiltes Echo aus der Industrie
Die Reaktionen auf die Pläne sind geteilt, wie es auf Tagesschau.de heißt. Volkswagen sprach von einem "pragmatischen" und wirtschaftlich sinnvollen Entwurf, während der Verband der Automobilindustrie (VDA) scharfe Kritik äußerte. VDA-Präsidentin Hildegard Müller nannte die Regelung "fatal": Die Branche mache sich abhängig von externen Faktoren wie grünem Stahl und synthetischen Kraftstoffen. Zudem steige der bürokratische Aufwand für den Nachweis der CO2-Neutralität erheblich.Politisch ist die Entscheidung bislang nicht endgültig. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte die Technologieoffenheit, doch im Europaparlament regt sich Widerstand. Spanien warnt vor Risiken für Investitionen in die Elektromobilität, während Länder wie Italien und Staaten Osteuropas die Lockerung unterstützen.
Haltet ihr die neuen Regeln für einen pragmatischen Kompromiss oder einen Rückschritt für den Klimaschutz? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare!
Ist das Verbrenner-Aus jetzt vom Tisch?
Faktisch ja, zumindest in seiner strikten Form. Die EU-Kommission plant, das ursprünglich für 2035 angesetzte Verbot aufzuweichen. Anstatt die CO2-Emissionen von Neuwagen um 100 Prozent zu senken, soll nun ein Ziel von 90 Prozent gelten. Die verbleibenden 10 Prozent geben den Herstellern Spielraum.
Das bedeutet, dass auch nach 2035 noch neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen werden dürften. Bedingung ist jedoch, dass die Hersteller die restlichen Emissionen kompensieren - etwa durch den Nachweis von klimaschonendem Stahl in der Produktion oder den Einsatz synthetischer Kraftstoffe.
Das bedeutet, dass auch nach 2035 noch neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen werden dürften. Bedingung ist jedoch, dass die Hersteller die restlichen Emissionen kompensieren - etwa durch den Nachweis von klimaschonendem Stahl in der Produktion oder den Einsatz synthetischer Kraftstoffe.
Haben Hybrid-Autos wieder eine Zukunft?
Ja, die Technologieoffenheit stärkt Hybride massiv. Neben klassischen Verbrennern sollen explizit auch Plug-in-Hybride und E-Autos mit sogenanntem Range Extender (kleine Verbrenner zur Batterieladung) nach 2035 zulassungsfähig bleiben.
Dies ist besonders für Vielfahrer interessant, denen die reine Batterie-Reichweite bisher Sorgen bereitete. Da die Flottengrenzwerte nicht mehr auf Null sinken müssen, können Hersteller diese Fahrzeuge im Portfolio behalten, solange der Gesamtschnitt stimmt.
Dies ist besonders für Vielfahrer interessant, denen die reine Batterie-Reichweite bisher Sorgen bereitete. Da die Flottengrenzwerte nicht mehr auf Null sinken müssen, können Hersteller diese Fahrzeuge im Portfolio behalten, solange der Gesamtschnitt stimmt.
Darf ich nach 2035 noch Diesel kaufen?
Technisch gesehen ja. Da die Reduktionsziele auf 90 Prozent gesenkt werden sollen, ist der Verkauf neuer Diesel- und Benzinfahrzeuge weiterhin möglich. Die Hersteller müssen jedoch für jedes Gramm CO2, das diese Autos ausstoßen, an anderer Stelle Kompensationen nachweisen.
Es ist davon auszugehen, dass das Angebot an klassischen Verbrennern zwar bestehen bleibt, aber möglicherweise teurer wird oder sich auf bestimmte Fahrzeugklassen beschränkt, um die strengen Flottenziele im Durchschnitt nicht zu gefährden.
Es ist davon auszugehen, dass das Angebot an klassischen Verbrennern zwar bestehen bleibt, aber möglicherweise teurer wird oder sich auf bestimmte Fahrzeugklassen beschränkt, um die strengen Flottenziele im Durchschnitt nicht zu gefährden.
