Französischer Streamer stirbt während extremer Live-Übertragung
Ein französischer Streamer stirbt während einer 298-stündigen Livestream-Session auf Kick, nachdem er monatelang Gewalt und Demütigungen durch Mitstreamer erdulden musste. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, doch der Fall hat viele offene Fragen.
Anderen Teilnehmern des Streams fiel auf, dass Graven gestorben war während sie sich hingelegt hatten, und brachen die Übertragung dann ab. Die Staatsanwaltschaft von Nizza ordnete mittlerweile eine Autopsie an und eröffnete eine Untersuchung zu seinem Tod. Die genaue Todesursache ist zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt, der Fall hat auch viele offene Fragen, darunter, ob und wie viel dieser Übertragung gestellt wurde.
Wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet, trat Graven auf seinem Kick-Kanal, der eine halbe Million Abonnenten hatte, meist mit drei anderen Influencern auf: Owen Cenazandotti (bekannt als Naruto), Safine Hamadi (Safine) und einem Mann namens "Coudoux". Die Gruppe hatte sich auf extreme Inhalte spezialisiert, die weit über normale Streaming-Aktivitäten hinausgingen.
Die Streamer sammelten durch diese Inhalte Geld von Zuschauern, entweder durch wiederkehrende Abonnements oder einmalige Spenden. Bis zum Ende des Livestreams, der mit Gravens Tod endete, zeigte der Spendensammler im Video, dass sie über 36.000 Euro gesammelt hatten. Angesichts dieser Form der Monetarisierung von Gewalt kann und muss man sich natürlich die Frage stellen, warum das Quartett das überhaupt machen durfte und inwieweit Streaming-Plattformen und deren Geschäftsmodelle so etwas tolerieren oder gar fördern.
Drei Anklagepunkte werden untersucht, darunter zum Vorwurf der "öffentlichen Anstiftung über elektronische Kommunikation zu Hass oder Gewalt gegen eine Person oder Gruppe aufgrund ihrer Behinderung".
Im Rahmen dieser Verfahren wurden die beiden Influencer, die verdächtigt werden, die Gewalt verübt zu haben - Cenazandotti und Hamadi - am 8. Januar 2025 in Polizeigewahrsam genommen und dann wieder freigelassen. "Sowohl die Personen, die verdächtigt werden, verwickelt zu sein, als auch diejenigen, die verdächtigt werden, Opfer zu sein, bestritten die Begehung von Straftaten", sagte der Staatsanwalt von Nizza damals.
In einem anderen älteren Video, das nach dem Tod des Streamers wieder auftauchte, sind Cenazandotti und Hamadi zu hören, wie sie explizit über die Möglichkeit diskutieren, dass Graven live vor der Kamera stirbt, und ihn drängen zu sagen "zur Kamera, jetzt sofort, dass, wenn er morgen live stirbt, es wegen seiner beschissenen Gesundheit ist und nicht unseretwegen". Inwieweit die Videos bzw. die darin verübte Gewalt echt waren, ist aktuell allerdings nicht klar, die Streamer verweisen darauf, dass die Szenen allesamt gestellt gewesen sein sollen.
Die Betreiber der Kick-Plattform erklärten: "Wir sind zutiefst traurig über den Verlust von Jean Pormanove und sprechen seiner Familie, seinen Freunden und der Gemeinschaft unser Beileid aus." Alle Co-Streamer, die an dieser Liveübertragung teilnahmen, wurden bis zur laufenden Untersuchung gesperrt.
Kick ist eine in Australien registrierte Live-Streaming-Plattform, die sich durch einen besonders großzügigen 95/5-Prozent-Umsatzanteil für Creators von Konkurrenten wie Twitch unterscheidet. Die 2022 gegründete Plattform ist auch bekannt für deutlich lockerere Moderation. Diese steht nun im Fokus der Kritik, da sie möglicherweise extreme Inhalte begünstigt hat.
Was haltet ihr von der Verantwortung der Streaming-Plattformen bei solchen Fällen? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren.
Siehe auch:
Tragischer Tod bei Extremchallenge
Ein 46-jähriger französischer Influencer ist während eines Livestreams auf der Plattform Kick gestorben, nachdem er über Monate hinweg Gewalt und Demütigungen durch andere Teilnehmer erduldet hatte. Raphaël Graven, bekannt unter seinem Streamer-Namen Jean Pormanove, starb am Montag, 18. August, während einer Livestream-Session, die bereits über 298 Stunden lief.Anderen Teilnehmern des Streams fiel auf, dass Graven gestorben war während sie sich hingelegt hatten, und brachen die Übertragung dann ab. Die Staatsanwaltschaft von Nizza ordnete mittlerweile eine Autopsie an und eröffnete eine Untersuchung zu seinem Tod. Die genaue Todesursache ist zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt, der Fall hat auch viele offene Fragen, darunter, ob und wie viel dieser Übertragung gestellt wurde.
Wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet, trat Graven auf seinem Kick-Kanal, der eine halbe Million Abonnenten hatte, meist mit drei anderen Influencern auf: Owen Cenazandotti (bekannt als Naruto), Safine Hamadi (Safine) und einem Mann namens "Coudoux". Die Gruppe hatte sich auf extreme Inhalte spezialisiert, die weit über normale Streaming-Aktivitäten hinausgingen.
