Hard-coded: Microsoft bremste Treiberinstallation bei Win9x wissentlich

Der Entwickler Eric Voirin hat bei seiner Tüftelei an einem Win98 QuickInstall genannten Framework für die möglichst schnelle Instal­lation von Windows 98 herausgefunden, dass Microsoft bei seinen alten Betriebssystemen bestimmte Aktivitäten absichtlich verzögert hat.

Viele Jahre warteten viele Nutzer brav 8 Sekunden

Voirin, besser bekannt unter seinem Online-Alias Oerg866, arbeitet seit einiger Zeit an einem Framework, das darauf ausgelegt ist, vorkonfigurierte Installationsmedien für Windows 9x-Systeme zu erstellen. Dabei sucht er auch nach Wegen, mit denen der Installationsprozess über eine reine Schrumpfung der zu installierenden Datenmengen hinaus beschleunigt werden kann.

Wie er jetzt über X/Twitter verkündete, hat er viele Jahre nach dem Support-Ende von Windows 98 jetzt einen Weg gefunden, wie der Prozess der Installation von Treibern für vom System neu gefundene Hardware deutlich beschleunigt werden kann: man muss nur eine von Microsoft festgelegte künstliche Verzögerung des Vorgangs entfernen.
Es gebe einen "hard-coded delay", wenn das System beim Erkennen neuer Hardware tatsächlich ein neues Gerät entdeckt. Durch einen Patch der Datei SYSDM.CPL für Windows 9x-Systeme habe er die absichtliche Verzögerung nun weitestgehend entfernt und auf nur noch 300 Millisekunden reduziert, so Voirin.

Die Wartezeit von insgesamt acht Sekunden sei genauer gesagt in zwei Schritte unterteilt. Zunächst wird drei Sekunden lang ein generischer Standard-Name für die Klasse oder das Gerät angezeigt, bevor dann der Name und ein Logo für das Gerät angezeigt werden, wenn ein Treiber gefunden wurde. Im Anschluss daran gebe es eine weitere fünfsekündige Verzögerung, die Microsoft mit voller Absicht integriert hat.

Zwar können sich die älteren Semester unter uns vielleicht noch an diverse Abenteuer bei der Installation von Treibern für neue Hardware in Windows-9x-PCs erinnern, darunter auch die manchmal anstrengenden Wartezeiten wie an dieser Stelle. Doch dürfte Microsoft durchaus seine Gründe gehabt haben, hier eine festgelegte Verzögerung zu integrieren.

Einerseits war es zu Zeiten der alten Betriebssysteme wohl durchaus sinnvoll, etwas Zeit vergehen zu lassen, bis sich die neue Hardware initialisiert hatte. Andererseits wollte man dem Nutzer offenbar auch genug Zeit geben, um die angezeigten Informationen zu "verdauen".

Zusammenfassung
  • Entwickler entdeckt absichtliche Verzögerungen in Windows 98-Installation
  • Eric Voirin arbeitet an Framework für schnelle Windows 9x-Installation
  • Künstliche Wartezeit von 8 Sekunden bei Hardware-Erkennung eingebaut
  • Verzögerung durch Patch auf 300 Millisekunden reduzierbar
  • Microsoft hatte Gründe für die Verzögerung: Hardware-Initialisierung
  • Nutzer sollten genug Zeit haben, angezeigte Informationen zu verarbeiten
  • Die Entdeckung erfolgte Jahre nach dem Support-Ende von Windows 98

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