Staatsanwalt in Erfurt ermittelt:
Amazon-Mitarbeiter stirbt auf Toilette

Ein Todesfall im Amazon-Logistikzentrum Erfurt sorgt für Unruhe: Ein 59-Jähriger verstarb während seiner Schicht. Verdi kritisiert den Umgang mit Krankmeldungen scharf, der Konzern widerspricht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun zu den genauen Umständen.
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Ermittlungen nach Todesfall

Ein tragischer Vorfall im Amazon-Logistikzentrum Erfurt wirft laut der Gewerkschaft Verdi Fragen zur Arbeitssicherheit und dem Umgang mit Mitarbeitern auf.

Am 17. November verstarb ein Angestellter während seiner Frühschicht am Standort in Thüringen. Der Mann wurde von Kollegen leblos in einer Firmentoilette aufgefunden. Zuvor hatte er sich offenbar unwohl gefühlt. Der Fall sorgt derzeit für erhebliche Spannungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Versandhändler, da die Darstellungen über die Ereignisse unmittelbar vor dem Tod des Mannes stark voneinander abweichen.


Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi habe der Mitarbeiter versucht, sich aufgrund seines Zustands krankzumelden. Dies sei ihm jedoch von den Vorgesetzten nicht gestattet worden.

Stattdessen sei er angehalten worden, eine Pause einzu­legen. Wenig später ereignete sich der medizinische Notfall in den Sanitär­anlagen. Es steht der schwer­wiegende Vorwurf im Raum, dass der Mann trotz warnender Gesundheits­signale unter Druck gesetzt wurde, am Arbeits­platz zu verbleiben. Amazon weist diese Version der Geschehnisse ent­schieden zurück und betont, dass mit dem Mit­arbeiter ein­ver­nehmlich eine Pause verein­bart worden sei.

Behörden prüfen den Fall

Wie der MDR berichtet, hat die Staatsanwaltschaft inzwischen ein offizielles Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Dies ist ein routinemäßiger Vorgang bei unklaren Todesursachen am Arbeitsplatz, um Fremdverschulden auszuschließen oder zu bestätigen. Amazon spricht in einer Stellungnahme von einem "tragischen medizinischen Notfall" und bestreitet einen direkten kausalen Zusammenhang mit den betrieblichen Abläufen oder der Arbeitssicherheit. Ein Sprecher erklärte, das Unternehmen sei tief betroffen und habe den Angehörigen sowie den betroffenen Kollegen psychologische Unterstützung angeboten.

"Kultur der Angst"

Der Vorfall rückt erneut die Arbeitsbedingungen beim Online-Riesen in den Fokus. Matthias Adorf von der Gewerkschaft Verdi kritisiert das Betriebsklima in Erfurt deutlich. Es herrsche eine "Kultur der Angst", die besonders Mitarbeiter mit befristeten Verträgen und Migrationshintergrund treffe. Da der Aufenthaltsstatus oder die finanzielle Existenz oft direkt an die Verlängerung befristeter Verträge gekoppelt seien, würden viele Beschäftigte auch krank zur Arbeit erscheinen, um nicht negativ aufzufallen. Ein Kollege des Verstorbenen bestätigte gegenüber Medien, dass Führungskräfte teils unwirsch auf Krankmeldungen reagierten.

Kritik an der Sicherheitskultur

Ein weiterer Streitpunkt betrifft die medizinische Erstversorgung im Logistikzentrum. Verdi bemängelt das Fehlen von professionellen Betriebssanitätern. Diese Positionen seien weitgehend durch geschulte Ersthelfer aus der Belegschaft ersetzt worden, was nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter bei einem derart großen Standort mit hoher körperlicher Belastung unzureichend sei.

Amazon verteidigt sein Sicherheitskonzept vehement. Der Konzern verweist auf folgende Maßnahmen am Standort Erfurt:

  • Ersthelfer: Es gäbe knapp 300 geschulte Ersthelfer, womit die gesetzlichen Vorgaben weit übertroffen würden.
  • Ausstattung: Der Standort sei flächendeckend mit Defibrillatoren ausgerüstet, um bei kardialen Notfällen schnell reagieren zu können.

Ob die Arbeitsbedingungen oder der Umgang der Vorgesetzten mit der Krankmeldung zum Tod beigetragen haben, müssen nun die juristischen Prüfungen klären. Für Amazon kommt die Debatte zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da die Vorbereitungen für das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft ("Peak Season") auf Hochtouren laufen und die Logistikzentren unter Volllast arbeiten.

Was denkt ihr über diesen Vorfall und die geschilderten Arbeitsbedingungen? Besteht hier Handlungsbedarf seitens der Gesetzgebung? Wir sind gespannt auf eure sachlichen Meinungen in den Kommentaren.

Zusammenfassung
  • 59-jähriger Amazon-Mitarbeiter starb am 17. November auf Toilette in Erfurt
  • Gewerkschaft Verdi: Krankmeldung wurde verweigert vor dem Todesfall
  • Amazon bestreitet Vorwürfe und spricht von einvernehmlicher Pausenvereinbarung
  • Staatsanwaltschaft hat Todesermittlungsverfahren eingeleitet
  • Verdi kritisiert Angstkultur besonders bei befristeten Verträgen
  • Amazon betont ausreichende Sicherheitsmaßnahmen mit knapp 300 Ersthelfern
  • Vorfall fällt in intensive Vorbereitungsphase für das Weihnachtsgeschäft

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