Jetzt wackelt die Beschäftigungssicherung bei Volkswagen

Volkswagen bricht mit einer jahrzehntealten Tradition: Der Auto­kon­zern kün­digt die seit 1994 geltende Beschäftigungssicherung auf. Be­triebs­be­ding­te Kündigungen und sogar Werkschließungen sind nun nicht mehr aus­ge­schlos­sen. Der Sparkurs trifft das Stammpersonal hart.

Volkswagen: Traditionsreiche Job-Garantie wackelt

Der Volkswagen-Konzern steht vor einschneidenden Veränderungen. Wie unter anderem der Focus berichtet, kündigt der Autobauer die seit 1994 geltende Beschäftigungssicherung auf. Diese hatte bisher betriebsbedingte Kündigungen bis 2029 ausgeschlossen. Nun sieht sich das Unternehmen gezwungen, diesen Schutz aufzuheben.

Finanzielle Engpässe zwingen zum Handeln

Der Grund für diesen drastischen Schritt liegt in der angespannten finanziellen Situation des Konzerns. VW fehlen nach Informationen der "Bild" fünf Milliarden Euro. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, muss der Autobauer nun an allen Ecken und Enden sparen. Das Handelsblatt spricht von bis zu vier Milliarden Euro, die zusätzlich eingespart werden sollen.


Auch Werkschließungen nicht mehr tabu

Die Lage ist so ernst, dass VW sogar Werkschließungen nicht mehr ausschließt. Dies betrifft sowohl Fahrzeugproduzierende als auch Komponenten-Standorte. Der bisher geplante Stellenabbau durch Altersteilzeit und Abfindungen reicht offenbar nicht aus, um die Einsparziele zu erreichen.

Konzernchef Oliver Blume begründet den harten Kurs mit der sich zuspitzenden Lage in der europäischen Automobilindustrie.
Das wirtschaftliche Umfeld hat sich nochmals verschärft, neue Anbieter drängen nach Europa
Oliver Blume, VW-Konzernchef
Zudem verliere der Standort Deutschland weiter an Wettbewerbsfähigkeit.

Die Pläne stoßen auf heftigen Widerstand seitens des Betriebsrats. Betriebsratschefin Daniela Cavallo bezeichnete sie als "Angriff auf unsere Beschäftigung, Standorte und Tarifverträge". Sie kündigte an, sich "erbittert zur Wehr" zu setzen und betonte: "Mit mir wird es keine VW-Standortschließungen geben!"

Neue Wege der Personalpolitik

Um Kosten zu sparen, setzt VW auch auf neue Maßnahmen wie die "Perspektivwerkstatt". Ab Oktober sollen Mitarbeiter, für die es im Unternehmen keine Verwendung mehr gibt, dort Unterstützung bei der Entwicklung neuer beruflicher Perspektiven erhalten. Intern wird dieser Prozess teilweise als "Drehscheibe" für Personalabbau bezeichnet.

Historischer Bruch?

Die Aufkündigung der Beschäftigungssicherung markiert einen historischen Bruch. 1994 hatten Vorstand, Betriebsrat und IG Metall mit der Einführung der Vier-Tage-Woche einen neuen Weg zur Standort- und Beschäftigungssicherung beschritten. Damals wurde die Arbeitszeit von 36 auf 28,8 Stunden reduziert - ohne vollen Lohnausgleich, aber mit der Zusage, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen.

Die Kernmarke Volkswagen kämpft seit Jahren mit hohen Kosten und liegt bei der Rendite weit hinter Konzernschwestern wie Skoda, Seat und Audi zurück. Im ersten Halbjahr 2024 lag die Rendite lediglich bei 2,3 Prozent - weit entfernt vom Ziel von 6,5 Prozent bis 2026.

Was haltet ihr von den Entwicklungen bei VW? Sind die harten Sparmaßnahmen eurer Meinung nach notwendig oder überzogen? Teilt eure Gedanken dazu in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • VW kündigt Beschäftigungssicherung seit 1994 auf
  • Kündigungen und Werkschließungen möglich
  • Finanzielles Defizit von fünf Milliarden Euro
  • Einsparungen von bis zu vier Milliarden Euro
  • Betriebsratschefin Cavallo kritisiert Pläne
  • Neues Konzept "Perspektivwerkstatt" ab Oktober
  • Bruch mit Tradition der Vier-Tage-Woche von 1994

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