Starliner-Debakel: Das sind die Folgen für Boeing und die Astronauten

NASAs Entscheidung, die Starliner-Astronauten mit SpaceX zurückzuho­len, ist ein herber Rückschlag für Boeing. Die Folgen für das Unterneh­men und die geplanten Missionen sind gravierend. Wie es nun mit dem Starliner-Programm weitergeht.
Logo, Boeing, Müll, Mülltonne

Boeing erleidet schweren Rückschlag bei Starliner-Programm

Die NASA hat am Wochenende eine folgenschwere Entscheidung getroffen, von der allerdings kaum jemand überrascht sein dürfte: Denn die beiden Astronaut*innen Butch Wilmore und Sunita Williams, die sich seit Juni an Bord der Internationalen Raumstation ISS befinden, werden nicht wie geplant mit Boeings Starliner-Kapsel zur Erde zurückkehren. Stattdessen soll ein Crew-Dragon-Raumschiff von SpaceX die Rückholaktion übernehmen - allerdings erst nächstes Jahr. Für Boeing ist diese Entscheidung ein schwerer Schlag, der weitreichende Konsequenzen haben wird.

Ausschlaggebend für die NASA-Entscheidung waren anhaltende technische Probleme mit der Starliner-Kapsel. Wie Ars Technica berichtet, traten während des Anflugs zur ISS Ausfälle bei fünf der 28 Steuertriebwerke auf. Zudem wurden Helium-Lecks im Antriebssystem festgestellt, die sich nach dem Andocken an der ISS noch verschlimmerten. "Wir haben diese Triebwerke zeitweise eindeutig bei höheren Temperaturen als vorgesehen betrieben", erklärte Steve Stich, Manager des kommerziellen Crew-Programms der NASA.

Die Probleme gehen auf eine fundamentale Designschwäche zurück: Die Triebwerke sind in vier Hundehütten-förmigen Antriebseinheiten am Starliner-Servicemodul angeordnet. Thermische Modellierungen zeigen nun, dass diese "Hundehütten" wie eine Thermoskanne wirken und die Wärme der Triebwerke einfangen, wenn diese wiederholt in Impulsen feuern.

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Obwohl Boeing versicherte, die Astronauten sicher zurückbringen zu können, entschied sich die NASA aus Sicherheitsgründen für die bewährte Alternative von SpaceX. Jim Free, Associate Administrator bei der NASA, betonte: "Es ist keine Frage des Vertrauens. Wir müssen unser technisches Fachwissen und unsere Erfahrung abwägen."

Folgen für Boeing und zukünftige Starliner-Missionen

Die Entscheidung der NASA hat weitreichende Konsequenzen für Boeing und das Starliner-Programm:

  1. Finanzielle Belastungen: Boeing muss unter den Bedingungen seines Festpreisvertrags mit der NASA alle Kosten für die Behebung der Probleme selbst tragen. Bisher hat das Unternehmen bereits 1,6 Milliarden Dollar an Belastungen für Verzögerungen und Kostenüberschreitungen verbucht.
  2. Zeitlicher Verzug: Der erste operative Flug des Starliner, ursprünglich für August 2025 geplant, wird sich voraussichtlich bis mindestens 2026 verzögern.
  3. Unsichere Zukunft: Es ist unklar, ob Boeing alle sechs vertraglich vereinbarten Missionen vor der geplanten Außerdienststellung der ISS im Jahr 2030 durchführen kann. Bemerkenswert ist, dass NASA bisher nur für drei der möglichen sechs operativen Starliner-Missionen eine feste Zusage erteilt hat.
  4. Wettbewerbsnachteil: SpaceX hat bereits acht operative Langzeitmissionen zur ISS durchgeführt und sich als zuverlässiger Partner etabliert.

Reaktionen und Stimmung bei Boeing

Die Entscheidung der NASA hat bei Boeing-Mitarbeitern für Frust und Enttäuschung gesorgt. Ein anonymer Mitarbeiter des Boeing-Raumfahrtprogramms in Florida äußerte gegenüber der New York Post: "Wir sind gedemütigt. Ich bin beschämt und entsetzt." Die Stimmung sei "im Keller", und viele würden die NASA für die Demütigung verantwortlich machen. Der Mitarbeiter fügte hinzu: "Wir hassen SpaceX. Wir reden ständig schlecht über sie, und jetzt retten sie uns."

Offiziell hält sich Boeing mit Kommentaren zurück und betont, man konzentriere sich darauf, Starliner sicher zur Erde zurückzubringen. NASA-Administrator Bill Nelson erklärte, er habe von Boeings neuem CEO Kelly Ortberg die Zusicherung erhalten, dass das Unternehmen weiterhin zum Commercial Crew-Programm stehe.

Was machen Wilmore und Williams jetzt?

Für die Astronauten Wilmore und Williams bedeutet die Entscheidung einen deutlich längeren Aufenthalt auf der ISS. Statt wie geplant nach acht Tagen zurückzukehren, werden sie nun voraussichtlich bis Februar 2025 im All bleiben. In dieser Zeit werden sie vollwertige Mitglieder der ISS-Crew und an wissenschaftlichen Experimenten, Wartungsarbeiten und möglicherweise auch Außeneinsätzen teilnehmen.

Was denkt ihr über diese Entwicklung? Ist es der richtige Schritt von NASA, auf Nummer sicher zu gehen, oder hätte man Boeing eine weitere Chance geben sollen? Und wie seht ihr die Zukunft der kommerziellen Raumfahrt? Wird SpaceX seine Dominanz weiter ausbauen können? Teilt eure Gedanken und Meinungen in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • NASA entscheidet sich gegen Boeings Starliner für ISS-Rückkehr
  • Starliner hat technische Probleme, darunter Triebwerksausfälle und Helium-Lecks
  • Boeing trägt alle Kosten für die Problemlösung, bisher 1,6 Milliarden Dollar
  • Erster operativer Starliner-Flug verzögert sich mindestens bis 2026
  • Unsicherheit über die Durchführung aller sechs geplanten Missionen
  • SpaceX wird bevorzugt und hat bereits acht Langzeitmissionen absolviert
  • Boeing-Mitarbeiter fühlen sich gedemütigt und sind frustriert über die Situation

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