Monatelange Gewalt vor laufender Kamera
In Videos dieser Gruppe wurden Graven - ein drahtiger ehemaliger Soldat - und "Coudoux", eine Person mit Behinderung unter Vormundschaft, häufig misshandelt und erlitten Schläge, Beleidigungen und Demütigungen durch die beiden anderen Streamer. Cenazandotti und Hamadi schlugen ihre beiden Partner regelmäßig hart auf den Kopf, packten sie an der Kehle, um sie zu würgen, und spuckten sie an oder gossen verschiedene Substanzen über sie.Die Streamer sammelten durch diese Inhalte Geld von Zuschauern, entweder durch wiederkehrende Abonnements oder einmalige Spenden. Bis zum Ende des Livestreams, der mit Gravens Tod endete, zeigte der Spendensammler im Video, dass sie über 36.000 Euro gesammelt hatten. Angesichts dieser Form der Monetarisierung von Gewalt kann und muss man sich natürlich die Frage stellen, warum das Quartett das überhaupt machen durfte und inwieweit Streaming-Plattformen und deren Geschäftsmodelle so etwas tolerieren oder gar fördern.
Bereits laufende Ermittlungen
Die Aktivitäten dieser Content-Ersteller wurden wohlgemerkt bereits im Dezember 2024 unter die Lupe genommen: Ein Artikel der investigativen Nachrichtenseite Mediapart beweist, dass die Torturen bereits länger Teil der "Unterhaltung" waren. Nach den Enthüllungen eröffnete der Staatsanwalt von Nizza, Damien Martinelli, eine Voruntersuchung, die noch läuft.Drei Anklagepunkte werden untersucht, darunter zum Vorwurf der "öffentlichen Anstiftung über elektronische Kommunikation zu Hass oder Gewalt gegen eine Person oder Gruppe aufgrund ihrer Behinderung".
Im Rahmen dieser Verfahren wurden die beiden Influencer, die verdächtigt werden, die Gewalt verübt zu haben - Cenazandotti und Hamadi - am 8. Januar 2025 in Polizeigewahrsam genommen und dann wieder freigelassen. "Sowohl die Personen, die verdächtigt werden, verwickelt zu sein, als auch diejenigen, die verdächtigt werden, Opfer zu sein, bestritten die Begehung von Straftaten", sagte der Staatsanwalt von Nizza damals.
Fragile Gesundheit und Zweifel
Gravens fragile Gesundheit war den Zuschauern seines Kanals wohlbekannt. In einem Ausschnitt des jüngsten "XXL"-Livestreams, der am Dienstag in den sozialen Medien weitverbreitet wurde, ist zu sehen, wie Cenazandotti Bedenken über die Atemprobleme seines "Partners" und das Risiko von "körperlichen Problemen" äußert.In einem anderen älteren Video, das nach dem Tod des Streamers wieder auftauchte, sind Cenazandotti und Hamadi zu hören, wie sie explizit über die Möglichkeit diskutieren, dass Graven live vor der Kamera stirbt, und ihn drängen zu sagen "zur Kamera, jetzt sofort, dass, wenn er morgen live stirbt, es wegen seiner beschissenen Gesundheit ist und nicht unseretwegen". Inwieweit die Videos bzw. die darin verübte Gewalt echt waren, ist aktuell allerdings nicht klar, die Streamer verweisen darauf, dass die Szenen allesamt gestellt gewesen sein sollen.
Politische Reaktionen
Clara Chappaz, die französische Ministerin für künstliche Intelligenz und digitale Angelegenheiten, bezeichnete "den Tod von Jean Pormanove und die Gewalt, die er erlitt, als absolut entsetzlich". Sie verwies die Angelegenheit an Frankreichs Medienregulierungsbehörde ARCOM und reichte einen Bericht bei Pharos ein, der öffentlichen Plattform für die Meldung illegaler Online-Inhalte.Die Betreiber der Kick-Plattform erklärten: "Wir sind zutiefst traurig über den Verlust von Jean Pormanove und sprechen seiner Familie, seinen Freunden und der Gemeinschaft unser Beileid aus." Alle Co-Streamer, die an dieser Liveübertragung teilnahmen, wurden bis zur laufenden Untersuchung gesperrt.
Kick ist eine in Australien registrierte Live-Streaming-Plattform, die sich durch einen besonders großzügigen 95/5-Prozent-Umsatzanteil für Creators von Konkurrenten wie Twitch unterscheidet. Die 2022 gegründete Plattform ist auch bekannt für deutlich lockerere Moderation. Diese steht nun im Fokus der Kritik, da sie möglicherweise extreme Inhalte begünstigt hat.
Was haltet ihr von der Verantwortung der Streaming-Plattformen bei solchen Fällen? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren.
Zusammenfassung
- 46-jähriger französischer Streamer starb während eines 298-stündigen Livestreams
- Raphaël Graven ertrug monatelang Gewalt und Demütigungen im Stream
- Staatsanwaltschaft Nizza leitete Untersuchung ein und ordnete Autopsie an
- Streamer-Gruppe sammelte über 36.000 Euro durch extreme Inhalte
- Zwei Mitstreamer wurden im Januar 2025 kurzzeitig in Polizeigewahrsam genommen
- Gravens fragile Gesundheit und Atemprobleme waren den Zuschauern bekannt
- Streaming-Plattform Kick sperrte alle beteiligten Co-Streamer bis zur Aufklärung
Siehe auch:
- Nintendo will Streamer zur Vernichtung seiner Spiele-Hardware zwingen
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- Schummelt Musk beim Spielen? Streit mit bekanntem Streamer eskaliert
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Thema:
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