Werden E-Autos jetzt endlich billiger?
Es gibt zumindest starke Anreize für günstigere Modelle. Die EU will kleine Elektroautos "Made in Europe" (bis 4,20 Meter Länge) bei der Berechnung der Flottengrenzwerte mit dem Faktor 1,3 gewichten. Das macht die Produktion von Kleinwagen für Hersteller deutlich attraktiver.
Dieser "Rechenkniff" soll den Zugang zur E-Mobilität demokratisieren und gleichzeitig die europäische Produktion gegenüber chinesischen Importen stärken. Ob die Hersteller diesen Vorteil direkt als Preisnachlass an die Endkunden weitergeben, bleibt abzuwarten.
Dieser "Rechenkniff" soll den Zugang zur E-Mobilität demokratisieren und gleichzeitig die europäische Produktion gegenüber chinesischen Importen stärken. Ob die Hersteller diesen Vorteil direkt als Preisnachlass an die Endkunden weitergeben, bleibt abzuwarten.
Warum rudert die EU jetzt zurück?
Die europäische Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise. Absatzschwäche bei E-Autos, starke Konkurrenz aus China und schlecht ausgelastete Fabriken setzen Konzerne wie VW oder BMW unter Druck. Länder wie Deutschland und Italien haben daher massiv auf Lockerungen gedrängt.
Man versucht nun einen Spagat: Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sollen durch "Technologieoffenheit" gesichert werden, ohne die Klimaziele komplett aufzugeben. Es ist ein Kompromiss zwischen ökologischem Anspruch und ökonomischer Realität.
Man versucht nun einen Spagat: Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sollen durch "Technologieoffenheit" gesichert werden, ohne die Klimaziele komplett aufzugeben. Es ist ein Kompromiss zwischen ökologischem Anspruch und ökonomischer Realität.
Wann treten die Änderungen in Kraft?
Bisher handelt es sich um einen Vorschlag der Kommission. Damit er Gesetz wird, müssen sowohl das Europaparlament als auch der Rat der Mitgliedstaaten zustimmen. Angesichts der unterschiedlichen Interessen (z.B. Spanien gegen Lockerungen, Deutschland dafür) werden zähe Verhandlungen erwartet.
Experten rechnen damit, dass sich der Prozess über Monate hinziehen kann. Da im Parlament neue Mehrheiten jenseits der üblichen Koalitionen nötig sein könnten, ist der genaue Zeitplan noch offen.
Experten rechnen damit, dass sich der Prozess über Monate hinziehen kann. Da im Parlament neue Mehrheiten jenseits der üblichen Koalitionen nötig sein könnten, ist der genaue Zeitplan noch offen.
Zusammenfassung
- EU ändert Verbrenner-Ausstieg: Nur 90 Prozent CO2-Reduktion bis 2035
- Verbrenner, Hybride und Range Extender bleiben mit Kompensation zulässig
- Grüner Stahl und klimaschonende Kraftstoffe als Ausgleichsmechanismen
- Kleine Elektroautos aus EU-Produktion werden mit Faktor 1,3 angerechnet
- Dienstwagenquoten für größere Unternehmen sollen Gebrauchtmarkt fördern
- Reaktionen geteilt: VW befürwortet, VDA kritisiert die neuen Regelungen
Siehe auch:
- Trump untersagt Kalifornien, Verbrenner ab 2035 zu verbieten
- ADAC-Pannenstatistik: Elektroautos sind zuverlässiger als Verbrenner
- Trotz E-Auto-Offensive: Neuer BMW 3er kommt auch als Verbrenner
- BYD möchte mit Tesla zusammenarbeiten: "gemeinsamer Feind Verbrenner"
- Nach Amtsantritt von Trump: BMW investiert verstärkt in Verbrenner
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